Eine Tafel erinnert ans adelige Gut Lindau

Die Vorbesitzer Michael Gruber (Mitte) und Juliane Schiffbauer-Gruber (l.)  freuen sich mit Harald Kelm, dem Vorsitzenden der FWGL, dass die gestiftete Metalltafel nun allen Bürgern zugänglich ist. Foto: Lauterbach
Die Vorbesitzer Michael Gruber (Mitte) und Juliane Schiffbauer-Gruber (l.) freuen sich mit Harald Kelm, dem Vorsitzenden der FWGL, dass die gestiftete Metalltafel nun allen Bürgern zugänglich ist. Foto: Lauterbach

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11. September 2012, 03:59 Uhr

Lindau | Das Geheimnis ist gelüftet: Nachdem die Freie Wählergemeinschaft der Gemeinde Lindau (FWGL) von den Bürgern Michael Gruber und Juliane Schiffbauer-Gruber eine alte Metalltafel mit der Aufschrift "Adl. Gut Lindau" erhalten, sie aufgearbeitet und an einem Stein am Lindauer Zugbrunnen angebracht hat, wurde die Tafel am Sonntag im Beisein von etwa 50 Bürgern feierlich enthüllt. Der Vorbesitzer des alten Torhauses Ludwig Weber hatte das Schild bei Aufräumarbeiten auf dem Grundstück gefunden.

Michael Gruber und Juliane Schiffbauer-Gruber schenkten es der FWGL. "Das Schild sollte so platziert werden, dass es jeder sehen kann", sagte Juliane Schiffbauer-Gruber, die sich auch privat mit der Geschichte Lindaus beschäftigt und eine eigene Internetseite zur Lindenalle, die sich in ihrem Besitz befindet (wir berichteten), unterhält. "Die Nachforschungen zu Entstehungszeit und Zweck des Schildes jedoch gestalteten sich schwierig", teilte der Vorsitzende der Freien Wähler, Harald Kelm, in seinem kleinen geschichtlichen Rückblick mit. Nachfragen beim Landesarchiv in Schleswig hätten ergeben, dass es sich um keine amtliche Beschilderung handelt. Vermutlich hatte es der damalige Besitzer des Gutes von Ahlefeldt zu Repräsentationszwecken am Torhaus oder am Gutshaus angebracht. Das Ursprungsjahr ist ebenfalls nicht bekannt. Auch Matthias Weber aus Hamburg, Enkel von Ludwig Weber und freiberuflich als Historiker tätig, konnte keine Fakten zur Vorgeschichte des Schildes auftreiben, die durch Quellennachweise belegbar wären, wie er in einem Schreiben mitteilte. Die Entstehungszeit des Schildes meinte er jedoch eingrenzen zu können. Denn das adelige Gut Lindau stellte seit dem 16. Jahrhundert eine Wirtschafts- und Verwaltungseinheit dar. Als solche war es im Herzogtum Schleswig bis 1864 dem so genannten Dänischwohlder Güterdistrikt zugeordnet. Mit der Einrichtung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein 1867 wurde auch eine neue Verwaltungsgliederung geschaffen. Es entstanden im Regierungsbezirk Schleswig der Kreis Eckernförde, der wiederum in Amts- und Gutsbezirke unterteilt war. Lindau war nun zugleich Gutsbezirk und Amtsbezirk. Folglich müsse das Schild nach 1867 angefertigt worden sein, vermutet er. Vielleicht erst vom letzen Gutsherren aus Lindau, Oberstleutnant Rudolf von Ahlefeldt. Darauf verweist möglicherweise die Erwähnung der militärischen Verwaltungseinheit Landwehrbezirk Schleswig, die seit 1872 bestand. 1927 verkaufte Rudolf von Ahlefeldt die beiden Güter Lindau und Groß Königsförde, die seit 1460 in den Händen der Familie waren, wegen Konkurs an die Schleswig-Holsteinische Höfebank. Die Gutsherrschaft endete, die Güter wurden aufgesiedelt. 1928 wurde die Gemeinde Lindau gegründet.

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