Parkinson : Eine starke Gemeinschaft

Bei den Treffen der Parkinson-Selbsthilfegruppe werden immer wieder Profis für Vorträge eingeladen. Vor kurzem hat das Sanitätshaus Hildebrandt Hilfsmittel vorgestellt. Matthias Bierlein erklärte einen Rollstuhl mit Abbrems- und Schiebehilfe, in dem Gruppenleiter Bernd Carstens Platz nahm.
Bei den Treffen der Parkinson-Selbsthilfegruppe werden immer wieder Profis für Vorträge eingeladen. Vor kurzem hat das Sanitätshaus Hildebrandt Hilfsmittel vorgestellt. Matthias Bierlein erklärte einen Rollstuhl mit Abbrems- und Schiebehilfe, in dem Gruppenleiter Bernd Carstens Platz nahm.

Die Parkinson-Selbsthilfegruppe in Eckernförde gibt Betroffenen die Möglichkeit des Austauschs und der Beratung.

shz.de von
13. April 2018, 05:55 Uhr

Eckernförde | Muhammad Ali litt unter ihr, ebenso Johannes Paul II. und Michael J. Fox: Morbus Parkinson ist eine der bekanntesten und häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Betroffene in Eckernförde und Umgebung finden Hilfe bei einer Selbsthilfegruppe, die im August seit fünf Jahren besteht.

Vorsitzender der Gruppe ist Bernd Carstens, selbst von der Krankheit betroffen. „Bei Parkinson kann der Botenstoff Dopamin nicht mehr in ausreichender Menge produziert werden, um die Feinmotorik zu steuern“, erklärt er. Als typische Symptome der Erkrankung treten in weiterer Folge Steifheit der Muskulatur, Zittern und Verlangsamung der Bewegung auf. „Gegen das Zittern helfen häufig Medikamente, doch die Bewegung bleibt eingeschränkt. Typisch sind Trippelschritte oder plötzliche Bewegungsblockaden, das sogenannte Freezing.“

Ein Problem sei die frühzeitige Erkennung der Krankheit. „Hausärzte sind eben keine Neurologen“, sagt Bernd Carstens. Erst seit kurzem weiß man, dass außer dem Gehirn auch andere Teile des Nervensystems von der Krankheit betroffen sind. So kann sich Parkinson beispielsweise durch Riech- oder Verdauungsstörungen ankündigen.

Eine Heilung ist nicht möglich, aber die Krankheit ist sehr gut behandelbar, auch wenn sie ständig fortschreitet. „Die ersten fünf Jahre werden Honeymoon-Zeit genannt“, sagt Bernd Carstens. „Eine Tablette am Tag genügte da. Nach 16 Jahren nehme ich mittlerweile 15 Tabletten täglich.“ Die Sprache kann beeinträchtigt werden, ebenso Geruchs- und Geschmackssinn. An Parkinson stirbt man zwar nicht, aber vielleicht an dessen Folgen: „Es können massive Schluckbeschwerden auftreten. Dadurch können Nahrungsteile in die Luftröhre gelangen, die oft eine Lungenentzündung auslösen, an der Patienten sterben können.“

Wer in die Selbsthilfegruppe kommt, ist meistens über die Krankheit selbst aufgeklärt, erfährt hier aber Neuigkeiten auf anderem Gebiet: Welche neuen Medikamente gibt es? Wer kann mir bei Anträgen für die Krankenkasse helfen? Wo erhalte ich Hilfe, wenn mein Antrag auf Höherstufung durch den Medizinischen Dienst nicht bestätigt wurde? Bei manchen Treffen halten Ärzte Vorträge, bei anderen werden praktische Hilfsmittel vorgestellt. „Viele Betroffene wissen gar nicht, was ihnen zusteht. Oft haben sie auch die Eigenart, sich zurückzuziehen, weil sie nicht wollen, dass Außenstehende etwas von der Krankheit mitbekommen.“ Für sie ist die Gruppe eine gute Gelegenheit, sich im Kreise Gleichgesinnter auszutauschen und Hilfe zu erhalten. Zweimal im Jahr werden auch gemeinsame Ausflüge angeboten, und auch für Angehörige gibt es Gruppentreffen.

Parkinson: Die Gruppe

Die Parkinson-Selbsthilfegruppe trifft sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat um 15 Uhr im Familienzentrum im Saxtorfer Weg. Wer Interesse hat, braucht sich nicht anzumelden, sondern kann einfach vorbeikommen. Für Fragen steht Bernd Carstens unter Tel. 04644-970769 zur Verfügung.

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