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kreative lösungen : Eine sichere Insel auf Zeit für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Amt muss am heutigen Dienstag 35 Personen unterbringen und versorgen. In der ehemaligen Kirche „Die Insel“ ziehen heute die ersten Bewohner ein.

Damp | Ein normaler Dienstag – auf den ersten Blick. Für René Kinza, Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes des Amtes Schlei-Ostsee, und seine Mitarbeiter ist der heutige Dienstag kein normaler Arbeitstag. Das Amt erwartet im Laufe des Tages die Ankunft von 35 Flüchtlingen, die versorgt und untergebracht werden müssen.

Vor sieben Tagen haben Kinza und seine Mitarbeiter erfahren, dass heute 35 Personen unterzubringn sind, darunter auch Kinder und Jugendliche. „Hätte man uns vor einem Jahr gesagt, in wenigen Tagen kommen 35 Personen, dann wäre mein Adrenalinspiegel hoch gegangen“, sagt der Ordnungsamtsleiter. Mittlerweile könne er auf ein eingespieltes Team zurückgreifen – da wisse jeder, was zu tun sei. Bereits vor der Ankunft der Flüchtlinge stehe die Wohnungsaufteilung fest. Dabei achte man darauf, bestimmte Konstellationen zu berücksichtigen. So kommen heute beispielsweise drei Familien aus Afghanistan an. Da es im Amtsbereich noch nicht viele Asylbewerber aus dem südasiatischen Binnenland gebe, bemühe man sich, diese 19 in einem gemeinsamen Ort unterzubringen. In Waabs werden die drei Familien für die nächsten Monate ein vorübergehendes neues Zuhause finden. Dort hat das Amt drei Wohnungen angemietet.

Drei junge Syrer treten heute den Weg ins Ostseebad Damp an. Sie sind die ersten Bewohner der ehemaligen evangelischen Kirche „Die Insel“, die im Zuge der Entwidmung und der Bildung des ökumenischen Zentrums St. Elisabeth-Kirche seit Dezember 2014 leer steht .

Die ehemalige Pastoratswohnung bietet drei Zimmer mit je zwei Betten. Im ehemaligen Wohnzimmer wird ein Aufenthaltsraum eingerichtet. Insgesamt können 13 Menschen in der Insel untergebracht werden. Da sanitäre Anlagen in ausreichender Zahl in der Insel vorhanden seien, eigne sich diese Immobilie gut für die Unterbringung mehrerer Menschen, so Kinza. Die Räume sind hell und freundlich. Der ehemalige Kirchenraum und die Vorräume werden nicht genutzt. „Diese Räume schließen wir ab“, erklärt der Ordnungsamtsleiter.

Auch der Seitentrakt des alten Amtsgebäudes in Vogelsang-Grünholz, der für die Unterbringung von 16 Personen umgebaut wurde (wir berichteten), bekommt heute seine ersten Bewohner. Acht Männer finden dort für die nächsten Monate eine neue Bleibe. Fünf Personen werden heute in der Gemeinde Dörphof untergebracht.

Laut Quote müsse das Amt in diesem Jahr noch 150 bis 160 Flüchtlinge aufnehmen, sagt Kinza. Die Zuweisung laufe teilweise schleppend. Ursache sei die stockende Zuweisung vom Land auf die Kreise, erklärt der Ordnungsamtsleiter, der seiner Linie der dezentralen Unterbringung treu bleiben will. Das Amt sei sich sicher, dass auf diese Weise eine Integration erleichtert werde – anders als in den Großunterkünften. Bislang sind Flüchtlinge in den Gemeinden Damp, Brodersby, Winnemark, Dörphof, Waabs, Rieseby, Kosel, Barkelsby und Loose untergebracht.

„Wir wissen gar nichts über die Leute“, sagt René Kinza. „Einzelschicksale erfahren wir erst dann, wenn sie bei uns vor der Tür stehen“, so der 50-Jährige. So könne es schon passieren, dass jemand mit einer Kriegsverletzung ankomme, der eine ärztliche Nachbehandlung brauche.

Sobald der Kreis die Ankunft der Flüchtlinge angekündigt hat, setzt das Ordnungsamt die Maschinerie in Gang. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, die Helferkreise, der Hausmeister und die beiden Sozialarbeiter des Amtes werden informiert. Diese sind es auch, die mit den Flüchtlingen den ersten Einkauf erledigen, einen Dolmetscher besorgen und sie in ihre neue Unterkunft begleiten.

Unverzichtbar sind die Helferkreise. „Sie erleichtern den Flüchtlingen das Ankommen in einer fremden Umgebung“, so Kinza. Das Amt gebe ausschließlich die Hilfen, die vom Gesetzgeber her gefordert sind. Der Ordnungsamtsleiter verweist aber darauf, dass es stets eine Hilfe zur Selbsthilfe sein müsse. Am Ende dieses Tages haben Kinza und seine Mitarbeiter dafür gesorgt, dass 35 Flüchtlinge ein sicheres Zuhause gefunden haben.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 20:16 Uhr

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