Torpedovortrag : Eine Reise in die Militärgeschichte

Bernhard Tiepolt zeigte viele Bilder und Zeichnungen während seines Vortrags. Foto: Hallstein
Bernhard Tiepolt zeigte viele Bilder und Zeichnungen während seines Vortrags. Foto: Hallstein

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22. Juni 2013, 06:56 Uhr

Eckernförde | Eine Reise in die lokale Militärgeschichte unternahm Bernhard Tiepolt als leitender technischer Direktor i.R. des Fachbereichs Torpedo bei der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 71 im Stadtmuseum: Zu seinem Vortrag "100 Jahre Torpedoschießstand Eckernförde 1913 bis 2013" kamen 80 Zuhörer. Sie erhielten einen Einblick in eine zumeist von Geheimhaltung geprägte Technologie.

"Erste für die kaiserliche Marine gelieferten Torpedos stammten aus dem Jahr 1876, kamen aus dem Ausland und wiesen noch Mängel in Zuverlässigkeit und Technik auf", berichtete Tiepolt. Eine eigene Entwicklung wurde erst 1883 bei der kaiserlichen Marine eingeführt. Drei Jahre später drängte Alfred Tirpitz auf die Gründung der "Torpedoinspektion" in Kiel-Friedrichsort mit eigenständiger Entwicklung und Fertigung. Der erste in Serie gefertigte, mit Druckluft angetriebene Torpedo, der eine Reichweite von immerhin 800 Metern hatte, stand ab 1891 zur Verfügung. "Die problematische Tiefen- und Kurssteuerung bekam ihre Kriegstauglichkeit und fand sich in nahezu gleicher Form auch in den Torpedos des Zweiten Weltkriegs wieder", erläuterte Tiepolt. Die Testbedingungen vor Friedrichsort änderten sich mit der Freigabe des "Kaiser-Wilhelm-Kanals" und zunehmendem Schiffsverkehr. Gute Bedingungen bot jedoch die Eckernförder Bucht, hier entstand am 9. Juni 1913 als Außenstelle der Kieler Torpedowerke der "Torpedoschießstand Eckernförde". Nur einer Lücke im Versailler Vertrag war es zu verdanken, dass nach Ende des Ersten Weltkriegs der Betrieb unter dem Namen "Torpedoversuchsanstalt" (T.V.A.) wieder aufgenommen wurde.

Mit Beginn der Wiederaufrüstung ab März 1935 wurde die T.V.A zu einem komplexen Rüstungsbetrieb, der bis Kriegsende etwa 6500 Beschäftigte, darunter 300 Uhrmacher, aufwies. "Dies hatte erheblichen Einfluss auf die Bebauung um das Domstag und die Sehestedter Straße. Namen wie Scharnhorst-, Bismarck- und Gneisenaustraße, in denen die Facharbeiter wohnten, fanden in dieser Zeit ihren Ursprung", so Tiepolt. Auf einer Luftbildaufnahme der Briten zeigte er, wo sich beim heutigen Kranzfelder Hafen ab 1939 die Werkstätten und Molenanlagen der T.V.A. Nord befanden.

Mit Aufbau der Bundeswehr 1956 wurden wieder Rüstungstätigkeiten in der ehemaligen T.V.A. aufgenommen. Die Erprobungsstelle E71, ab 1987 WTD 71, war für Untersuchungen von Booten und Schiffen sowie Waffensystemen zuständig. "Kein leichter Anfang, viele Dokumente waren vernichtet, und manches musste aus geleisteten Reparationszahlungen wieder zurückgekauft werden", berichtete Tiepolt. Schwerpunkte waren die Entwicklungen der drahtgelenkten Torpedos, wie sie auf Schnell- und U-Booten zum Einsatz kamen. Aktuell spiele nur der Schwergewichtstorpedo DM2A4 eine Rolle, der lichtwellenleitergelenkt speziell für die U-Boote 212 A entwickelt wurde.

Die Sorge in der Fragerunde, ob bei der Erprobung auch "scharfe" Torpedos in die Bucht geschossen werden, konnte Tiepolt beruhigen.

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