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Neue Musik in der St. Nicolai-Kirche : Eine Nacht Musik – non stop

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Liegestühle statt hartes Kirchenholz – Zuhörer haben sich zweckmäßig auf vierstündigen Konzertmarathon vorbereitet. Während die Zuhörer sich entspannen konnten, mussten die drei Musiker vier Stunden lang Höchstleistungen abrufen.

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erstellt am 02.Sep.2013 | 06:03 Uhr

Viel, lang, entspannt - das sind einige Stichwörter die auf das Konzert „Nachhören 3 / For Philip Guston“ zutreffen. Stand bei dem Konzert aus der Reihe Neue Musik doch nur ein einziger Titel auf dem Programm. Von Morton Feldman erklang „For Philip Guston“ - bescheidene vier Stunden lang. Das Publikum war aufgefordert, es sich bequem zu machen, Liegestühle mitzubringen und klangzuwandeln. Selbst für Getränke war gesorgt, wohlgemerkt – während des Konzertes.

Initiator Gerald Eckert führt vor dem Konzert in das Leben und Werk von Morton Feldman ein. Der Amerikaner lebte von 1926 bis 1987, teilweise auch in Deutschland, wurde stark von John Cage beeinflusst und war mit mit vielen New Yorker Künstlern unter anderen auch mit dem meist abstrakt malenden Philip Guston befreundet. Das in der Nicolakirche aufgeführte Werk ist sowohl dem titelgebenden Maler als auch dem großen Komponisten Cage gewidmet.

Während sich das Publikum in den Liegestühlen und den Kirchenbänken bequem machte, musizierte das Ensemble Radar mit den Musikern Beatrix Wagner (Flöten), Ninon Gloger (Klavier) und Jonathan Shapiro (Schlagzeug). Die Anordnung war entsprechen dem Werk des Klangfantikers Feldmann über den Kirchenraum verstreut. Das Klavier (Feldmanns Lieblingsinstrument) stand vor dem Altar, in den Seitenflügeln Schlagwerk und Flöte. Vor dem Altar und – liegestulfrendlich – an der Decke wurden wechselnde Bilder des Malers Philip Guston projiziert, während der Gesamtraum in stimmungsvolles, gedämpftes Licht getaucht war.

Feldmann, der am Anfang seiner Kariere eine eigene Notation benutzte, hatte ein gesteigertes Interesse an Abstraktion in der Kunst, beschäftigte sich aber auch sehr mit Teppichen aus aller Welt. Seine Musik kommt vollkommen unaufgeregt daher, in gleichbleibender Lautstärke, durchaus harmomisch. Anfangs scheinen die Töne nebeneinander hinzugleiten, nach einiger Zeit des intensiven Zuhörens erschließen sich Zusammenhänge und verwobene Bilder, alles in einer fast meditativen Stimmung. Ohne jegliche Pause erkling das Werk vier Stunden lang und das Publikum nutzte das Angebot, den Klangraum der Kirche wandelnd zu erkunden. Verblüffend, wie an verschieden Standpunkten der Raumklang sich verändert und doch nie eins der Instrumente dominant wird. Gerald Eckert betonte in seiner Einführung schon: „Sie werden auf sich selbst zurückgeworfen“. Anscheinend gefiel den geduldigen Zuhörern diese Selbstbegnung in dem gewaltigen Klangraum: Nach vier Stunden steigerte sich der Applaus immer weiter - Dank für eine Meisterleistung an Konzentration und Können, wie sie für diese vielfältige Musikreihe typisch ist.

Das nächste Konzert der Musikreihe „Neue Musik“ in der St.-Nicolaikirche finde am 8. November unter dem Titel: „Nachhören 4 / Erinnerungen an das Vergessen“ statt.

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