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Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 10:53 Uhr

Kupferdruck : Eine Kunst wie vor 500 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Norbert Weber betreibt eine der wenigen Kupferdruckereien in Deutschland. Das Handwerk wird heute noch fast genau so ausgeführt wie im 16. Jahrhundert.

Eckernförde | Das Verfahren hat sich seit 500 Jahren fast nicht verändert und kaum einer beherrscht es noch: Galerist und Kurator Norbert Weber ist in Schleswig-Holstein wohl der einzige Kupferdrucker, der dieser Technik noch fast wie im 16. Jahrhundert nachgeht. Deutschlandweit machen das weniger als 15 Werkstätten.

Am Mittwoch hatte der Eckernförder in seiner Werkstatt (Galerie Nemo) an der Strandpromenade neben der Stadthalle (Jungfernstieg 10) die preisgekrönte Zeichnerin und Malerin Barbara Camilla Tucholski zu Gast, um für die Hamburger Griffelkunst-Vereinigung einige Drucke anzufertigen. Dabei erläuterte er sein Handwerk.

Kupferplatten werden mit einem Lack, dem „Ätzgrund“, eingefärbt, auf dem die Künstlerin mit einem Metallstift, der „Radiernadel“, zeichnet. Barbara Camilla Tucholski: „Ich bin dafür auf eine Wiese bei Sierksdorf an der Ostsee gegangen.“ Stehend hat sie dort mit der Kupferplatte in der Hand Pusteblumen gezeichnet.

Im Anschluss werden die Platten in ein Säurebad gelegt: Nur dort, wo die Radiernadel den Lack durchstoßen hat, ätzt sich die Säure in das Metall und es entstehen Furchen.

Nach dem „Wegradieren“ des Ätzgrundes erscheint die Kupferplatte für den Laien wie zerkratztes Metall, doch der Kupferdrucker belehrt ihn eines Besseren: Er streicht die Platte mit Ölfarbe ein und massiert die Farbe förmlich in die Furchen ein. Das Ergebnis hängt dabei besonders von der ästhetischen Sensibilität des Druckers ab. Anschließend legt er die Kupferplatte mit der Bildseite nach oben auf das Laufbrett der Presse, legt ein Blatt feuchtes Büttenpapier darauf und walzt mit 16 Tonnen Druck darüber. Früher geschah das mit einer Handkurbel, heute wird die Walze von einem Motor angetrieben. Norbert Weber: „Das ist die einzige Neuerung im Vergleich zu früher.“

Barbara Camilla Tucholski – Jahrgang 1947 – aus Oevelgönne hat weltweit ihre Zeichnungen und Bilder ausgestellt. Sie war bis 2013 Professorin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und ist unter anderem mit dem Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnung des Berliner Kabinetts ausgezeichnet worden.

Ihre Werke sind gefragt. Umso mehr freut sich Brigitte Bedei von der Griffelkunst-Vereinigung in Hamburg. Der Verein verlegt seit 1925 Editionen originaler Graphik und hat 4500 Mitglieder. Für ihren Jahresbeitrag in Höhe von 132 Euro können sich diese jährlich insgesamt vier Werke von zehn aktuellen Künstlern aussuchen, die extra für die Vereinigung Originale mit Signaturen anfertigen. Darunter nicht nur Radierungen, sondern auch Lithografien, Hochdrucke, Inkjet-Prints und andere Drucke. „Wir wollen zeitgenössische Kunst auch dem breiten Publikum zugänglich machen“, sagt Brigitte Bedei. Und das funktioniert auch angesichts des günstigen Preises. „Wir können mittlerweile keine Mitglieder mehr aufnehmen. Etwa 1000 Leute stehen auf der Warteliste.“

Gemeinsam haben alle Beteiligten gestern die ersten Drucke begutachtet – nach einem handwerklichen Prozess, in dessen Genuss auch Besucher kommen sollen: In den folgenden Wochen können sie während der Öffnungszeit (Montag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr) das seltene Handwerk in Augenschein nehmen.

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