Architektur : Eine kritisch-konstruktive Fotoreise mit Heinz Teufel

Referent Heinz Teufel ließ auch Bilder sprechen und untermauerte seine tiefgreifenden Ausführungen mit aktuellen Fotos, wie hier dem GWU-Neubau in der Rendsburger Straße.
Foto:
1 von 2
Referent Heinz Teufel ließ auch Bilder sprechen und untermauerte seine tiefgreifenden Ausführungen mit aktuellen Fotos, wie hier dem GWU-Neubau in der Rendsburger Straße.

Der international tätige Fotograf Heinz Teufel hat in einem Vortrag auf Versäumnisse und Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Stadtplanung hingewiesen.

shz.de von
27. November 2013, 06:15 Uhr

„Geht’s noch?“ Mehrfach kommentierte der in Eckernförde lebende und international bekannte Fotograf Heinz Teufel in seinem Vortrag „Städtebau und Architektur, traditionell und modern“ gestalterische Missklänge im öffentlichen Raum. Seit vierzig Jahren beschäftigt sich der Fotograf mit Architektur und baulichen Formen, die unsere Städte verändern. Nicht alles, was er dazu fotografisch auf knapp 380 Bildern präsentierte, löste Begeisterung aus. Teufel bereitete seine Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch, Architektur, Städtebau und Landschaftsverbrauch mit eindrucksvollen Fotos auf. Beispielhaft hat er dabei Eckernförde, Husum und Lübeck, Idealstädte in Italien und die seiner Meinung nach „maßlose Entgleisung Damp“ vorgestellt. Damit verbunden waren auch philosophisch gefasste Kernaussagen zum menschlichen Selbstverständnis und notwendige Veränderungsprozesse.

Im Rahmen der Wintervortragsreihe der Heimatgemeinschaft folgten in Carls Showpalast am Montagabend rund 135 Zuhörer den Ausführungen des Referenten, die in einigen Passagen durchaus als Kritik an Architekten und Stadtverantwortlichen zu verstehen waren. So mochten die Strukturen und Schattenspiele der Damper Fassaden aus den 70er Jahren zwar aus fotografischer Sicht reizvoll sein, auf einen reinen Zweckbau reduziert hätten sich die Planer aus heutiger Sicht jedoch kein schönes Denkmal gesetzt. Überhaupt seien Stadtumbau und Umgehungsstraßen oftmals nur noch vom Zweck und Kosten-Nutzen-Rechnung bestimmt. „Da macht man die eine Sache mit einer anderen kaputt“, so Teufel.

Den in der Öffentlichkeit nicht unumstrittenen Neubau des Gemeinnützigen Wohnungsunternehmens in der Rendsburger Straße bezeichnete er unter dem Beifall des Publikums als „kultivierten Widerspruch“, der sich nicht mehr aufheben ließe. Ein fotografischer Rundgang durch die Kieler Straße brauche seiner Meinung nach gar nicht einmal das neue, große Geschäftshaus als Negativbeispiel – schon viel früher hätten die Verantwortlichen an manch anderer Stelle ihr Veto einlegen sollen. Als „gelungen“ bezeichnete Teufel die Neugestaltung des Modehauses Mohr. Er führte viele weitere positive Beispiele aus der Altstadt an, die zeigten, dass Bauten nicht nur „auf Quadrat und Fläche reduziert“ werden dürften.

„Es müssen die Begabten ran“, wenn es um die Einbeziehung modernster Materialien geht, führte er beispielhaft an der Gestaltung des Husumer Hafens aus. Wie sich am Beispiel Lübecks das Weltkulturerbe mit Neubauten in der Altstadt in Einklang bringen lasse, sei angesichts der fotografischen Beispiele von mittelalterlicher Backsteinfassade und wellenförmigen Metalldach, das eher an die Aneinanderreihung von Flugzeugtriebwerken erinnerte, durchaus zu hinterfragen. Am Ende seines Vortrages machte Teufel deutlich, dass nicht allein der Individualismus zählen dürfe, sondern dass das Umfeld bei allen Planungen mit einzubeziehen sei. „Vielleicht begreifen dann die Politiker, dass es nicht um Macht, sondern um Inhalte geht.“

Der nächste Vortrag aus der Reihe findet am 16. Dezember zum Thema „Klinik und Schule am Fuß des Kilimandscharo“ von Dr. Hans-Joachim und Ingrid Miertsch statt.



zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen