Gelbe Westen : Eine königliche Familie

„Hoch sollen sie leben“: Der Vorstand der Gelben-Westen-Gilde stieß im Waffenzimmer des Ratskellers auf das neue Königspaar Karsten „der Kaufmännische“ und Swetlana Wenige an.
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„Hoch sollen sie leben“: Der Vorstand der Gelben-Westen-Gilde stieß im Waffenzimmer des Ratskellers auf das neue Königspaar Karsten „der Kaufmännische“ und Swetlana Wenige an.

Karsten „der Kaufmännische“ und Swetlana Wenige sind das neues Königspaar der Bürgerschützengilde von 1570.

shz.de von
23. Mai 2018, 05:52 Uhr

Eckernförde | Die Bürgerschützengilde von 1570 hat einen neuen König: Mit den Klängen von „Schatzi, schenk mir ein Foto“ begrüßte gestern Abend der Musikzug der „Drums & Pipes“ den neuen Regenten vor dem Gildelokal Ratskeller. Das war in diesem Fall passend, denn Karsten „der Kaufmännische“ Wenige (50) ist Schatzmeister der Gilde. Zusammen mit seiner Ehefrau Swetlana als Königin führt er im 448. Jahr die Gemeinschaft an, die wegen ihrer Kleidung auch Gelbe-Westen-Gilde genannt wird. Die Familie ist in einer weiteren Hinsicht wahrlich königlich: Tochter Marie-Charlotte („Motti“) ist nur drei Stunden zuvor zur neuen Kinderkönigin ernannt worden. Das neue Königspaar hat König Rüdiger „den Financier“ Ivers und seine Frau Dagmar abgelöst.

Karsten „der Kaufmännische“ wurde von Norbert Ehrich zum König geschossen. Er gab beim traditionellen Vogelschießen am Strand um 18.30 Uhr den entscheidenden Schuss ab, der den Rest des Vogeltorsos von der Stange holte und dem Papagoy damit den Garaus machte. Der König wurde im Anschluss über eine verdeckte Liste ermittelt.

Die Wetterbedingungen hätten besser nicht sein können: Bei sonnigen 22 Grad und mäßigem Wind aus Ost haben gestern 35 Mitglieder der Gilde mit Scheibenbüchsen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts und mit Karabinern bis zum frühen Abend vom Schießzelt an der Strandpromenade vor dem Stadthallenrestaurant auf den Papagoyenvogel geschossen, um ihren neuen König zu ermitteln. Dabei müssen die 15 Einzelteile des kunstvoll gedrechselten und verzierten Holzvogels in einer vorgegebenen Reihenfolge abgeschossen werden – vom Zepter bis zum Rumpf. Beide Teile holte Norbert Ehrich (64) von der Stange und wurde damit Königsschütze. Womit er wohl nicht gerechnet hat: Als stellvertretender Schatzmeister wird er im kommenden Jahr stärker in sein Amt eingebunden, da Karsten „der Kaufmännische“ als König weniger Zeit dafür haben wird. „Da hat er sich wohl selbst ins Bein geschossen“, scherzte Gildemeister Carsten Höneise.

Insgesamt brauchten die 35 Schützen gestern 462 Schuss, bevor der Vogel, der in 38 Metern Entfernung auf einer Stange über dem Strand thronte, fiel. Im vergangenen Jahr waren es 428 Schuss. Zum Vergleich: Der Rekord mit den wenigsten Schüssen liegt bei 273 Schuss, im Jahr mit den meisten Schüssen mussten die Schützen 780 mal auf den Gildevogel anlegen.

Insgesamt gab es nach Angaben des stellvertretenden Schützenmeisters Krischan Stapelfeldt sieben Fehlabschüsse – wohl wegen des Windes, der immer wieder auffrischte. Sieben Einzelteile wurden also nicht in der vorgegebenen Reihenfolge abgeschossen, was jedesmal durch eine Tonne Bier – entsprechend 50 Euro für die Gildekasse – geahndet wurde.

Aus Sicherheitsgründen war der betroffene Strandabschnitt gesperrt. Auch auf dem Wasser war eine Sperrzone eingerichtet worden, da die Geschosse bis zu 1600 Meter weit fliegen können. Trotzdem gab es immer wieder Unterbrechungen, weil Boote die Sperrzone übersahen.

Am Sonnabend wird die neue Majestät auf dem Königsball würdig gefeiert.

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