Interview : „Eine Goldene Platte, das wär's“

Marta Jandova (r.) und Thorsten Mewes stellten sich der EZ-Jugendredaktion, Finja Carlson (Mi.)und  Frederike Lassen.
Marta Jandova (r.) und Thorsten Mewes stellten sich der EZ-Jugendredaktion, Finja Carlson (Mi.)und Frederike Lassen.

Die EZ-Jugendredaktion im Interview mit der Band Die Happy. Die Rockband stellte bei RSH ihr neues Album „Everlove“ vor

Avatar_shz von
12. März 2014, 06:58 Uhr

20-jähriges Jubiläum, das tausendste Konzert und bald die große Tour – „Die Happy“ hört nicht mehr auf zu feiern. Auch Frontfrau Marta Jandová hat allen Grund zur privaten Freude. Im August 2013 kam ihre Tochter zur Welt. Mit dem tschechischen Frauenarzt Miroslav Verner lebt die gebürtige Tschechin nun zusammen in Prag. Doch ist sie nicht nur mit ihrer Band unterwegs, auch als Solokünstlerin tritt sie oft auf, wie z.B. auf der Musicalbühne bei „Les Misérables“ oder im Duett mit Revolverheld („Halt dich an mir fest“, 2010).

Nun bringt „Die Happy“ wieder ein neues Studioalbum heraus, was emotionaler denn je ist. Sowohl melancholische als auch rockige Songs sind dabei. „Bei diesem Album stehen unsere Gefühle im Vordergrund“, hebt die Sängerin hervor. „Zusammen als Band haben wir schon viel erlebt, sind viel gereist und haben neue Erfahrungen gemacht. Wenn ein Mensch glücklich ist, heißt das aber noch lange nicht, dass dieser keine dunklen Abgründe besitzt.“ Auch dies sind zentrale Themen in den Songs.
Marta Jandová und ihr Bandkollege und Gitarrist Thorsten Mewes nahmen sich viel Zeit für die Eckernförder Jugendredakteurinnen Finja Carlson und Frederike Lassen und erstaunten diese mit ehrlichen, emotionalen Antworten.

Das neue Album heißt „Everlove“. Wie kam es zu diesem Titel und was bedeutet dieser für euch?

Marta: Oft ist es so, dass wir aus den fertig getexteten und produzierten Liedern die beste und treffsicherste Aussage heraus suchen. Es muss nicht mal der Titel eines Liedes sein, es soll einfach aus der Situation heraus entschieden werden, z.B. wie wir uns während dieser Zeit gefühlt haben.

Das war eben bei „Everlove“ so, denn die Band gibt es jetzt schon seit 20 Jahren. Sehr viele Bands, mit denen wir gleichzeitig angefangen haben, bestehen heutzutage nicht mehr. Aber wir verstehen uns so gut und haben weiterhin Bock, miteinander Songs zu schreiben und Alben aufzunehmen. Ein anderer Grund sind sicher auch meine verrückt spielenden Hormone während der Schwangerschaft und auch jetzt noch nach der Geburt. Die unendliche Liebe zu meiner Tochter wird in meinen Songs aufgegriffen. Diese Liebe wird auch für immer bleiben. Egal, wenn wir uns später mal streiten, weil sie meine Schuhe geklaut hat.
Thorsten: Am Ende ist es aber auch eine grafische Entscheidung gewesen. „Everlove“ sieht einfach fett aus. Es gibt natürlich Überlegungen auf emotionaler Ebene, aber es ist auch einfach plakativ, denn es springt einem direkt ins Auge. Es ist ja auch kein richtiges Wort, sondern eher eine Wortkreation. Die bringt es aber genau auf den Punkt, wie wir uns fühlen.

Marta, seit August 2013 bist du Mutter einer Tochter. Dieses Jahr bringt ihr „Everlove“ raus und geht zusätzlich auf Tour. Wie vereinbarst du die Betreuung deiner Tochter mit einer musikalischen Karriere, besonders im Hinblick auf die bevorstehenden Konzerte?

Marta: Das ist eine ganz neue Situation für mich, vor der ich auch große Angst habe. Das erste halbe Jahr nach der Geburt habe ich gar nicht gearbeitet, höchstens ein paar Kleinigkeiten, bei denen man nur zwei oder drei Stunden weg war. Da hat der Papa dann aufgepasst. Jetzt kamen die Jungs mit den Tourplänen, aber ich hab gewusst, dass ich das schaffen kann. Die Jungs fahren weiterhin auf Rock'n'Roll-Tour mit einem Nightliner, ich fahre mit dem Zug und mache eine Hotel-Tour. Meine Tochter wird immer dabei sein und während ich arbeiten muss, wird sich eine sehr gute Freundin um Marie kümmern. Seit der Promo-Tour diese Woche bin ich heute zum ersten Mal ohne meine Kleine unterwegs. Da bin ich schon beruhigt, wenn ich weiß, dass meine Tochter in guten Händen ist.


Haben sich seit der Geburt deine Sichtweisen auf das Leben verändert oder hast du dich vielleicht auch selbst ein Stück weiterentwickelt?
Eigentlich haben sich nur die Prioritäten geändert. Die Band war immer meine Nummer 1, jetzt ist es mein Kind. Klar weiß ich, dass man alles gut durchorganisieren kann, trotzdem ist mir wichtig, dass es Marie gut geht. Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, ein Interview oder einen Fernsehauftritt abzusagen. Heute sag ich „so what“ - wenn sie nicht gesund ist, möchte man doch am liebsten bei ihr bleiben. Die Prioritäten zu begreifen, war sehr spannend für mich. Seit dem bin ich wesentlich entspannter.

Wolltet ihr schon seit Kindheitstagen Musiker werden?
Marta: Nein. Früher im Kindergarten wollte ich immer Trapeztänzerin werden. Ich mochte diese glitzernden Kleider. Später habe ich mich zunehmend für Sprachen interessiert und strebte den Beruf der Dolmetscherin an. Ich spreche ungefähr sechs Sprachen, z.B. Französisch, Spanisch, Russisch, Englisch, Deutsch und Tschechisch. Als mir dann aber ans Herz gelegt wurde, ich sei nicht begabt für Sprachen, habe ich das mit einem weinenden Auge hingenommen. Später traf ich Thorsten und wir gründeten „Die Happy“.
Thorsten: Ich wollte schon immer Rockstar werden. Ich liebe das Gitarrespielen und war auch schon mit 14 Jahren in einer Band. Die Musik spielt schon mein ganzes Leben eine sehr bedeutende Rolle.

Welche großen Wünsche bezüglich eurer musikalischen Karriere habt ihr für die Zukunft?
Thorsten: Eine Goldene Platte, das wär's! Das haben wir bis jetzt auch noch nicht geschafft, doch ich finde, es wäre eine tolle Belohnung für unsere Band und auch ein persönlicher Traum von mir.
Marta: Und im Sommer auf allen großen Festivals spielen. Das wäre großartig!

Habt ihr als Band bestimmte Rituale, die ihr vor den Konzerten immer durchführt?
Marta: Früher Schnaps. Heute halte ich immer eine kleine Ansprache und wir nehmen uns alle nochmal in den Arm. Aber sonst hat jeder von uns so seine eigenen kleinen Rituale.
Thorsten: Ich zum Beispiel muss mir vor dem Konzert immer die Zähne putzen. Das ist wie eine frische Dusche und fühlt sich einfach unglaublich gut an. Das Bierchen mit meinen Bandkollegen darf natürlich auch nicht fehlen.
Marta: Und nach den Konzerten gehen wir natürlich auch nochmal zu den Fans. Feedback und ein Austausch ist immer wichtig. Bei dieser Tour werde ich dies wohl nicht so häufig machen können, da ich zu meiner Tochter zurück muss. Aber meine Jungs machen das natürlich weiterhin.

Wenn ihr eure Band mit drei Schlagwörtern selber beschreiben müsstet, welche wären das?
Beide: Gitarre, Stimme, Groove!

Die lustig lockere Stimmung und die Aufgeschlossenheit der beiden Bandmitglieder von „Die Happy“ machten das Interview unvergesslich. Die langjährige Zusammenarbeit, Freundschaft und die Liebe zur Musik war unverkennbar und formten das Gespräch zu etwas ganz Individuellem.
Zudem verging die Zeit wie im Flug und selbst nach einer Stunde Fragen und Antworten nahmen die Musiker sich noch Zeit für Fotos.
Für die, deren Traum es ist, Musiker zu werden, gaben Marta und Thorsten der Jugendredaktion noch einen Tipp mit auf den Weg: „Lernt etwas Ordentliches, denn sich im Musikbusiness zu etablieren, ist ultraschwer. Vergesst trotzdem nicht eure Träume, sondern verfolgt sie!“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen