Förde-Öffner : Eine Geschäftsidee setzt sich durch

Professioneller Auftritt: Die Schülerfirma Rauteck präsentierte bei ihrer Hauptversammlung sich und ihre Produkte, unter anderem den Förde-Öffner mit Farbe (l.) und den Förde-Öffner mit Sti(e)l.
Professioneller Auftritt: Die Schülerfirma Rauteck präsentierte bei ihrer Hauptversammlung sich und ihre Produkte, unter anderem den Förde-Öffner mit Farbe (l.) und den Förde-Öffner mit Sti(e)l.

Das Schülerunternehmen Rauteck macht gute Gewinne mit seinen Flaschenöffnern und hat sich vor seinen Aktionären präsentiert. Ziel sind künftig 50 Förde-Öffner pro Woche.

shz.de von
24. Januar 2015, 06:44 Uhr

Die Nachfrage ist groß, das Geschäft läuft gut: Das Schülerunternehmen Rauteck (Recycelte Autoteile Eckernförde) hat im Dezember und Januar 250 Flaschenöffner aus recycelten Gurtverschlüssen schrottreifer Autos verkauft und erwartet ein weiterhin gutes Geschäft in den kommenden Monaten. Das verkündeten die Schüler bei der Hauptversammlung des Unternehmens am Donnerstagabend in der Aula des Schulzentrums. Eingeladen waren alle 88 Aktionäre, die einen Anteilsschein an dem Unternehmen gekauft hatten.

Mit ihrem Unternehmen beteiligen sich die Jungmannschüler am „Junior-Schülerfirmenprogramm“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die gemeinnützige GmbH veranstaltet seit 20 Jahren einen jährlichen bundesweiten Wettbewerb unter Schulen: Jugendliche können mit Unterstützung der Stiftung ein eigenes Unternehmen gründen und auf diesem Wege die Regeln der Wirtschaft lernen. Die Unternehmen sind nicht im Gewerberegister registriert und nur ein Schuljahr tätig. In Schleswig-Holstein beteiligen sich 38 Schülerfirmen an dem Wettbewerb. Aus ihnen wird im April der Landessieger gekürt, der im Juni im Bundeswettbewerb antritt. Der Bundessieger nimmt im Juli an der europäischen Endausscheidung teil.

An der Jungmannschule war es die Idee von Lehrer Axel Bürger, mit seinem WiPo-Profil des 12. Jahrgangs an dem Projekt teilzunehmen. Die Schulzeit reicht jedoch bei Weitem nicht aus, die Schüler arbeiten zum Großteil in ihrer Freizeit. Schon bald nach der Firmengründung stellte sich heraus, dass die Aufteilung des „Personals“ nicht den Erfordernissen entsprach, und so kristallisierten sich die Abteilungen Verwaltung, Einkauf, Technik, Marketing, Vertrieb und Finanzen heraus – nicht zu vergessen der Vorstand unter dem Vorsitz von Jon-Vincent Drewes. Sie stellten sich am Donnerstag ihren Aktionären vor.

Die Produktpalette der „Förde-Öffner“ ist mittlerweile von der schnörkellosen „Raw-Edition“ (5 Euro) und dem „Öffner mit Sti(e)l“ (10 Euro) um eine farbige Edition erweitert worden (auch 10 Euro). Auch eine Schmiede-Edition ist in Planung, ebenso eine Erweiterung des Portfolios um Gürtel aus recycelten Anschnallgurten. Ein großes Problem gibt es jedoch, wie Jörn Holler aus dem Einkauf einräumte: „Wir haben einen stetigen Mangel an Materialnachschub.“ Zwar arbeitet die Schülerfirma mit großen Verwertungshöfen in Schleswig-Holstein zusammen, jedoch fehlt die Zeit, um täglich nach Norderstedt oder Elmshorn zu fahren und die Gurtschnallen aus den Autos zu schneiden, die kurz vor der Schrottpresse sind.

Dennoch konnten die Schüler 250 Öffner verkaufen. Wegen der großen Nachfrage und der begrenzten Kapazität hat das Unternehmen einige Produktionsschritte in die Werkstatt von Kompass 98 und in die Tischlerei von Frank Marquardt ausgelagert. Er steht den Schülern genau wie Matthias Sörensen, Inhaber mehrerer Lebensmittelläden, als Wirtschaftspate mit Rat und Tat zur Seite. Das Ziel des Unternehmens ist es, 50 Förde-Öffner pro Woche herzustellen und mindestens nochmal 250 Öffner zu verkaufen.

Derweil läuft es mit dem Marketing richtig rund. Ein neuer Werbefilm präsentiert die Förde-Öffner mit breiter Aussprache im norddeutschen Stil. Jedoch die Verkaufsstände bereiten noch etwas Sorgen: Bislang erhält man die Förde-Öffner dauerhaft nur auf der Homepage www.rauteck.de und im Getränkemarkt Behn im Kadekerweg. Es gibt also noch einiges zu tun für den Vertrieb. Die Zahlen jedoch stimmen – und das dürfte die Aktionäre als Dividende-Empfänger besonders interessiert haben. 2014 hat das Unternehmen einen Gewinn in Höhe von 682,48 Euro nach Steuern gemacht, was sicher auch dem Stundenlohn von 25 Cent geschuldet ist, den sich die Schüler zahlen. „Das sind drei Prozent des Mindestlohns“, sagte Bjarne Astor, Leiter der Finanzabteilung. „Wir arbeiten trotzdem gerne.“

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