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Eckernförder Zeitung

26. September 2017 | 07:48 Uhr

Tante Minni : Eine Frohnatur wird 100 Jahre alt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Minna Schwiede wird am Sonntag 100 Jahre alt – und blickt auf ein außergewöhnliches Leben zurück.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2014 | 05:33 Uhr

Nicht viele Menschen haben zwei Weltkriege miterlebt und können auf ein langes Leben zurückblicken. Minna Schwiede schon: Morgen wird sie 100 Jahre alt, und das muss groß gefeiert werden. Mit ihrer Familie und ihren Freunden macht sie morgen das EMTV-Heim unsicher. Schließlich hat die rüstige Rentnerin schon immer gerne gefeiert.

„Tante Minni“, wie sie von allen liebevoll genannt wird, wurde am 6. April 1914 als zehntes von zwölf Kindern in Goosefeld geboren. Dort besaßen die Eltern einen Bauernhof, auf dem sie und ihre Geschwister mitarbeiteten. 1937 lernte sie ihren Mann Emil kennen und zog mit ihm nach Kiel. Emil Schwiede fiel jedoch sieben Jahre später im Krieg, die Ehe blieb kinderlos. „So weit sind wir nicht mehr gekommen“, sagt Minna Schwiede und lacht trotz des traurigen Umstands. Doch jammern und klagen mag sie nicht, sie ist eine Frohnatur. Und für ihr Alter noch sehr fit. Jeden Tag liest sie gründlich die Eckernförder Zeitung und führt damit die Tradition ihrer Eltern fort.

Nach dem Tod ihres Mannes zog die junge Frau wieder in die Räucherkate ihrer Eltern, die sie mit ihrem Bruder Detlev betrieb. Nicht nur der eigene Schinken, sondern auch jener der Nachbarn wurde dort geräuchert. Wieder geheiratet hat sie nicht, stattdessen feierte sie jedes Jahr ihren Hochzeitstag. Warum sie keinen neuen Ehemann hatte? „Keine Zeit“, sagt sie, „denn ich habe immer viel gearbeitet.“ Als Bruder Detlev starb, kümmerte sie sich weiterhin um das Elternhaus in Goosefeld und kochte für die Familie. Pünktlich um 12 Uhr gab es Mittagessen, und wenn jemand mal ein paar Minuten später kam, ging „Tante Minnis“ tadelnder Blick sofort zur Uhr. So ist sie.

Ihre Nichten, Neffen und deren Kinder schwärmen von ihrem Garten, den sie hegte und pflegte. Bis vor zehn Jahren hat sie den Garten noch selbst umgegraben, danach ging es nicht mehr. Die Kraft in den Armen ließ nach, und ein Jahr später entschied sie sich, ein Zimmer im Eckernförder imland-Seniorenheim zu beziehen. Mit 95 Jahren. Hilfe von den Pflegern wollte sie jedoch nicht annehmen. „Ich möchte alles alleine machen, solange es geht“, erzählt sie. Und diesen Vorsatz hielt sie eisern durch, bis zu ihrem 99. Lebensjahr. Dann bekam sie die erste Pflegestufe.

Im Seniorenhaus ist sie äußerst beliebt und hat sich dort von Anfang wohlgefühlt. Zumindest schlossen die Familienangehörigen dies aus ihrem stets strahlenden Gesichtsausdruck. Ihre „Mitbewohner“ schätzen sie als hilfsbereite, freundliche und direkte Person. Einmal hat die noch 99-Jährige einer Dame hochgeholfen, als diese aus dem Rollstuhl gefallen war. „Irgendeiner musste ja helfen“, begründet sie ihre Unterstützung. Danach hat sie die Frau noch im Rollstuhl bis zum Aufzug gebracht. Jeden Tag steht sie um 6 Uhr auf und geht nicht vor halb 11 ins Bett. Sie sei das gewohnt, denn auf dem Bauernhof habe sie schließlich auch lange Tage gehabt. Dienstags geht „Tante Minni“ zur Bunten Stunde und nimmt am Gedächtnistraining und der Sitzgymnastik teil.

Wenn sie auf ihr hundertjähriges Leben zurückblickt, lächelt sie. „Ich würde mein Leben nochmal so verbringen und nichts verändern“, sagt sie. Und morgen wird dieses außergewöhnliche Leben gefeiert.

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