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Eckernförder Zeitung

14. Dezember 2017 | 22:28 Uhr

Familientreffen : Eine Familie, zwei Kontinente

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Familie von Heidrun Rieck ist über die halbe Welt verteilt. Zu ihrem 70. Geburtstag kamen Verwandte aus den USA, Spanien und Frankreich. Auch ihre Mutter war dabei – mit 99 Jahren.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2013 | 06:22 Uhr

Ihre Familie ist fast über den ganzen Erdball verteilt. Deshalb nahm Heidrun Rieck die Feier ihres 70. Geburtstages zum Anlass, um alle Familienmitglieder erstmals wieder zusammen zu holen. „Das war mein Traum“, sagt die Eckernförderin mit Tränen in den Augen. „Es ist wunderschön, alle hier zu haben.“ Und dabei hätte sie mit ihrer Tochter Daniela gar nicht gerechnet. „Das war das schönste Geschenk für mich. Sie ist Lehrerin in Kalifornien und hat sich unbezahlten Urlaub genommen, um für drei Tage hier zu sein.“ Ihr Mann hatte ihre gesagt, dass er zum Fußball fährt, in Wirklichkeit jedoch ihre Tochter heimlich vom Flughafen abgeholt.

Das sollte jedoch nicht die einzige Überraschung bleiben: Auch Heidruns Zwillingsschwester, Antje Morris, die ebenfalls in Kalifornien lebt, fehlten die Worte. In dem Glauben, ein paar Geburtstagsgäste in Hamburg abzuholen, stand plötzlich nicht irgendein Gast vor ihr, sondern ihre Schulfreundin Christiane Cassé, die sie seit 55 Jahren nicht mehr gesehen hatte. „Ich habe sie nur in den Arm genommen und konnte erst gar nichts sagen. Meine Schwester wusste, dass das der einzige Wunsch war, den ich im Leben noch hatte. Wir verloren uns, weil sie nach Paris gezogen ist.“

Doch damit nicht genug. Auch ihre Tochter Claudia kam mit ihren beiden Kindern Katelyn und Ryan überraschend nach Deutschland. Da sie auch in den USA (Florida) lebt, hätten sie sich erst kürzlich gesehen, aber keiner verriet das Geheimnis. So trafen sich am Sonnabend vier Generationen in der Eckernförder Siegfried-Werft, denn auch die Mutter der beiden Zwillingsschwestern kam. Luise Belau ist 99 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. „Ich gehe noch schwimmen und nehme keine Medikamente“, erzählt die Berlinerin stolz. Als der Kellner sie fragte, ob es lieber ein Begrüßungsschluck ohne Alkohol sein soll, kam ein erstauntes: „Nö, warum?“ Die rüstige Dame hätte sich schon gedacht, dass ihre Tochter so ein großes Fest feiert, gesteht sie mit einem Zwinkern in den Augen. „Es ist wundervoll.“

Luise Belau hatte es alles andere als leicht im Leben. Sie heiratete einen Witwer, der drei Kinder mit in die Ehe brachte. „Dann habe ich meine Fruchtbarkeit noch einmal unter Beweis gestellt und vier Kinder bekommen“, sagt sie lächelnd. Doch ihr Mann fiel 1945 im Krieg und so zog sie alle Kinder alleine groß. Ihre Stieftochter Christel Dombrowe (76 aus Berlin) gehörte ebenso zu den 39 Gästen wie ihre beiden Kinder Horst Belau (73 aus Berlin) und Bärbel Martil (72 aus Spanien).

„Es war sehr schön“, sagt Heidrun Rieck begeistert. „Alle sind dankbar nach Hause gefahren und werden diesen Tag nie vergessen.“

Auf Geschenke zu ihrem Geburtstag hat sie verzichtet. Denn vor rund zwei Jahren hat Heidrun Rieck in der Eckernförder Zeitung gelesen, dass sich ein Mann zum Geburtstag Geld von seinen Gästen gewünscht hatte, um es zu spenden und dass er sich freuen würde, wenn auch andere so handeln würden: „Daran habe ich mich erinnert und mir auch Geld gewünscht. Das werde ich der Werkstatt für Menschen mit Behinderung spenden. Mit 70 Jahren hat man ja schon alles, was man braucht.“

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