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30 Jahre Fischmarkt : Eine Erfolgsgeschichte feiert Geburtstag

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Wirtschaftsfaktor, Einkaufsmöglichkeit und Treffpunkt. Über 140 Anbieter von Waren aller Art.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 07:36 Uhr

eckernförde | Einmal musste Wilfried Wagner den Fischmarkt absagen: Das war am 1. Februar 2009, als die Wellen wegen Hochwassers schon auf die Hafenpromenade schlugen. Ansonsten ist der Fischmarkt eine Konstante. Seit 30 Jahren findet er an jedem ersten Sonntag im Monat statt - gestern feierte er seinen runden Geburtstag.

Und Petrus meinte es gut mit den Besuchern: Die Sonne schien, und schon bald war kaum noch ein Durchkommen. Zur Feier des Tages wurden kostenlos geräucherte Bücklinge verteilt, die Opsteckfru Stine (Christel Fries) und Fischer Fiete (Werner Pötzsch) schlenderten mit ihrem Handwagen in historischen Gewändern über die Meile und erklärten humorvoll die ehemalige Bedeutung des Hafens für die Stadt, während der Spielmannszug Drums & Pipes musizierend durch die Menge stieß und die Stadtführer mit Kindern kleine Holzkisten bastelten. Sie wiesen auch auf die Sanierungsbedürftigkeit des blaugelben Leuchtturms am Hafen hin - wie schon seit vielen Jahren. Für dieses Jahr sind Gelder für die Reparatur in den Haushalt eingestellt worden. Doch wegen der starken Durchrostung hat das Bauamt den Turm sperren lassen. Ein Blick in den Rumpf blieb den Fischmarkt-Besuchern also verwehrt.

Die Idee zum Fischmarkt hatte der Kaufmann Bernd Köhler. Er ging am Neujahrstag 1983 mit Verwandten aus Hamburg am Hafen spazieren. "Ein Imbisswagen und eine Fischbude standen hier, sonst nichts", erinnerte sich der 66-Jährige, der zum Jubiläum ebenfalls erschienen war. "Da hatte ich die Idee, hier den Hamburger Fischmarkt zu kopieren." Er ging ins Rathaus, ins Bauamt, landete schließlich bei Werner Pötzsch, dem Leiter der Stadtwerke, der ein offenes Ohr für die Idee hatte. Köhler sprach Händler an und stellte eine bunte Angebotsmischung zusammen. Zunächst war der Fischmarkt nur etwa 80 Meter lang, nach 15 Jahren waren es schon 1000 Meter. Damals wurden noch Butterfahrten angeboten, so dass der Fischmarktbesuch mit einer Dampfertour verbunden werden konnte. Busse spuckten ganze Heerscharen an Reisegruppen aus. Eine Umfrage ergab, dass die Besucher zum Teil von Hamburg und dem südlichen Dänemark zum Eckernförder Fischmarkt kamen. Schließlich wanderte Köhler aus beruflichen Gründen vorübergehend nach Spanien aus. Seine Firma "Partner am Markt" (PAM) übernahm Wilfried Wagner, der den Fischmarkt weiter ausbaute.

Als Veranstalter trat damals erstmals die Kurbetriebsgesellschaft auf - heute Eckernförde Touristik und Marketing GmbH - Organisator bleibt Wilfried Wagner, der mittlerweile über 140 Standbetreiber für den Markt begeistern konnte. Sie halten ein breites Angebotssortiment vor, ob Kerzen, Messer, Kleidung, Süßigkeiten oder eben Fisch. "Der Markt ist auch ein Wirtschaftsfaktor für die ganze Stadt", sagt Wagner, der ebenfalls Vorsitzender des Wirtschaftskreises ist. "Denn die Marktbesucher gehen auch in der Innenstadt einkaufen."

Ein Händler der ersten Stunde ist Mehmet Tsiampli, der seit 30 Jahren auf dem Fischmarkt Kleidung verkauft. Nach Eckernförde kämen besonders viele Menschen, sagt er. "Aber sie haben nicht mehr so viel Geld wie früher." Den Eindruck macht der volle Einkaufskorb von Florian Nentwig (43) aus Eckernförde nicht. "Wir kaufen hier oft ein und treffen immer Bekannte hier", sagt er, der ebenso wie Maren und Ralf Kruse aus Schinkel die besondere Atmosphäre des Marktes lobt.

Für die Fischer jedoch kann so ein Markt auch lang werden, wie Alfred Böttcher weiß: "Je besser das Wetter ist, desto länger lassen sich die Leute Zeit und gucken nur. Bei schlechtem Wetter sind sie entscheidungsfreudiger."

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