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Eckernförder Zeitung

13. Dezember 2017 | 00:53 Uhr

Eindringliche Mahnung für Frieden in Nahost

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Christliche Palästinenserin Faten Mukarker hält Vorträge vor dem Rotary Club und in der Peter-Ustinov-Schule

von
erstellt am 10.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Eckernförde | Faten Mukarker sammelt sich kurz und hebt an zu einer Erzählung, die eineinhalb Stunden dauern wird. Sie spricht nicht nur, sondern hat wirklich etwas zu sagen. Das macht sie in freier Rede und mit leiser, sanfter Stimme, die ihre Schilderungen und Botschaften nur noch eindringlicher machen. Faten Mukarker steht als palästinensische Christin für die friedliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern in den palästinensischen Autonomiegebieten Westjordanland (West Bank) und Gazastreifen, für ein freies Leben der Palästinenser neben Israel. Nur dann, ist sie überzeugt, bleibt das Pulver im Nahostkonflikt, der seit der Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 immer wieder eskaliert und zu sechs Kriegen geführt hat, trocken.

Faten Mukarker ist in Deutschland aufgewachsen. Sie hat in Bonn die Freiheit kennengelernt, aber auch die mittelalterliche Enge der arabischen Erziehung in ihrem Elternhaus. „Ich wurde älter und durfte immer weniger“, erzählt sie. Zum Heiraten fuhr ihre Familie mit ihr nach Bethlehem, der sonntägliche Kirchenbesuch ist dort gleichzeitig „Heiratsmarkt“. Noch am gleichen Abend hielt eine Familie mit einem Sohn bei ihrer Familie um ihre Hand an. „Ich habe Glück gehabt, mein Mann ist ein guter Mann“, sagt die 50-Jährige. Sie gründeten eine „Kleinfamilie“ mit vier Kindern – die Jungs haben arabische Namen, die Mädchen hören auf Ursula und Monika. Familie Mukarker lebt in Bethlehem, ganz bewusst. Sie zählen dort zu einer verschwindend kleinen Minderheit der christlichen Palästinenser, die nur 1,4 Prozent der Bevölkerung stellen, wollen trotz Unterdrückung, Drangsalierung, fortlaufendem Landdiebstahl und Zerstörung durch israelische Siedler und Soldaten in ihrem Land bleiben und den „Teufelskreis aus Hass, Rache, Vergeltung und Vergeltung der Vergeltung“ durchbrechen. „Jeder will in dem Land alleine leben, aber es leben dort zwei Völker“ – 7 Millionen Israelis und 4 Millionen Palästinenser.

Faten Mukarker erzählt das alles leise, mit ernstem, kriegsmüdem Gesicht. Man spürt, dass sie viel Leid bei ihren Landsleuten gesehen und selbst erlebt hat, aber stark genug ist, immer wieder öffentlich dagegen anzugehen und das Unrecht beim Namen zu nennen. Dankbar greift sie die positiven Ansätze auf beiden Seiten der bis zu neun Meter hohen Mauer auf, die Israel quer durch die Stadt und das Westjordanland gezogen hat – allerdings nicht auf der Grenze, sondern tief auf palästinensischem Gebiet mitten durch Gärten, Olivenhaine und Straßen. „Man muss immer Hoffnung haben“, sagt Faten Mukarker, die palästinensische Reiseleiterin und Friedensaktivistin, die nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien denkt, in kein Klischee passt, dafür aber als Persönlichkeit überzeugt und die Herzen und Köpfe ihrer Zuhörer erreicht. Wie am Dienstagabend beim Rotary Club Eckernförde und am nächsten Morgen in der Peter-Ustinov-Schule. Gerade die Menschen in Deutschland mit ihrer Kultur, aber auch Geschichte, sind interessierte Zuhörer ihrer Vorträge, die sie in der ganzen Republik hält.

Faten Mukarker war im KZ Buchenwald, hat die OPs, in denen Juden ohne Narkose operiert wurde, die Öfen und die Rampe gesehen. Der Holocaust – auch für sie ein unfassbares Leid. „Aber deswegen kann man Israel keine Lizenz dafür geben, was sie mit uns machen – aber Israel nimmt sich diese Lizenz“, sagt sie mit leisen, aber eindringlichen Worten. „Kritik an der israelischen Regierung wegen der täglichen Menschenrechtsverletzungen ist nicht gleich Antisemitismus.“ Die Palästinenser seien keine Antisemiten. Vielmehr habe der Zionismus als national-jüdische Ideologie den Konflikt im Nahen Osten geschürt. Und diese Entwicklung werde durch die Rechtsregierung Netanjahu mit ihrer aggressiven Siedlungspolitik zu Lasten der Palästinenser fortgesetzt. Faten Mukarker möchte die Spirale von Gewalt und Gegengewalt, von palästinensischen Selbstmordattentaten und Vergeltung durch israelische Bomben durchbrechen und die Ausbreitung einer dritten Intifada (Erhebung) verhindern. Sie lässt darin nicht locker, auch wenn immer wieder israelische Raketen auf Dörfer und Städte abgefeuert werden, Muslimen der Zutritt zu Heiligtümern wie der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem verwehrt wird, israelische Siedler Land im Westjordanland annektieren und Israel ihnen Straßen baut, die nur sie, nicht aber die Palästinenser benutzen dürfen, Siedler, die das Land bewässern und fruchtbar machen, während den Palästinensern nur karges Land bleibt.

Es sind ihre persönlichen Schilderungen, die Faten Mukarkers frei gehaltenen Vortrag so authentisch machen. Ihre Worte bleiben haften und regen zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit diesem brisanten und komplexen Thema an.

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