zur Navigation springen

Arbeitskreis Umweltschutz Gettorf : Ein Zuhause für Meise und Fledermaus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fast 60 Nistkästen wurden von der AUG vor einem Jahr in Bürgerpark und Biotopen aufgehängt. Jetzt standen Reinigung und Reparatur an.

Gettorf | Er legt die Leiter an den Baum, steigt hinauf und öffnet vorsichtig die Klappe des braunen Nistkastens mit der Nummer 29. Der Kasten ist total vollgestopft. Eicheln fallen heraus und Reste eines alten Meisennestes. „Eine Messie-Wohnung“, stellt Jürgen Schmidt-Wedehase fest und lacht. Mit dem Spachtel holt er alles heraus, säubert den Kasten und verschießt ihn wieder. Wieder unten am Boden angekommen, wird alles dokumentiert. Eine Maus muss Ende des Sommers in den Nistkasten eingezogen sein und sich die Eicheln als Vorrat angelegt haben. Da sind sich Wolfgang Miethke, der Vorsitzende des Arbeitskreis Umweltschutz Gettorf (AUG), Jürgen Schmidt-Wedehase, der sich um die Nistkästen kümmert, und Rüdiger Ziegler, Diplom-Ingenieur für Landschaftsplanung, der die Biotope in der Gemeinde fachlich betreut, einig. Ausgehend vom Biotop am Fasanenweg haben die Verantwortlichen gestern die fast 60 Nistkästen, die der AUG im vergangenen Frühjahr für verschiedene Vogelarten im Bürgerpark und in den Biotopen im Gemeindegebiet aufgehängt hat, gereinigt, repariert und deren Besatz notiert.

Seit 1987 fördert der AUG den Landschafts- und Naturschutz in Gettorf, erarbeitet Pflegekonzepte für schützenswerte Gebiete und betreut die Biotope und Feuchtgebiete im Gemeindegebiet. Dazu gehört auch die Kontrolle der Nistkästen, um die Entwicklung der Vogelwelt über einen längeren Zeitraum zu beobachten. „Wir haben hier wirklich viele Vögel“, erklärt Rüdiger Ziegler. „Da ist der Bedarf an Nisthilfen groß.“ Kohl- und Blaumeisen kämen am häufigsten vor, aber auch Waldbaumläufer oder Gänsesäger. Das sei eigentlich ein Seevogel, der aber in Baumhöhlen brütet, macht er deutlich. Sie kommen zum Regenrückhaltebecken. Einige der Nistkästen eignen sich auch für Waldkauze oder Waldohreulen, die freien Einflug brauchen. Auch Fledermauskästen sind dabei. Darüber, ob Nistkästen besser im Herbst oder im Frühjahr gesäubert werden sollten, wird gestritten. Manche säubern die Kästen schon im Herbst, andere lassen die Nester für andere Tiere als Schlafplatz für den Winter, erklärt Jürgen Schmidt-Wedehase. Er findet die Aktion deswegen im Frühjahr besser. „Aber man muss es zeitig machen“, betont er. „Die Vögel sind schon sehr nervös. Sie wollen in die Kästen, wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen.“

Rüdiger Ziegler begibt sich auf Kontrollgang durch das Biotop am Fasanenweg. Er möchte schauen, ob alles in Ordnung ist. In einem Baum ist das Hämmern eines großen Buntspechts zu hören, Graugänse fliegen mit lautem Flügelschlag auf. Rüdiger Ziegler entdeckt einen Baumläufer, der ruckartig am Baumstamm nach oben klettert, zwischen Rindenspalten Insekten sucht. Enten, Stockenten vermutlich, die im Regenrückhaltebecken leben, fliegen vorbei. Mit dem Ziel, hier die für Gettorf typische Niedermoorlandschaft mit einem mehrstufigen Mischwald zu erhalten, wurde vor Jahren der Ahornbestand ausgelichtet, Pappeln geringelt und absterben lassen, um Totholz als Unterschlupf für Insekten zu schaffen, ein neuer Teich angelegt und die Böschung des Grabens abgeflacht und das Gewässer mäandern lassen. Mit dem Zustand des Biotops zeigt sich Rüdiger Ziegler recht zufrieden, erzählt begeistert, dass sie schon einen Schwarzspecht entdeckt hätten. „Das ist wie das Kreuz Ass unter den Spezies der heimischen Vogelarten“, schwärmt er. Der habe unter der toten Pappel ein riesiges Loch gewühlt. Totholz sei für Vögel und Insekten ein Eldorado. „Es sieht hier zwar wild aus“, bestätigt er. „Aber wir ha-ben ja auch ein überbordendes Ordnungs- und Sicherheitsdenken.“ Um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und den Menschen den Reichtum dieser Natur näher zu bringen, sind auch wieder Führungen durch das Biotop geplant.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen