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Eigene Räume : Ein Zuhause für den Hospiz-Verein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Verein führt Aus- und Fortbildung der Helfer sowie Sprechstunden und Büro an einem Ort zusammen / Spenden werden weiter benötigt

Ein Jahr schon sind die ehrenamtlichen Sterbebegleiter des Hospizvereins Dänischer Wohld im Einsatz und stehen schwer kranken Menschen und deren Familien auf dem letzten Lebensweg zur Seite. Die Ausbildung war wie die regelmäßigen Treffen der schon fertigen Hospizhelfer, die Sprechstunden und das Trauercafé auf verschiedene Orte verteilt. Nun hat der Hospiz Verein Dänischer Wohld in der Kieler Chaussee 2 ein Zuhause gefunden.

Und mit ihm auch die Gruppe der Begleiter, die Ende September auf 35 Personen angewachsen sein wird – zu 90 Prozent Frauen. Sie sind zwischen Mitte 40 und Anfang 50 und teilen eine persönliche Geschichte, die sie zum Hospizverein geführt hat. „Viele hatten eine Begegnung, irgendeinen Kontakt, jemand, der plötzlich verstorben ist in ihrem Umfeld, und das hat sie berührt“, weiß Dr. Friederike Boissevain, Vorsitzende und zurzeit auch mit der Ausbildung und Koordination der Einsätze betraut. 25 Begleitungen gab es bisher. Eine geht schon über ein Jahr, die meisten jedoch über einen kurzen Zeitraum von wenigen Tagen. „Viele Angehörige meinen immer noch, dass sie allein mit der Situation zurecht kommen und sich etwas vergeben, wenn sie Hilfe von außen holen“, weiß Boissevain, die den Hospizverein gemeinsam mit ihrem Mann Professor Harald Schöcklmann 2012 ins Leben rief. Doch viele chronisch Kranken seien trotz Familie einsam, weil sie nur in Andeutungen darüber sprechen könnten, was wird oder was sie sich noch wünschen. „Die Angehörigen leben in der Angst, den Betroffenen zu verlieren. Die Kranken fürchten neben Schmerzen am meisten, jemandem zur Last zu fallen“, sagt Boissevain weiter. Ein Hospizhelfer könne da ein guter Mittler sein. Die Zeit, die er mit dem Erkrankten verbringt mit Gesprächen, singen, vorlesen oder einem Spaziergang, verschafft den Angehörigen Freiraum, eine „kleine Verschnaufpause“. Und die ist wichtig, betont Boissevain, weil die Familien 24 Stunden am Tag mit den Sorgen behaftet seien.

Die Vorsitzende des Hospizvereins ermutigt Erkrankte und ihre Angehörigen sich dann zu melden, wenn sie erfahren, dass ihre Lebenserwartung begrenzt ist. Das gelte nicht nur für Tumorpatienten, sondern auch für Menschen mit Zucker, einem chronischen Herz- oder Lungenleiden. „Das sind schwere Erkrankungen, die durch das Netz der Selbsthilfegruppen fallen und zu wenig Aufmerksamkeit finden, obwohl das Leiden manchmal größer ist, als bei einer Tumorerkrankung“, macht Boissevain deutlich.

Mit dem Tod des begleiteten Menschen hört das Engagement des Hospizvereins nicht auf. Um der Trauer einen Raum geben zu können, wurde im Frühjahr das Café für Hinterbliebene eingerichtet, das an jedem ersten Sonntag im Monat zum Austausch in netter Atmosphäre einlädt. Gestern wurde es ein letztes mal im Gemeindehaus am Pastorengang ausgerichtet, ab September ist dann auch das Café in den vereinseigenen Räumen in der Kieler Chaussee zuhause.

Obwohl die Vorteile der eigenen Räume überwiegen, ist dem Vorstand der Schritt nicht leicht gefallen. „Wir sind sehr darauf bedacht, sorgsam mit den Spenden umzugehen“, betont Boissevain. Doch hätten viele der eingangs genannten Punkte für diesen Schritt gesprochen. Um die Räume langfristig halten zu können, brauche es jedoch weitere Unterstützung, ebenso für das Ziel, eine Halbtagskraft für das Büro anstellen zu können. Einen Kostenzuschuss von den Krankenkassen kann der Verein erst anderhalb Jahre nach einer Betreuung beantragen.

Wer sich ein Bild vom Hospiz Verein machen möchte, der unabhängig von anderen Institutionen arbeitet, ist zum Tag der offenen Tür am Sonntag, 31. August, von 14 bis 17 Uhr in den Räumen in der Kieler Chaussee 2 willkommen. Sprechstunden werden dort ab September dienstags und donnerstags 10 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 17 bis 19 Uhr angeboten – in den Amtsverwaltungen fallen sie ab sofort weg.

> Wer den Hospiz Verein mit einer Spende in seiner Arbeit unterstützen möchte, überweist seinen Betrag auf das Konto IBAN DE88210920230013042240, BIC GENODEF1EFO.

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erstellt am 04.Aug.2014 | 06:08 Uhr

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