St. Nicolai : Ein Ziffernblatt auf Himmelfahrt

David Roos zieht das Ziffernblatt, Thomas Thumm schiebt. Die Mitarbeiter von „Iversen & Dimier“ zeigten keine Höhenangst.
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David Roos zieht das Ziffernblatt, Thomas Thumm schiebt. Die Mitarbeiter von „Iversen & Dimier“ zeigten keine Höhenangst.

Handwerker haben gestern die neuen Ziffernblätter am Dachreiter angebracht. Die Kupferplatten wurden dabei per Muskelkraft aufs Dach gezogen.

shz.de von
07. April 2018, 06:02 Uhr

Eckernförde | Auf die Turmuhr von St. Nicolai war immer Verlass: Sie teilte den Eckernfördern über Jahrzehnte hinweg alle Viertelstunde mit, was die Stunde geschlagen hatte. Doch mit dem Abbau des Dachreiters für seine Sanierung wurde auch die Uhr ausgebaut und repariert. Gestern folgte der erste Schritt ihrer Heimkehr: Mitarbeiter der Hamburger Uhren- und Glockenfirma „Iversen & Dimier“ brachten die beiden neuen Ziffernblätter an der Nord- und Südseite des Turmes an.

Das Problem war dabei zunächst, wie die 1,60 x 1,60 Meter umfassenden Kupferplatten aufs Dach gebracht werden sollten. Schließlich zogen die Mitarbeiter das Ziffernblatt mit einem Seil auf das Baugerüst auf Höhe der Dachrinne. Anschließend schnallte sich David Roos ein Paar Seilträger über die Schulter und zog das 15 Kilogramm schwere Ziffernblatt über das Dach bis zum Turm. Sein Kollege Thomas Thumm schob von unten. Sie konnten dabei über die Dachsparren klettern, weil die Dachpfannen vorher in einer Spur bis zum Dachreiter abgenommen wurden.

Die neuen Ziffernblätter bestehen aus Edelstahlrahmen mit vorgesetzten Kupferplatten. Sie sind schwarz lackiert und die Ziffern aus Blattgold aufgetragen. „Früher waren die Ziffernblätter einfach auf die Kupferverkleidung des Turms aufgemalt“, erläutert einer der Profis. „Das wäre heute zu aufwändig und würde bestimmt zwei Wochen dauern. Die verschiedenen Grundierungs- und Lackschichten müssten zwischendurch immer wieder trocknen. Außerdem ist das Malen und Auftragen von Blattgold in einer Werkstatt einfacher als bei Wind auf einem Kirchendach.“

Im Gespräch mit Architekt Dietrich Fröhler soll entschieden werden, wann die Uhrzeiger angebracht werden. Zum Schluss folgt dann der Motor und das Motorantriebswerk. Schließlich müssen noch die Klöppel in den Uhrschlagglocken installiert werden. Und wenn dann die Dachdecker die Verkleidung rund um den Dachreiter fertig machen, kann das Gerüst wieder abgebaut werden. Doch bis dahin werden wohl noch einige Wochen ins Land gehen.

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