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Wiedersehen nach 42 Jahren : Ein Zeitungsbericht bringt zwei Freundinnen wieder zusammen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Zufall und ein Artikel in der Eckernförder Zeitung führen zwei ehemalige Schwesternschülerinnen wieder zusammen. Grundlage ist beider Liebe für Eckernförde.

Eckernförde | Ein Foto und ein Bericht in der Eckernförder Zeitung haben zwei Freundinnen nach 42 Jahren wieder zusammengeführt. Onke Becker und Eva Lotta von Schudnat waren 15 Jahre alt, als sie sich kennenlernten. Fast zwei Jahre teilten sich die beiden Schwesternschülerinnen nicht nur ein gemeinsames Zimmer im Wohnheim des Allgemeinen Barmbeker Krankenhauses, sondern auch alle Erlebnisse in dieser Zeit. 1974 verloren sich die Hamburgerinnen aus den Augen. Jede führte ihr eigenes Leben, ohne Kontakt zu der anderen zu haben. Die Liebe zu Eckernförde, der Zufall und ein EZ-Artikel brachte die beiden wieder zusammen.

Seit 2004 verbringt Onke Zessin aus Hamburg-Blankenese, geborene Becker, gemeinsam mit ihrem Mann häufig die Wochenenden in ihrer Zweitwohnung in Eckernförde.Viele Fahrradausflüge führen das Paar regelmäßig entlang der B  76 Richtung Grüner Jäger – quasi unter den Augen von Eva Lotta Rittmeier, geborene von Schudnat, aus Hamburg-Alt Rahlstedt, die seit 2009 im Sandkrug eine Zweitwohnung mit Blick auf die Ostsee hat und mit ihrem Lebensgefährten ebenfalls viel freie Zeit im Ostseebad verbringt – und trotzdem sind sich die beiden Frauen nie in Eckernförde begegnet. „Wir holen sogar bei derselben Frau auf dem Wochenmarkt unsere Eier und haben uns nicht gesehen“, sagt Eva Lotta Rittmeier.

Ein Bericht und ein Foto am 29. März über den letzten Tag der Kioskpächterin Renate Marquardt brachte die 58-Jährige auf die Spur. Bei der Lektüre liest sie den Vornamen Onke – nach all den Jahren sei ihr sofort ihre ehemalige Zimmernachbarin eingefallen, erzählt die Altenpflegerin. Ein Blick ins Hamburger Telefonbuch, ein Anruf und die Frage „Ist Ihre Frau Krankenschwester im Barmbeker Krankenhaus gewesen?“, brachten die Sache ins Rollen. Zwei Stunden später kam der Rückruf von Onke – einem kurzen Telefonat folgte am Nachmittag ein vierstündiges. Vor drei Tagen haben die beiden sich nach 42 Jahren in einem Eckernförder Café wiedergesehen. Trotz dieser langen Zeitspanne haben sich die Frauen sofort wiedererkannt. „Alle Dämme sind gebrochen, wir konnten gar nicht aufhören zu erzählen“, sagt Onke Zessin. So viele Erinnerungen kommen wieder hoch. „Wir waren 15 Jahre alt, in Vorbereitung unserer Ausbildung zur Krankenschwester mussten wir im Schwesternheim wohnen, wo abends um 22 Uhr die Tür abgeschlossen wurde“, berichtet die 58-Jährige. Nach Hause durfte man nur mit Genehmigung – und das auch nur alle zwei Wochen. Beim Erzählen gibt ein Wort das andere. „Weißt du noch, unsere nächtlichen Ausflüge, was natürlich verboten war, durch die Katakomben des Krankenhauses?“, fragt Onke. „Als 16-Jährige mussten wir Wache am Bett sterbender Patienten halten“, erinnert sich Eva-Lotta. „Diese Patienten mussten wir nachts ab 1 Uhr waschen“, ergänzt Onke. „In gestärkter Schwesterntracht, mit Häubchen und Körbchen mussten wir Botengänge machen, zum Beispiel Urin ins Labor bringen“, so Eva Lotta. Mit 17 heiratet sie – das Kostüm für die Hochzeit leiht sie von Onke. Bei ihr lernt sie auch das Frauenmagazin „Meine Geschichte“ kennen, das sie heute noch liest – Onke aber schon längst nicht mehr. Trotz dieser intensiven Freundschaft trennen sich nach zwei Jahren ihre Wege. Sie heiraten, die eine bekommt Kinder, ist als Altenpflegerin tätig und kümmert sich jetzt als Großmutter um ihre sieben Enkel, die andere arbeitet immer noch als Krankenschwester in einer anderen Klinik – beide haben ihren ersten Wohnsitz immer noch in Hamburg. Eckernförde sei Dank haben sie sich per Zufall wiedergetroffen. „Wie Onke waren auch wir häufig bei Renate Marquardt am Kiosk und sind uns trotzdem nie begegnet“, sagt Eva Lotta. Jetzt wollen sie sich nicht wieder aus den Augen verlieren. Es wird Eckernförde sein, wo sie sich gegenseitig besuchen und gemeinsam Radtouren unternehmen wollen. Waren ihre Männer anfangs überrascht, freuen sie sich jetzt mit ihren Frauen. Ein erster gemeinsamer Ausflug ist schon geplant – eine Stadtführung mit Stine und Fiete.

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