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Eckernförder Zeitung

19. August 2017 | 15:19 Uhr

Ein Zeichen für Zivilcourage

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gedenkfeier für Ulrich Becker in Kiel-Dietrichsdorf / Stele fordert Menschen zum Hinsehen und Helfen auf

Unter dem Motto „Gewalt, nein danke – Zivilcourage, ja bitte!“ stand am Sonnabend auf dem Sokratesplatz in Kiel-Dietrichsdorf die Gedenkfeier für den am 23. Mai vergangenen Jahres infolge sinnloser Gewalt verstorbenen Rentner Ulrich Becker statt. Becker war am 17. Mai, als er seiner Tochter zur Hilfe eilen wollte, von einem bekannten Gewalttäter, der wegen dieser Tat mittlerweile zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, brutal zusammengeschlagen worden, so dass er einige Tage später seinen Verletzungen erlag (wir berichteten). Ebenso unfassbar wie die Tat selbst war es, dass mehrere anwesende Zeugen nicht eingriffen.

Bei der vom Rat für Kriminalitätsverhütung Schwentinemündung (RfK) initiierten und von Vereinen, Schulen, Organisationen, Firmen und Privatleuten unterstützen Veranstaltung am Sonnabend wies Propst Thomas Lienau-Becker darauf hin, dass es nicht immer leicht sei, in solchen Situationen einzuschreiten. „Aber wir müssen es immer wieder üben. Wenn es nochmal passiert, hoffe ich, dass Menschen in der Lage sind zu helfen – und das können wir nur gemeinsam schaffen“, so Lienau-Becker. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer stellte fest, dass Ulrich Becker, der Mann, der seiner Tochter helfen wollte, Zivilcourage wieder zum Thema gemacht hat – über die Grenzen Kiels hinaus. Angela Ramm vom RfK betonte, dass man mit der Gedenkfeier ein Zeichen setzen wolle – ein Zeichen gegen Gewalt und für Zivilcourage. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Chor der Grundschule Suchsdorf unter der Leitung von Hanne Pries mit Liedern zum Thema Freundschaft und Zusammenhalt. Und der Chor sowie seine Leiterin bewiesen, dass es auch zu einem ernsten Anlass das eine oder andere rhythmisch-schwungvolle Stück geben kann und dass auch dezenter Humor nicht fehl am Platze ist.

Nach einer Schweigeminute und nachdem die rund 350 Teilnehmer ebenso viele rote Herzluftballons mit teils rührenden Texten von Kindern der Grundschule Suchsdorf sowie der Toni-Jensen-Schule in die Luft steigen ließen, gingen alle gemeinsam – begleitet vom Spielmannszug der NDTSV Holsatia mit dem Lied ‚Nehmt Abschied Brüder‘ – zu der Stelle, an dem das Unfassbare passierte und wo Beckers Witwe Annemarie Becker gemeinsam mit ihren Kindern eine Stele enthüllte. Die Inschrift der Stele aus grauem Granit lautet „Dem Menschen obliegt es zu helfen und nicht zuzusehen, wenn anderen Leid widerfährt. Sei menschlich, indem du Mut und Hilfsbereitschaft zeigst und nicht wegschaust, denn auch du wirst irgendwann einmal Hilfe benötigen“ und stammt von Beckers Sohn. Am Heikendorfer Weg, genau dort, wo die Tat geschah, wird diese Stele, wie Ulf Kämpfer sagte, „Ulrich Beckers Hilfsbereitschaft und Zivilcourage unvergessen machen“. Und sie wird, so ist zu hoffen, andere Menschen dazu bewegen, im Ernstfall ebenso Zivilcourage zu zeigen.

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