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Einblick in die jüdische Kultur : Ein Zeichen für die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

100 Besucher begehen den jüdischen Kulturabend im Foyer des Gymnasiums Altenholz mit Vortrag und Musik

Seit 1996 ist der 27. Januar als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ ein bundesweit gesetzlich verankerter Gedenktag, 2005 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag, an dem das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit wurde, zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“. Und anlässlich dieses Gedenktages fand am Sonntag in Altenholz zum 17. Mal ein Jüdischer Kulturabend statt – initiiert von der Friedensgruppe der Kirchengemeinde Altenholz, der Jüdischen Gemeinde Kiel, der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region und der Förde-vhs. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen der Abend im Eivind-Berggrav-Zentrum stattfand, wählte man in diesem Jahr das Forum des Gymnasiums als Veranstaltungsort weil, wie Pastor Okke Breckling-Jensen sagte, einige Mitglieder der jüdischen Teilnehmer aus religiösen Gründen nicht in der Kirche feiern möchten.

Sehr froh ist Breckling-Jensen allerdings darüber, dass seit dem letzten Jahr beide Jüdischen Gemeinden aus Kiel an dem Kulturabend teilnehmen. Hintergrund der Veranstaltung ist einerseits natürlich das Gedenken an die Gräueltaten des NS-Regimes, andererseits auch die Aufrechterhaltung jüdischer Kultur. „Es geht uns auch darum, etwas von der jüdischen Kultur in die Öffentlichkeit zu tragen“, wie Joshua Pannbacker, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Kiel in der Jahnstraße, sagte. Und weiter: „Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass auch wir ganz normale Menschen sind“. Denn offenbar sterben die ewig Gestrigen nicht aus, kommen laut Pannbacker doch immer noch ein bis zwei Briefe, Mails oder Anrufe im Monat, in denen geschimpft, beleidigt oder auch gedroht wird. Diese Tatsache beantwortet auch die Frage von Okke Breckling-Jensen, ob es heute noch notwendig sei, an den Holocaust zu erinnern, die er selbst mit der Feststellung beantwortete, dass Antisemitismus in Europa nicht nur ein Thema der Rechten ist, sondern dass er salonfähig geworden sei. Und um derartige Ressentiments abzubauen, sind solche Veranstaltungen bitter nötig – und sie sind unterhaltsam.

Neben einem Vortrag von der Kunsthistorikerin Ursula Dinse, Fachbereichsleiterin für Gesellschaft und kulturelle Themen bei der Förde-vhs, über die Entwicklung der jüdischen Geschichte in Kiel und Schleswig-Holstein vom 17. Jahrhundert bis zur Zerstörung der Synagogen während der Pogromnacht 1938, wurden auch Musik und Tanz dargeboten. Der Chor „Nordlicht“ vom Familienintergrationszentrum „Kulturpalette“ der Jüdischen Gemeinde Kiel zeigte unter Leitung von Alla Kalmus das breite Spektrum jüdischer Musik aus aller Welt – von Klassik bis zum jüdischen Volkslied, begleitet am Klavier von Inna Shames. Und wie man es auch von der Klezmer-Musik her kennt, umfasste das Repertoire die gesamte Bandbreite: von melancholischen Liedern, die nachdenklich stimmten und bei manchem Zuhörer Gänsehaut verursachten, bis hin zu Liedern, die pure Lebensfreude vermittelten und bei denen das Publikum im Takt mitging. Ebenfalls zum Gelingen des Abends trug die Tanzgruppe „Simkha“ der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region aus der Gaardener Wikingerstraße bei.

Was jüdische Kultur ausmacht, beschreibt Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region. „Die Lebendigkeit unserer Kultur setzt Zeichen für die Zukunft und für unsere Identität. Sie zeugt von einem lebendigen jüdischen Leben in diesem Land“, so Ladyshemnski, die ebenfalls auf die Bandbreite von Melancholie bis unbändiger Heiterkeit verweist. Zudem weist sie auf die Wichtigkeit des Gedenktages hin: „Für Deutsche mag der 27. Januar mit der Zeit an Bedeutung verlieren, für uns ist er ein wichtiger Tag“. Joshua Pannbacker definiert jüdische Kultur als „Kunst von Juden für Juden als Juden“. Was aber, wie er sagt, zu kurz greift. Denn „auch für alle anderen Menschen soll jüdische Kultur erlebbar und erfahrbar sein“, so Pannbacker, der hofft, dass Nichtjuden irgendwann genauso selbstverständlich zu einem Konzert in eine Synagoge gehen wie zu einem Kinobesuch. Eine Hoffnung, der man sich angesichts der Vielfältigkeit jüdischer Kultur nur anschließen kann, wie die etwa 100 Besucher des Kulturabends in Altenholz mit Sicherheit bestätigen werden.


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erstellt am 21.Jan.2014 | 06:33 Uhr

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