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Traditionslokal in Osdorf : Ein Wirtshaus für Genossen?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Modell zum Erhalt von Dibberns Gasthof sorgt in Einwohnerversammlung für Diskussion. Osdorfer schwanken zwischen Zuversicht und Skepsis.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 06:59 Uhr

Osdorf | Die Zukunft von Dibberns Gasthof beschäftigt die Osdorfer. Denn Wirtin Renate Mohr möchte das Lokal voraussichtlich Ende Juni 2018 aufgeben. „Aus Altersgründen“, wie die 77-Jährige sagt. Den Verkaufspreis beziffert die Inhaberin mit 699  000 Euro. Um den Gasthof zu erhalten, gibt es nun Bestrebungen im Dorf, eine Genossenschaft zu gründen. Über dieses Modell wurde am Mittwochabend in einer Einwohnerversammlung mit rund 150 Besuchern informiert und diskutiert. Im Saal gab es sowohl Anhänger als auch Skeptiker.

Von einer „Kult-Gaststätte“ sprach Bürgermeister Joachim Iwers (WgO): „Sie hat einen guten Ruf und es ist viel los.“ In dem Gasthaus ließen sich die Gäste nicht nur Mittagstisch oder Abendessen schmecken. Es diene zudem als Versammlungsraum, die Speeldeel führe Theaterstücke im Saal auf, und es gebe eine Schießanlage für die Schützen. Gehen in Dibberns Gasthof die Lichter aus, wäre das eine „Katastrophe“, wie er befürchtete.

Die Gemeinde Osdorf scheide als Käufer aus, verwies Iwers auf eine Entscheidung in der Gemeindevertretung, zumal im Dorf noch genug Projekte finanziell zu stemmen seien: Neubau einer Kindertagesstätte, Anschaffungen für die Feuerwehr oder die Erschließung eines Gewerbegebietes. Gleichwohl solle der Erhalt des Gasthofes unterstützt werden.

Wie zu diesem Zweck eine Genossenschaft gegründet werden kann, erläuterte Joachim Burgemeister vom Genossenschaftsverband, der in der Versammlung zu Gast war. Als ersten Schritt nannte der 57-Jährige die Bildung einer Initiativgruppe. Es folgten die Entwicklung einer Geschäftsidee, die Aufstellung eines Businessplans, Gespräche mit Banken wegen eines Darlehens und die Gründungsversammlung. Ebenso könnten EU-Fördergelder beantragt werden. Der Verband würde als Berater zur Verfügung stehen.

Im Publikum tauchten Fragen auf. Ob es schon genossenschaftliche Gaststätten im Norden gebe? Kopfschütteln. „Warum sollte Osdorf nicht Vorreiter in Schleswig-Holstein sein?“, fragte der Bürgermeister. Aber die Kosten – es gab Bedenken im Saal.

Arne Lüthje (WgO) berichtete von einem Dorfgasthaus im Schwarzwald, das nach einem Leerstand von einer Genossenschaft wieder in die Erfolgsspur geführt worden sei.

„Und wenn die Bombe dann doch platzt?“, erkundigte sich Max Theodor Rethwisch aus Osdorf. Immerhin gingen in immer mehr Landgasthöfen die Lichter aus. Mit einem Augenzwinkern erwiderte Burgemeister, dass die Genossen dann letztlich selbst für den Umsatz verantwortlich seien („Sie dürfen gern ein Bier mehr bestellen“). Aber wie hoch wäre ein Anteil? Lüthje ging von 500 bis 1000 Euro pro Genossen aus. „Das muss noch ausgelotet werden“, sagte er.

>Eine Info-Veranstaltung zur Idee eines Genossenschaftsmodells beginnt am Mittwoch, 29. November, um 19 Uhr in Dibberns Gasthof, Noerer Straße 4, in Osdorf.

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