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Ladenschluss : Ein wichtiger Treffpunkt geht verloren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zu hohe Kosten, zu wenig Platz: Andree Buchholz schließt 30. Juli. Ab dem Sommer ist die Gemeinde erneut ohne Lebensmittelladen.

Brekendorf | Egal, ob man spontan Appetit auf ein erfrischendes Eis hatte, oder ob noch etwas Bier für den Grillabend am nächsten Wochenende gebraucht wurde – auf den Frischemarkt von Andree Buchholz im Ortskern war immer Verlass. Voller Zuversicht hatte der engagierte Einzelhandelskaufmann (33) den Laden vor fünf Jahren übernommen und sich voller Tatendrang in die 90-Stunden-Woche ohne Urlaubstage gestürzt. Doch am 30. Juli ist damit endgültig Schluss – dann wird Andree Buchholz seinen kleinen Markt mit 100 Quadratmetern für immer schließen. „Ich kann zwar alle Rechnungen bezahlen, aber es bleibt nichts für meine Altersvorsorge übrig“, stellt er voller Bedauern fest.

Problematisch seien vor allem die drastisch gestiegenen Nebenkosten für die Kühlanlagen, so der junge Mann, der große Teile seiner Kindheit in der Gemeinde verbracht hat. „Außerdem reicht der Platz nicht für die Verkaufseinheiten der Großhändler. Zeitgleich sind die Kunden auch anspruchsvoller geworden. Diesen Bedarf können wir mit unseren begrenzten Räumlichkeiten nicht abdecken“, erklärt er. Ein Anbau ist mangels Platz ausgeschlossen. Nachdem das Geschäft vor seiner Übernahme 2011 bereits längere Zeit über geschlossen war, ist Brekendorf ab diesem Sommer wieder ohne Lebensmittelgeschäft. „Besonders für die älteren Menschen ist das ein großer Verlust“, weiß Andree Buchholz. „Im Umkreis von sechs Kilometern war mein Laden die einzige Einkaufsmöglichkeit.

Auch Bürgermeister Gerhard Guthardt sieht die aktuelle Entwicklung kritisch. „Wir suchen in mehreren Gemeindegremien angestrengt nach einer Lösung, aber leider gibt es bisher kein konkretes Ergebnis“, sagt er.

Auch Heinrich Rose (58), der schon sein ganzes Leben lang im Ort wohnt, bedauert die Schließung. Gerne hat der Familienvater den kleinen Laden der Kette „IK - Ihr Kaufmann“ der Bartels-Langness Handelsgesellschaft besucht und dort seine Einkäufe getätigt.

„Dort konnte man andere Menschen treffen und mit ihnen in lockerer Atmosphäre ins Gespräch kommen“, äußert er sich. In seiner eigenen Jugend habe es im Dorf noch zwei Bäcker, einen Kaufmann und einen Schlachter gegeben, erinnert er sich. „Das Kaufverhalten der Leute hat sich sehr verändert. Dadurch geht aber leider auch die Dorfkultur nach und nach verloren. Alles wird anonymer“, so Heinrich Rose, der lange Jahre tatkräftig die Freiwillige Feuerwehr unterstützt hat.„Das Interesse der Bürger ist allgemein gesunken“, bedauert er und verweist auf die großen Nachwuchsschwierigkeiten der Vereine.

Andree Buchholz macht seinen Kunden keinen Vorwurf. Auch die Pacht sei völlig angemessen, betont er. Die 450-Euro-Kraft, die ihn bei der Arbeit in Brekendorf unterstützt hatte, hat inzwischen eine neue Stelle gefunden. Wie es im Sommer beruflich für ihn weitergeht, ist aber ungewiss. „Ich habe zwar mehrere Optionen zur Auswahl, aber welchen Weg ich letztendlich gehe, steht noch nicht endgültig fest“, sagt der junge Mann, der seine Ausbildung ursprünglich in einem Angelladen in Eckernförde gemacht hat und vor der Selbstständigkeit sechs Jahre lang bei Aldi angestellt war.

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erstellt am 09.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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