zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 13:53 Uhr

Nach der Flucht : Ein wichtiger Beitrag

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Flüchtlingsbeirat wirbt in Einwohnerversammlung um Unterstützung für Asylbewerber

von
erstellt am 18.Jan.2014 | 06:15 Uhr

Mit 60 Bürgern war die Einwohnerversammlung am Donnerstagabend im Hotel Stadt Hamburg besser besucht, als es gewöhnlich der Fall ist. Ausschlaggebend dürfte das Thema gewesen sein, das die Menschen im Amt Dänischer Wohld seit Wochen bewegt: Die Unterbringung von Asylbewerbern und Spätaussiedlern.

Bislang kommen die Flüchtlinge im Amtshaus in Schinkelhütten unter, das sieben Kilometer von Gettorf und zwei Kilometer von Schinkel entfernt liegt – mitten im Grünen. Bis zur nächsten Bushaltestelle sind es anderthalb Kilometer. Weil der Aufwand der Versorgung der Menschen aufgrund der Abgeschiedenheit des Hauses für den 2012 ins Leben gerufenen Flüchtlingsbeirat recht hoch ist und außerdem die Integration erschwert, wird eine dezentrale Unterbringung in Gettorf diskutiert, insbesondere für die Familien, die kurze Wege zum Arzt und zum Einkaufen brauchen. (wir berichteten). „Jedes Mal, wenn ich Asylbewerber nach Schinkelhütten bringe, fühle ich mich unwohl und schäme mich“, gestand Michelle Vollertsen, eines der ehrenamtlichen Mitglieder des Flüchtlingsbeirates. Das liege nicht nur an der schlichten und spartanischen Einrichtung der Zimmer. „Für die Menschen ist es ein Schock, wenn sie sehen müssen, wie einsam sie leben müssen“, berichtete Vollertsen. Das Gefühl, sie sollten unsichtbar sein, niemand wolle sie in seiner Nähe haben, teile sie. „Deshalb ist unsere Arbeit so wichtig – damit die Flüchtlinge sehen, sie bekommen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch Menschen, die sich um sie kümmern“, so Vollertsen weiter.

Lore Weber, Mitglied der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten und ebenfalls im Beirat aktiv, erinnerte an die Christenpflicht, Notleidenden zu helfen. „Wir wissen nicht, was sie zur Flucht bewegt hat, aber sie leiden echte Not, und die können wir lindern“, machte Weber deutlich. Vom derzeit vielfach diskutierten Sozialtourismus wisse sie nichts – die Menschen, die Schinkelhütten erreichten, seien alle traumatisiert. Es sei schön zu sehen, wenn sie sich freuten – etwas die Kinder, die zum Spielen mit anderen Kindern zusammengebracht wurden. Dort setzt auch das Angebot der Sportvereine in Schinkel und Neuwittenbek sowie des Gettorfer TV an, die die Asylbewerber einladen, eines der bestehenden Angebote wahrzunehmen. Es sei wichtig für die Kinder, aber auch die jungen Männer, sich bewegen zu können, merkte Peter Nentwig an, Mitglied im Flüchtlingsbeirat wie im GTV, der von seinem Verein zum Integrationsbeauftragten ernannt wurde.

Mit deutlich weniger Fahrten sei die Begleitung der Asylbewerber verbunden, wären sie in Gettorf untergebracht, machte Sabine Axmann-Bruckmüller, Bürgermeisterin in Schinkel und ebenfalls eines der Helfer im Beirat, deutlich. Am Gedanken ihnen Zeit zu schenken, um sie zum Arzt oder zum Einkaufen zu begleiten oder ihnen die deutsche Sprache und Kultur näher zu bringen, ändere das nichts. Dafür sucht der Beirat auch noch weitere Mitglieder in seinem Kreis. Auch seine Patenschaften angedacht, die Möglichkeit von Praktika werde derzeit geprüft, hielt Pastorin Claudia Bruweleit, die die Helfer koordiniert, fest.

„Sie leisten einen erheblichen Beitrag zur Linderung der Not der Flüchtlinge“, erkannte Bürgermeister Jürgen Baasch an. Die Ausführungen von Michelle Vollertsen empfand er als sehr bewegend. „Man kann das kaum nachvollziehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen