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Thementag : „Ein wesentliches Stück Geschichte, das nicht vergessen werden darf“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fachbereich Polizei der Verwaltungsfachhochschule in Altenholz erinnert mit Zeitzeugen an den Fall der Mauer vor 25 Jahren

von
erstellt am 12.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Manch einer unter den 150 Teilnehmern der Sonderlehrveranstaltung „25 Jahre Mauerfall“ im Saal der Verwaltungsfachhochschule hatte Gänsehaut – waren es doch Zeitzeugen, die auf Einladung des Fachbereichs Polizei nach Altenholz gekommen waren, um die Erinnerungen an den 9. November 1989 aufleben zu lassen.

Der Großteil der Studierenden stamme aus Jahrgängen, die die Mauer nur aus Geschichtsbüchern kennen, machte Professor Hartmut Brenneisen, Dekan des Fachbereichs Polizei, deutlich. „Die Mauer, ihr Bau, ihr Fall – das ist ein wesentliches Stück deutsch-deutscher Geschichte, das nicht vergessen werden darf“, betonte Brenneisen. Deshalb freute er sich, dass es gelungen war, nicht nur den damaligen Innenminister Schleswig-Holsteins, Professor Dr. Hans-Peter Bull, und seinen Fahrer Erich Both für den Tag zu gewinnen, sondern auch Heiko Lüttmann aus Lübeck, der 1989 stellvertretender Leiter der Polizeidirektion der Hansestadt war, Hans-Heinrich Heinsen, vor 25 Jahren Leiter der Polizeidirektion Schleswig-Holstein-Süd, Wilhelm Hagenow, damals an der Landespolizeischule Bad Malente, sowie Wilma Wäntig, ehemalige Mitarbeiterin der Volkspolizeischule in Neustrelitz.

Der Fall der Mauer sei ein historischer Moment gewesen, an den man zurückdenken müsse, weil in ihm die Kraft zum Ausdruck kam, die man unterschätzt hatte, macht Bull deutlich. „Er kam für die westlichen Beobachter allesamt überraschend“, sagte Bull. Die neue Freiheit habe alle, vor allem aber die Menschen im Osten in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt. Was würde aus der DDR werden? Ein Zwischending zwischen Kapitalismus und Sozialismus sei empfohlen worden, doch es gab keine neue Verfassung, sondern den Beitritt zur BRD. „In der Bewertung war unser System sehr stark, es wurde für sehr gut befunden. Was auf der anderen Seite war, wurde eher gering geschätzt“, erinnerte Bull.

Den Neuanfang unterstützten zahlreiche Kräfte aus dem Westen, die eine besondere Situation im Osten vorfanden. „Der Volkspolizist vor der Wende war unfreundlich bis mürrisch, demonstrierte Macht über die Bürger und nutzte sie für Schikane. Westdeutsche wurden als Feinde behandelt, Feinde des Systems“, schilderte Bull. Sie handelten nicht aus einer individuellen Laune heraus, vielmehr war es ihnen vorgegeben. Die Regierung hatte die negativen Eigenschaften in den Menschen geweckt und gefördert. Oberstes Gebot sei die Verwirklichung des Sozialismus gewesen, wie die Führung ihn verstand und interpretierte. Es galt, diese Kollegen zu Beamten auszubilden, die ihr Handeln reflektieren, die selbstbewusst, aber auch verantwortungsbewusst sind. Bull weiter: „Polizeibeamte bleiben höflich und ruhig und begründen ihre Handlungen, auch wenn die andere Seite schimpft. Schikanen sind Beamten einer rechtsstaatlichen Polizei fremd.“

Der wirtschaftliche Niedergang der DDR sei nicht allein ausschlaggebend für den Untergang des Staates gewesen, wie vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl behauptet, merkte Bull an. Es habe noch viel mehr Gründe gegeben, deutet Bull an und schloss: „Dass wir heute in einem demokratischen Rechtsstaat leben, erfreut uns.“

Lutz Mäusezahl, geboren 1962 in Leipzig, dankte für Bulls Beitrag. „Sie haben Dinge angesprochen, die die Menschen im Osten heute noch bewegen.“

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