Ein Virtuose mit Base-Cap

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23. Februar 2010, 06:15 Uhr

Eckernförde | Die Spielfreude steht ihm ins Gesicht geschrieben. Mit schelmischem Lächeln und rollenden Augen stachelt der legendäre Tony Sheridan sich und seine ausgezeichneten Begleitmusiker, die Blues-Meister Georg Schroeter (Piano) und Marc Breitfelder (Mundharmonika), ein ums andere Mal zu rockenden, swingenden, groovenden Interpretationen von Blues- und Rock-Hymnen an.

"Wir spielen bis fünf oder halb sechs Uhr", legt der bestens aufgelegte Sheridan im gut gefüllten Ratskeller los. Vor jedem neuen Song stimmen sich "TS", so die Initialen auf Tony Sheridans Baseball-Kappe, und der Pianist ein. Der virtuose Marc Breitfelder steht dabei meistens ein wenig im Hintergrund, es sei denn, er tritt für eines seiner markanten Soli nach vorn, die mit ekstatischen Verrenkungen meistens zu den allerhöchsten Tönen der Mundharmonika führen.

Im Duett verweben sich die Töne von Sheridans Gitarrensaiten mit dem Klang der Pianosaiten. Dann darf auch Georg Schroeter ein Stück ankündigen: "Wir waren gerade in Memphis, da fällt uns spontan ein Stück ein, dass die Rolling Stones erfunden haben." Im Dreieck stellen sich die Musiker auf der Bühne auf und bringen das Publikum mit einer knackigen Version von "Honky Tonk Woman" endgültig zum swingen. Aber auch gerade leisere Klänge und betont genau gesungene Textstellen in "Fever" oder "Me and Bobby McGee" lassen die Fans jubeln. Nebeneffekt am Rande: Lautstark klönende Gäste sind oft nicht zu überhören - das ist sehr unhöflich, gehört aber wohl zum Feiern dazu, auch wenn es nicht allen gefällt ...

Bei einem Pub-Auftritt wie in der Ratshalle steht man näher an den Musikern als in einem Konzertsaal. "Ich habe Schweiß in den Augen", raunt Tony Sheridan seinem Mitstreiter zu. "Soll ich dir ein Handtuch holen?", reagiert Pianist Schroeter. Die professionelle Antwort: "Egal, wir spielen weiter." Bei "Allright now" erklingt Marc Breitenfelders Mundharmonika auch ohne Mikrofon. Dann entlockt er den Verstärkerboxen Rückkopplungen mit seinem Instrument - das hört und sieht man selten. Tony Sheridan: "Er ist ein bisschen genial und das weiß er auch."

"All together now", feuert der Altmeister seine musikalischen Mitstreiter an. Dann gibt das Trio alles an den Instrumenten und fegt die leisen Töne mit laut fetzenden, knackigen Beats aus der Halle. Wie das wohl vor fast fünfzig Jahren klang, als Tony Sheridan mit seinen Begleitmusikern John, Paul, George und Ringo in Hamburg auf der Bühne stand?

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