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Einsatz für die Fischräucherei : Ein Verein mit Tatkraft und Visionen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Katharina Mahrt und Hartwig Deimel vom „Verein Alte Fischräucherei Eckernförde“ sind für die Wahl „Menschen des Jahres 2016“ nominiert. Zusammen mit ihrem Team sanieren sie in Eigenleistung die Fischräucherei Hopp.

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erstellt am 23.Dez.2016 | 06:23 Uhr

Eckernförde | Das neue Pflaster im Innenhof ist fachmännisch verlegt. Mehrere Wochen haben die Handwerker im Ehrenamt dafür gebraucht, Bauleiter Hartwig Deimel (78) ist ein wenig stolz auf die gekonnte Verlegung in Bögen. Bevor auch der übrige Innenhof vom Beton befreit und in Bögen mit Pflastersteinen bestückt wird, ist der Bereich vor den Toiletten dran. Dort soll ein gelblicher Ziegel verlegt werden – Abwechslung und Struktur müssen sein. Seit der Schlüsselübergabe von Familie Drews an den neuen Besitzer, den Verein „Alte Fischräucherei Eckernförde“, am 12. Juni 2012, ist die alte Fischräucherei Hopp in der Gudewerdtstraße 71 eine Baustelle mit Live-Charakter. Die alte Fischräucherei ist schon in der Bauphase ein begehrtes Ziel für viele einheimische Besucher und Gruppen aus nah und fern und ein beliebter Veranstaltungsort. Zu den Höhepunkten zählt das Schauräuchern. Zwei der sechs Altonaer Räucheröfen sind betriebsbereit, werden von Räuchermeister Hartmann Hesse angefacht und mit Sprotten bestückt, die reißenden Absatz finden.

Unter der Regie des Architekten und früheren Eckernförder Bauamtsleiter Hartwig Deimel (1977 bis 2002) wird fast in jeder freien Minute rangeklotzt. Fugen werden ausgebessert, abgeplatzte Ziegelsteine ersetzt, Heizungsrohre installiert, neue Leitungen verlegt, Fenster und Türen aufgearbeitet, Innenhöfe gepflastert und selbst ein Kräutergarten angelegt. Die Kernmannschaft des ehrenamtlichen Bautrupps besteht neben dem 78-Jährigen aus Jens Daniel, Dieter Fuhlendorf, Rolf Bahr und Karl-Heinz Siebrecht, die permanent am Arbeiten sind. Zu tun gibt es mehr als genug, obwohl die Sanierung des gesamten Gebäudeensembles schon weit fortgeschritten ist. Auch viele weitere ehrenamtliche Helfer bringen sich ein. Sei es im Aufsteckraum, auf dem Nagelboden oder im Garten, der unter dem grundsanierten, hohen Räuchereischornstein wie eine kleine, grüne Oase mitten in der Altstadt zum Verweilen einlädt. Die Arbeit an dem gemeinsamen Ziel ist genau so wichtig wie der „Spaß am Frotzeln und Foppen“, sagt Rolf Bahr. Ein weiteres Team um Angela Garbotz kümmert sich um die rund 70 Termine im Jahr und macht hinterher wieder klar Schiff. Insgesamt setzten rund 40 ehrenamtliche Helfer ihre Arbeitskraft und ihr Herzblut für den Wiederaufbau der historischen Fischräucherei ein, um das maritime Erbe Eckernfördes möglichst originalgetreu zu erhalten und mit neuem Leben zu füllen. Alle Fäden laufen bei der Vorsitzenden Katharina Mahrt zusammen. Die Grafikdesignerin koordiniert sämtliche Aktivitäten und vertritt den Verein nach außen.

Die Eckernförder Zeitung hat mit Katharina Mahrt und Hartwig Deimel die beiden Hauptaktivisten stellvertretend für den gesamten Verein „Alte Fischräucherei Eckernförde“ für die Wahl zum „Menschen des Jahres 2016“ nominiert. Alle Leserinnen und Leser, die die Nominierten und damit auch das einzigartige Projekt unterstützen möchten, können noch bis Jahresende ihre Stimme abgeben (Kontakt siehe Ende des Textes).

Dass die Fischräucherei überhaupt noch steht und nicht einem Neubau für Besserverdienende weichen musste, ist dem Landesdenkmalamt und dem Verein Alte Fischräucherei zu verdanken. Nach dem Abriss der Fischräucherei Föh im Jungfernstieg im Jahr 2004 – heute ein großes Wohnhaus an der Strandpromenade –, schaltete der damalige Landeskonservator Deert Lafrenz schnell und stellte die letzte erhaltene historische Räucherei unter Schutz. Dadurch wurde Zeit gewonnen, die Eckernförder konnten sich sortieren. Im Altstadtverein bildete sich die Keimzelle für die Gründung des Vereins Alte Fischräucherei, die 2009 erfolgte.


„Ein Konzept mit Verstand“


Danach lief die Maschinerie auf Hochtouren: Die Öffentlichkeit wurde mobilisiert, Spendenscheine, die später auch tatsächlich eingelöst wurden, in Höhe von 50  000 Euro eingeworben und politische Überzeugungsarbeit für den Ankauf der Gebäude durch die Stadt geleistet. Letzteres anfangs noch ohne Erfolg. Ein von der Aktiv-Region eingeholtes Gutachten sagte dem Projekt ein jährliches Defizit von 200  000 Euro voraus – die Ratsmehrheit hatte gerade die Haushaltskonsolidierung am Wickel und winkte ab. „Das Gutachten war mit Restaurant und Fischgeschäft, das wir gar nicht wollten“, sagt Katharina Mahrt. Der Verein steckte den Rückschlag weg und schrieb 2011 selbst „ein Konzept mit Verstand“, wie Hartwig Deimel sagt. Das heißt, mit einem hohen Anteil Ehrenamt, öffentlicher Förderung, einem Finanzierungsplan und dem Ankauf durch den Verein. Die Stadt spielte mit, holte ein weiteres Gutachten ein, dass das Konzept des Vereins stützte und signalisierte finanzielle Unterstützung für den Fall, dass der Verein als Käufer auftritt. Und so kam es: der Verein stach Mitbewerber aus und kaufte die auf 260  000 Euro taxierte frühere Fischräucherei für 400  000 Euro. 150  000 Euro gab der Europäische Fischereifonds als Zuschuss, den die Stadt mit 50 Prozent kofinanzierte, weitere 150  000 Euro kamen von der Stadt, der Rest wurde finanziert. Die Zinsen werden durch die Mieteinnahmen der beiden sanierten Wohnungen im Vorderhaus Jungfernstieg finanziert, die Tilgung und Betriebskosten von 20  000 Euro pro Jahr bringt der Verein durch Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen auf.

„Bisher wurden rund 600  000 Euro verbaut“, sagt Deimel. Und es dürften noch etliche weitere zehntausend Euro dazukommen. Denn es gibt neue Aufgaben. Als nächstes wird die frei gewordene Wohnung im Speditionsgebäude in Angriff genommen. Dort soll ein Kontor im alten Stil entstehen, eine Ausstellung zur Räuchereigeschichte und ein Büro eingerichtet werden. Dafür sollen 100  000 Euro bei der EU beantragt werden. „Wir sind fest entschlossen, aus der Alten Fischräucherei eine dauerhafte Einrichtung bei gesicherter Finanzierung zu machen. Wir sind sicher, dass es wegen der touristischen Bedeutung irgendwann auch eine Landesförderung geben wird“, sagt Katharina Mahrt.
> Ihre Stimme für Katharina Mahrt und Hartwig Deimel: Tel. 01375-80401791-02> SMS: shz vote 02

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