Interview : Ein Urgestein verlässt die politische Bühne

Günther Petersen vor seinem „persönlichen Anliegen“, der Bürgerbegegnungsstätte: Er sorgte dafür, dass sie 1987 errichtet wurde.
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Günther Petersen vor seinem „persönlichen Anliegen“, der Bürgerbegegnungsstätte: Er sorgte dafür, dass sie 1987 errichtet wurde.

Nach 45 Jahren in der Gemeindevertretung, davon 29 Jahre als Bürgermeister, legt Günther Petersen sein Amt nieder / Morgen Neuwahl

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18. Mai 2015, 06:02 Uhr

Ehrenamtlicher Standesbeamter, Reiseführer, Sportvereinsvorsitzender, Kassenwart, Vorsitzender des Kindergartenfachausschusses, Seniorenbeirat, stellvertretender Amtsvorsteher, Ehrenvorsitzender des Sportvereins, Gemeindevertreter und Bürgermeister sind nur einige der Ämter und Funktionen, die Günther Petersen im Laufe seines Lebens wahrgenommen hat. Der 76-Jährige sagt über sich selbst, pro Nacht benötige er maximal fünf bis sechs Stunden Schlaf. Mittagsruhe sei für ihn seit jeher ein Fremdwort. Dass Günther Petersen ein rühriger Mensch ist und zeitlebens war, kann in der Gemeinde Ascheffel vermutlich jeder bestätigen. Seit 29 Jahren ist er Bürgermeister der Gemeinde, 45 Jahre lang aktiv in der Gemeindevertretung. Für sein politisches Engagement verlieh ihm der damalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen 2009 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Mit dem 30. April legte der Vater von drei Töchtern alle Ämter und ehrenamtlichen Funktionen nieder.

Günther Petersen wird im November 1938 in Ascheffel geboren. Seinen Vater lernt er nicht kennen, er fällt 1941 in Russland. An den Krieg kann sich Petersen dagegen sehr gut erinnern, ganz besonders an die Bombenangriffe, als sich seine Familie im Bunker versteckt hielt. Nach der Schule absolviert er eine Ausbildung zum Maurer, besucht anschließend in Hamburg die Meister- und Technikerschule. Als er 1966 nach Ascheffel zurückkehrt, reaktiviert er den ansässigen Sportverein und ist später 20 Jahre lang dessen erster Vorsitzender. Hauptberuflich arbeitet er bis zu seiner Pension 2003 in der Bauaufsicht und Planungsabteilung des Kreises. 1970 wird Günther Petersen Gemeindevertreter, 1986 Bürgermeister in seinem Geburtsort Ascheffel.

Herr Petersen, was hat Sie damals dazu bewogen, Gemeindevertreter zu werden?

Ich bin in Ascheffel stark verwurzelt, habe mich immer schon für Nachhaltigkeit und die sinnvolle Nutzung unserer Region interessiert. Außerdem habe ich mich unter anderem im Sportverein sehr engagiert. Darum fragte mich der damalige Bürgermeister 1968, ob ich Lust hätte, Gemeindevertreter zu werden. Weil ich aber noch mit dem Hausbau beschäftigt war, habe ich noch zwei Jahre gewartet. Der überwiegende Teil der Gemeindevertreter damals bestand aus Landwirten. Flächennutzungspläne existierten nicht. Also habe ich mich für die Einführung von Flächennutzungs-, Landschafts- und Bebauungsplänen eingesetzt, um zu sehen, wie man die vorhandene Fläche am besten nutzen kann. Sieben Bebauungspläne sowie einige Teilungspläne wurden während meiner Amtszeit realisiert.

Sie sind 1986 Bürgermeister von Ascheffel geworden. Fiel Ihnen dieses Amt leicht?

Ich habe das Amt 29 Jahre lang ausgesprochen gern ausgeübt. Die ersten drei, vier Jahre waren schwer. Es gab aus den anderen Fraktionen immer mal den einen oder anderen, der mir Steine in den Weg gelegt hat. Da bin ich auch schonmal nach Hause gekommen und habe mich gefragt, ob ich mir das wirklich antun muss. Aber ich hatte Rückendeckung durch gute Gemeindevertreter und Freunde. Und auch meine Frau hat mir immer viel Kraft gegeben. Letztlich lag mir immer das Wohl der Gemeinde am Herzen, die Bürger, die Infrastruktur und die Landschaftsstruktur.

Gibt es Projekte, an die Sie besonders zurückdenken?

Ja, 1990, als es um die kommunale Wasserversorgung mit Anschlusszwang ging, gab es sehr viel Aufruhr in der Gemeinde. Wir haben gesagt, wenn alle anschließen, wird es auch günstiger. Damit waren viele nicht einverstanden, es ging ja um Kosten. Einige klagten sogar, aber die Satzung war stichfest. Damals hatte ich Angst davor, angegriffen zu werden. Heute sind wir alle froh über unser gutes Wasserversorgungsnetz. Mit 55 Cent pro Kubikmeter gehören wir zu den günstigsten Gemeinden. Das war ein vernünftiger Weg. Heute versorgen wir nicht nur den Ortsbereich, sondern auch die Außenbereiche. Ein großes Thema war auch die Abwasserbeseitigung mit Anschlusszwang. Auch hier gab es Beschwerden der Bürger. Heute bezahlen sie 79 Cent – hier liegen wir mit den Gebühren am niedrigsten im Amtsber und alle Bürger sind zufrieden.

Aber der Ärger ist vorprogrammiert, wenn es ums Geld geht. Es wird bei der Straßenbausatzung genauso sein. Man muss sich dabei immer die Frage stellen, wieviel Nutzen der Bürger davon hat. Ganz ähnlich war es bei dem Feuerwehrgerätehaus mit Bürgerbegegnungsstätte. Darauf bin ich besonders stolz. Als ich Bürgermeister wurde, war Bürgerbegegnungsstätte hier noch ein Fremdwort. Aber es lag mir am Herzen, einen Ort zu schaffen, an dem sich Verbände und Vereine wie die Feuerwehr oder der Seniorenkreis treffen und klönen können. Aber die Gemeinde plante nur einen kleinen Anbau, ein ganzes Gebäude empfanden sie als unsinnig und zu kostspielig. Als ich gewählt wurde, habe ich mich aber für ein neues Feuerwehrgerätehaus mit Bürgerbegegnungsstätte stark gemacht. Es ging auch alles ganz schnell, schon 1987 wurde gebaut. Und die Begegnungsstätte ist sehr sehr schön geworden und wird in der Woche x-Mal von Gruppen genutzt und pfleglich behandelt. Ansonsten haben wir in den letzten Jahren viel erreicht. Dazu gehören die Sanierungsarbeiten an den Fußwegen, die komplett neue Dorfbeleuchtung, die Erstellung von sicheren Schulwegen, alle Straßen im Außenbereich wurden mit neuen Schwarzdecken versehen, der Neubau des Kindergartens, die Errichtung der großen Halle. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass wir nach und nach alle Maschinen anschaffen, die wir für die Gemeindearbeit benötigen, so dass wir uns nichts borgen oder Arbeit vergeben müssen.

Sie sind langjähriges Mitglied der Wählergemeinschaft. Haben Sie je darüber nachgedacht, einer Partei beizutreten?

Grundsätzlich habe ich zu allen Parteien ein gutes Verhältnis. Ich wurde oft gefragt, ob ich Lust hätte, einer Partei beizutreten. Das habe ich aber verneint. Ich wollte immer unabhängig sein. Meine Absicht war und ist es, nur für die Gemeinde tätig zu sein. Meine Arbeit als Bürgermeister hatte immer Priorität. Ich habe mich immer schon viel in Vereinen und Verbänden engagiert, bin Mitglied im Alten- und Pflegebeirat, im Schulausschuss, in der Feuerwehr, im Sportverein, im Karnevalsverein, in der Gilde, bin Vorsitzender des Kindergarten-Fachausschusses. Damit hatte ich immer genug zu tun. Denn ich bin kein Vereinsmichel, sondern leiste dort auch meinen aktiven Beitrag. Bis heute helfe ich bei den Baumpflanzaktionen der Waldjugend. Und auch Trauungen vollziehe ich hin und wieder mal. Im vergangenen Jahr sogar auf dem Turm der Globetrotter Lodge. Das war was.

Sie haben nun Ihre Ämter nieder gelegt. Haben Sie noch unverwirklichte Projekte im Kopf?

Ja, seniorenbetreute Wohnungen liegen mir am Herzen für die Zukunft. Wir haben eine gute Infrastruktur in Ascheffel,einen Bäcker mit Kaufmannsladen, einen Schlachter, eine Krankengymnastik, einen Arzt, Grundschulen und Kindergärten. Aber die Gemeinde allein wird seniorengerechte und -betreute Wohnungen nicht alleine finanzieren können, dazu sind Investoren nötig. Eine Arbeitsgruppe haben wir dafür schon gegründet. Dort bleibe ich weiterhin aktiv.

Ich freue mich, dass mit Ende meiner Amtszeit der Pavillon als neuer Treffpunkt in der Ortsmitte errichtet wurde. Die Finanzierung war nur möglich mit Unterstützung unserer Vereine und Verbände sowie Firmen der Region.

Und ich bin natürlich auch weiterhin gern als Berater tätig. Vielleicht kann ich durch meine jahrelange Erfahrung in der Branche noch das eine oder andere Mal behilflich sein.

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