Ein Umzug als Horrortrip

111004 inge kile

Neue Wohnung als Wundertüte und eine zuvorkommende Behandlung im Baumarkt / Wenn die Kräfte langsam zu Ende gehen

von
10. Juni 2014, 18:12 Uhr

Die Geißeln der Menschheit sind unter anderem Krieg, Hungersnöte, Umweltkatastrophen, unheilbare Krankheiten. Jeder, der finanziell nicht allzu gut gestellt ist, wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass ein privater Umzug durchaus auch zu einer Geißel gerechnet werden kann. Ein Umzug kostet viel Mühe, viel Kraft, etliche schlaflose Nächte - vor allem, wenn zugesagte Hilfe kurz zuvor abgesagt wird, die Kosten sich in die Höhe schrauben und man letztendlich vieles allein machen muss.

Mein Umzug war der Horrortrip des Jahres 2014. Die neu gemietete Wohnung entpuppte sich als eine Art Wundertüte mit negativen und vor allem kostenintensiven Überraschungen - der Vermieter wusch seine Hände in Unschuld. Ich wurde Stammgast im Baumarkt, und da ich eine technische Null bin, benötigte ich wirklich immer beratende Hilfe. So wurden die wichtigsten und begehrtesten Männer in meinem Leben einige Mitarbeiter des Baumarkts, sie sind bis heute meine Helden. Denn was, bitte schön, soll man damit anfangen, wenn eine völlig aufgelöste Frau „so ein Dings für unterm Waschbecken“ haben will? Das „Dings“ war ein Blindstopfen, es hat ein wenig gedauert, bis ich es so erklären konnte, dass der nette Mann es auch verstand (übrigens, mein Lieber, ich habe sehr wohl gemerkt, dass Sie sich das Lachen verkneifen mussten!). Ich besorgte falsche Kabel, dreimal die falsche Griffgarnitur für die Wohnungseingangstür, eine falsche Steckdose (Unterputz statt Aufputz) und anderes mehr. Also gewöhnte ich mir an, erst mal zur Info zu marschieren, wenn ich den Baumarkt betrat. Mein Standardspruch „ich brauche Hilfe…“. Was ich mir ab dem dritten Besuch sparen konnte… bereits bei meinem Reinkommen wurde jemand für mich ausgerufen – toll, oder?

Als ich heißes Wasser benötigte, aus der Leitung der Dusche aber nur kaltes kam, hätte ich vor Wut schreien können! Wie um Himmels Willen sollte ich das „meinen“ Jungs im Baumarkt erklären? Wobei… die waren doch dafür gar nicht zuständig, das musste ich schon selbst herausfinden! Es war Zufall statt Können, dass ich heißes Wasser bekam, als ich den Einhebelmischer auf „kalt“ stellte. Sofort probierte ich es anders rum – tatsächlich, kaltes Wasser kam, wenn der Mischer auf „heiß“ gedreht wurde. Faszinierend! Nun hoffe ich, dass ich dran denke, zukünftigen Übernachtungsbesuch vorzuwarnen. Wird schon klappen, spätestens beim ersten, lauten Schrei!

Niemand von all den netten Helfern im Baumarkt machte sich bei meinen diversen Besuchen über mich lustig – im Gegenteil: ich wurde vorzüglich und freundlich bedient. Danke Jungs, Ihr hattet es echt nicht leicht mit mir. Bei der Gelegenheit möchte ich mich auch bei Silke und Brigitte bedanken. Beide ebenfalls nicht mehr „taufrisch“, beide körperlich zu dem Zeitpunkt nicht in der besten Verfassung und doch halfen sie mir, soweit sie konnten. Ihr seid die Besten! Nicht zu vergessen ein Dankeschön an Nina. Elsbeth und Ursel - sie werden wissen, warum.

Fazit nach dem Umzug: Zwei schwere Zusammenbrüche, ein angebrochener Finger, zwei verstauchte Zehen, unzählige blaue Flecken, viele schlaflose Nächte. Verzweiflung pur, ohnmächtige Hilflosigkeit, Fassungslosigkeit, Wut. Und die Erkenntnis, dass Kräfte mit zunehmendem Alter nur noch begrenzt vorhanden sind. Aber wem sage ich das.

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