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25 Jahre Mauerfall : Ein Telegramm und seine Geschichte

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

25 Jahre nach dem Mauerfall: Stationen einer wiederbelebten Städtepartnerschaft zwischen Eckernförde und der mecklenburgischen Stadt Bützow

In einem Telegramm, das der Bützower Bürgermeister Lothar Stroppe, im November 1989 nach Eckernförde schickte, äußert der damals 35-Jährige den Wunsch der Stadt Bützow, die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den Städten wieder aufleben zu lassen. Bereits seit den 50er Jahren bestand ein erster loser Kontakt. Das problematische deutsche-deutsche Verhältnis während der DDR-Diktatur und die politische Eiszeit im Zuge des Kalten Krieges ließen die bestehenden Kontakte jedoch eingeschlafen. Stroppe wusste um diese frühen Kontakte und ergriff unmittelbar nach dem Mauerfall die Initiative. Sein Telegramm markiert den Beginn der offiziellen Partnerschaft, für die sich das Magistrat am 30. November 1989 aussprach. Ende Januar 1990 fuhren Bürgermeister Klaus Buß und Bürgervorsteher Dr. Jürgen Anbuhl persönlich nach Bützow, um erste Gespräche mit offiziellen Vertretern der Stadt zu führen. „Es war eigenartig, in dieser Situation des völligen Umbruchs nach Bützow zu kommen“, erinnert sich Klaus Buß. „Man spürte zwar, dass die Mauer gefallen war, aber viele ehemalige DDR-Funktionäre waren noch im Amt.“ Die Stadt habe sich noch im Urzustand der DDR befunden. „Die bauliche Substanz und das Angebot vor Ort waren deprimierend“, ergänzt Anbuhl. „Die Unsicherheit der Bützower war offensichtlich.“

Zwischen den Gesprächspartner bestand schnell Einigkeit darüber, die Partnerschaft erst nach den Kommunalwahlen in der DDR am 6. Mai 1990 zu begründen. Bis dahin, so das erklärte Ziel, sollten die Verhältnisse vor Ort geordnet und verbessert werden. Zu diesem Zwecke wurde die Bürgeraktion „Eckernförde hilft Bützow“ initiiert: Bürger, Vereine und Firmen wurden aufgerufen mit der künftigen DDR-Partnerstadt in Kontakt zu treten, um die deutsche-deutsche Begegnung zu forcieren.„Jetzt ist das Engagement der Vereine und Verbände, aber auch einzelner Bürger gefordert“, erklärte Anbuhl damals.

Nach dem Kommunalwahlen und der Bestätigung Stroppes im Bürgermeisteramt fuhren Buß und Anbuhl Ende Juli 1990 erneut nach Bützow, um mit den dortigen Vertretern den Partnerschaftsvertrag auszuarbeiten. Man sei sich schnell einige geworden, erinnert sich Buß. Am 11. September wurde der Vertrag von der Ratsversammlung in Eckernförde unterzeichnet. In seiner Rede bezeichnete Bürgervorsteher Anbuhl die Vertragsunterzeichnung als „Stunde der Freude“ und unterstrich: „Wir wollen in Eckernförde nach Kräften helfen, Bützow zu einer Stadt mit Zukunft zu entwickeln.“ Nach dieser Absichterklärung ließ die Stadt Taten folgen, schenkte der Stadt Bützow zum Auftakt eine grundüberholte Arbeitsmaschine – den Kleinschlepper „Kubota“ – und lud Bützower Hospitanten in die Eckernförder Verwaltung ein, um ihnen einen Einblick in die hiesigen Verwaltungstätigkeiten zu geben.

„Eine Reihe von Eckernförder interessierte sich für Bützow“, so Buß. Unternehmen seien daran interessiert gewesen, sich in Bützow anzusiedeln. Insbesondere die wirtschaftlichen Beziehungen sollten ausgebaut werden und Eckernförder Unternehmen mit Erfahrung, Know-how, Geräten und Materialien die Bützower unterstützen. Dies sei einer der Hauptwünsche der Bützower gewesen, so Buß. In Bützow sah man sich aufgrund der schwachen ansässigen Industrie vor allem vor Herausforderungen im wirtschaftlichen Bereich stehen.

Der Eckernförder Architekt Gerhard Lassen eröffnete das Büro „Lassen, Paulsen und Partner“ in der alten Bützower Limonadenfabrik, die er 1991 kaufte und restaurierte. Aufträge wie die Sanierung des Rathaus und des Sparkassengebäudes oder die Entwürfe für Flächennutzungs- und Bebauungspläne gingen an ihn. Die Arbeit und das Engagement in Bützow sei eine Herzensangelegenheit seines Vaters gewesen, erzählt sein Sohn Jens Lassen heute. „Die Zusammenarbeit war vor allem von persönlichen Kontakten geprägt.“ Jens Lassen selbst habe rund sechs Jahre mit seiner Familie in Bützow gelebt. So wurden die partnerschaftlichen Beziehung der Städte auch durch die Begegnungen auf Vereins- und Unternehmensebene sowie im privaten Bereich erweitert, vertieft und gefestigt.

Als Buß und Anbuhl 1994 zur Wiedereröffnung des Rathauses erneut in die mecklenburgische Stadt reisten, sei viel passiert in der Zwischenzeit, sagt Anbuhl. Viele Gebäude wurden restauriert, und neue Unternehmen sind entstanden. „Die Städtepartnerschaft ist ein Stück Zeitgeschichte, das man miteinander erleben durfte“, resümiert Buß. Heute ist er froh, dass sich die Partnerschaft für beide Städte so positiv entwickelt hat. Man habe Anstöße für die Zukunft geben können.

Nachdem sich die Beziehungen zwischen Ost- und Westdeutschland normalisierten und die Bemühungen der Annäherung fruchteten, ist auch die Partnerschaft eingeschlafen. 2009 beschäftigte sich sogar der Kulturausschuss der Stadt Bützow mit dem Vorschlag einzelner Mitglieder, die Partnerschaft zu kündigen. Es sei der Eindruck entstanden, dass seit Jahren nichts passiert, gab ein Ausschussmitglied an.

Die Partnerschaft lebt heute vor allem im privaten Bereich und auf Vereinsebene weiter. Den wohl intensivsten Kontakt pflegen heute wie damals die Feuerwehren sowie die Fotoclubs beider Städte – sie feierten mit der gemeinsame Fotoexkursion „Wege übers Land“ erst im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum.

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erstellt am 09.Nov.2014 | 06:30 Uhr

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