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„Europa macht Schule“ : Ein Teil Estlands – „live und in Farbe“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Projekt führt Austauschstudentin an die Isarnwohld-Schule Gettorf und ermöglichst Schülern anderen Zugang zum Thema

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Gettorf | Kamamehl – das kennen die Schüler der Klasse 12  a noch nicht, aber ihr Gast, Eva-Erle Lilleaed, erklärt ihnen die besondere Zusammensetzung: „Es ist ein sehr typisches Mehl in Estland. Es besteht aus Weizen, Hafer, Roggen, Gerste – und Erbsen.“ Eva-Erle ist Estin, 25 Jahre alt und studiert für ein Jahr am Kunsthistorischen Institut der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel. „Bei uns heißt es Kunstwissenschaft“, sagt sie und lacht. Dass sie den zwölften Jahrgang der Isarnwohld-Schule besucht und in der Schulküche mit den deutschen Schülern Kamakugeln und einen Kamadrink mit Buttermilch zubereitet, ist Teil des Projektes „Europa macht Schule“ (EmS). Die Geographielehrerin Michaela Torp-Wüstenberg hat den Kontakt hergestellt, das Thema Europa wird gerade im Unterricht behandelt.

„Zu den Ländern im östlichen Europa haben die Schüler oft viel weniger Bezug als zu anderen, im Süden beispielsweise“, sagt sie. Gerade diese Klasse des Sprachprofils sei besonders interessiert und neugierig, da schien das Angebot des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) spannend. Bei „Europa macht Schule“ können Gaststudierende deutsche Schulklassen kennen lernen und einen authentischen Einblick in die Kultur erhalten – und andersherum.

Eva-Erle hat Unterrichtsstunden besucht, den Schülern von ihrer Heimat erzählt und von Politik, Geschichte und Alltag berichtet. Sie spricht deutsch – bereits seit drei Jahren belegt sie Kurse in Estland. Nun gab es eine gemeinsame Zwischenmahlzeit. Das Mehl hat sie aus ihrer Heimat mitgebracht. „Das gibt es hier nicht“, sagt sie.

Seit Oktober ist Eva-Erle bereits in Kiel. Sie mag die Stadt, wohnt an der Kiellinie und hat von dort einen Blick auf den Hafen. Auch in Hamburg, Lübeck und Bremen war sie und ist beeindruckt von der alten Architektur in den Hansestädten. Die Menschen findet sie offen und freundlich, nur das Essen ist nicht ganz ihr Fall. „Bratwurst“, sagt sie und schüttelt lachend den Kopf.

Aber was sagen die Schüler hier über die Kamakugeln? „Schmecken lecker, irgendwie ein bisschen nach Kaffee“, sagt Enid (16), Celina (16) stimmt ihr zu. Levke (17) berichtet vom Geographie-Unterricht: Die EU, ihre Aufnahmekriterien und viele Länder waren unter anderem schon dran. Die Klausur hatte Estland zu Thema. „Ist gut ausgefallen“, sagt sie lachend.

„Durch den Besuch von Eva haben die Schüler noch einmal einen ganz anderen Gewinn“, sagt Michaela Torp-Wüstenberg, „wir haben über vieles theoretisch gesprochen, aber so erleben sie es noch einmal live und in Farbe“. Oft verbreitet sei die Meinung, dass die östlichen Staaten nicht so fortschrittlich seien. „Dabei wurde zum Beispiel skype in Estland erfunden“, so die Lehrerin weiter. Außerdem gebe es die praktische ID-Card. Das ist eine Ausweis-Karte, die weit mehr kann als der deutsche Personalausweis: Von fast jedem Computer können Aufgaben erledigt werden, für die hier noch der Gang zur Behörde und die persönliche Unterschrift nötig ist. Sogar wählen kann Eva-Erle damit von hier aus. „Und wir haben gerade Wahlen“, sagt sie. Noch bis Ende Februar kann sie ihre Stimme mit der ID-Card abgeben. „Estland ist modern und fortschrittlich. Durch dieses Projekt ist es einfach, dieses Bild auch zu vermitteln“, so die Lehrerin.

>www.europamachtschule.de

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