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Uta Fischer : „Ein Tag könnte gern viel länger sein“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der Serie „Was macht eigentlich...?“ berichten wir heute über Uta Fischer aus Altenholz.

In einer Serie besuchen wir Personen, die im Dänischen Wohld gewirkt haben und berichten, wie sich ihr Leben verändert hat. Heute in der Reihe „Was macht eigentlich ... ?“: Uta Fischer aus Altenholz.

Räumlich ist die Claus-Rixen-Schule, an der Uta Fischer 42 Jahre tätig war, 14 davon als Rektorin, nur rund anderthalb Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Gedanklich aber liegen Meilen zwischen ihr und der Schule. „Das ist alles ganz weit weg, das war es sogar relativ schnell“, sagt die 67-Jährige. Alle hätten gedacht, sie könne ohne Schule nicht existieren, erzählt sie und räumt ein, dass sie anfangs auch befürchtete, der Tag könne lang werden. „Aber das ist er gar nicht“, sagt Uta Fischer und verrät mit einem Lachen: „Den Wecker nicht mehr auf 6.15 Uhr stellen zu müssen – das war die größte Erlösung.“

Im ersten Jahr ging sie viel auf Reisen: Lanzarote, Venedig, Wien, Luxemburg, Madrid. Es folgte eine Tour durch Deutschland – Besuche bei Familie und Freunden. In Greiz im Südosten Thüringens, der Heimatstadt ihres Mannes, begab sie sich auf Spurensuche, vollzog nach, was ein Familienforscher herausgefunden hatte. Sie führte viele Gespräche mit den Menschen im Ort, die sie nachhaltig beschäftigten.

Zwischendurch machte sie immer wieder Abstecher nach London, wo ihre Tochter mit Familie lebt. Im Vergleich zum englischen Schulsystem, das sie über ihre Enkelkinder, sieben und neun Jahre, kennenlernt, stelle sie immer wieder fest, wie gut die Claus-Rixen-Schule war. In Deutschland verfolge sie das schulische Geschehen ganz bewusst nur aus der Distanz. „Alles hat seine Zeit.“ Zwar freue sie sich, wenn ehemalige Schüler sie erkennen und ihr zuwinken. Doch genau so, wie man in der Familie die Kinder loslasse, so gehe auch der Wunsch, von Kindern umgeben zu sein, zurück.

Der zweisprachigen Erziehung aber gilt nach wie vor ihr Interesse. Gemeinsam mit Professor Henning Wode von der Universität Kiel hatte sie den bilingualen Unterricht an der Claus-Rixen-Schule aufgebaut. Nach ihrer Pensionierung ist sie dem Verein für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen (FMKS) beigetreten. Aktuell steht sie einer Schule mit skandinavischem Profil in Berlin mit ihrem Rat und ihrer Erfahrung zur Seite. „Das macht Spaß“, sagt Uta Fischer. Sie hat festgestellt, dass sich bilinguale Unterrichtsformen an Privatschulen ausbreiten, zum Teil mit bedenkenswerten Konzepten. Fischer: „Es braucht dringend eine Qualitätsprüfung in dem Bereich. Das ist ein sehr spannendes Feld.“

Sie genießt es, endlich Zeit für die Angebote der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft zu haben, der sie seit langem angehört, ebenso wie die der Europa-Union. Bei Asante, dem Verein zur Förderung von Schulkindern in Tiwi/Kenia, bringt sie sich ein. Und sie liest gern – Geschichtliches, Philosophisches und Biografien. Aktuell „Goya“ von Lion Feuchtwanger. „Ich habe immer schon viele Interessen gehabt. Aber früher war mein Tag wahnsinnig eng getaktet, da war für nichts Luft“, sagt Uta Fischer. „Jetzt geht alles in aller Ruhe und Ausführlichkeit. Ein Tag könnte manchmal gern viel länger sein.“

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erstellt am 09.Sep.2015 | 06:15 Uhr

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