zur Navigation springen

Flüchtlinge : Ein syrisches Dankeschön an die Eckernförder

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Flüchtlinge aus Syrien bedanken sich für die freundliche Aufnahme und Unterstützung in Eckernförde. Sie werden intensiv und ehrenamtlich betreut von Maria Zouaiter, die fließend arabisch spricht, und Monika Ipsen.

von
erstellt am 08.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge, die die Stadt in diesem Jahr aufnimmt, ist so hoch wie selten zuvor: 74 Asylbewerber und Migranten sollen es bis Dezember werde, angekommen sind bislang 48.

Darunter sind auch zwölf Syrer, die vor dem Krieg in ihrem Land geflohen sind. Sie wurden bedroht und beschossen, einige von ihnen wurden schwer verletzt. Die ersten von ihnen kamen im März in Eckernförde an. Mittlerweile sind sie seit sieben Monaten hier und haben sich eingelebt. Andere sind gerade erst angekommen. Besonders die freundliche Aufnahme durch die Eckernförder hat ihnen geholfen, sich zurechtzufinden.

Einige Bürger brachten Möbel und Wäsche vorbei, andere spendeten einen Fernseher und Computer, machten alte Fahrräder für die Syrer fit.

Fremdenfeindliche Erfahrungen haben die jungen Männer in Eckernförde nicht gemacht. Im Gegenteil: Einige Menschen haben eine Art Patenschaft übernommen, nehmen „ihre“ Syrer mit zu Ausflügen, laden sie zum Kaffeetrinken ein, eine ehemalige Deutsch-Lehrerin besucht die Flüchtlinge regelmäßig, um mit ihnen deutsche Vokabeln zu lernen. Andere haben Geld gespendet, um den Deutsch-Unterricht, der mittlerweile nicht mehr kostenlos ist, zu finanzieren.

Von der ersten Stunde an dabei sind Monika Ipsen und Maria Zouaiter. Sie kümmern sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge, helfen bei Amtsgängen und stellen den Kontakt zu Einheimischen her. Besonders hilfreich sind dabei die Arabisch-Kenntnisse von Maria Zouaiter. Sie hat zwei Jahre im Libanon gelebt und spricht fließend Arabisch. „Ich bin in manchen Wochen 15 Stunden ehrenamtlich unterwegs, begleite die Flüchtlinge bei Arztbesuchen, um zu dolmetschen“, sagt sie.

Jeden Freitag fahren die Syrer nach Büdelsdorf, um in die Moschee zu gehen. „Sie haben dort Gebetsteppiche und einen Koran bekommen“, sagt Monika Ipsen. „Das ist ein Stück Heimat für sie.“ Mittlerweile bewegen sie sich selbstständig, fahren mit dem Bus nach Kiel, wo sie Kontakte zu anderen arabisch-sprachigen Mitbürgern geknüpft haben, die schon länger in Deutschland leben und ihnen behilflich sind. Die ersten Ankömmlinge sind nach sieben Monaten schon „alte Hasen“, die jetzt den Neuankömmlingen helfen.

Eine Hürde ist nach wie vor die Sprachbarriere. Manch einer lernt schnell Deutsch, andere benötigen länger. In einigen Fällen übersetzt der Sport: Einer spielt im Verein Handball, ein anderer Tennis. „Wir sind besonders dankbar, nicht mehr in der Ostlandstraße zu wohnen“, sagt einer der Flüchtlinge, der seinen Namen aus Angst vor Repressalien in seiner Heimat nicht nennen möchte. Mittlerweile sind sie in ein von der Stadt angemietetes Haus an der Reeperbahn umgezogen. Dort schlafen sie immer noch mit zwei Leuten pro Zimmer, haben aber zwei Küchen und zwei Bäder für zwölf Personen – eine deutliche Verbesserung. „Und wir sind dankbar, dass Menschen zu uns kommen und uns im täglichen Leben helfen.“

Ihre Zukunft ist weiterhin ungewiss: Nur einer hat seinen Asylantrag bewilligt bekommen, die anderen müssen weiter warten. Ihr Trost: Auch ihre Familien sind mittlerweile in Sicherheit, im Libanon oder in Ägypten. Den Kontakt zu halten, ist eine Frage des Geldes. Alle haben Mobiltelefone, doch mit einem Internetanschluss wäre es einfacher und günstiger.

Mittlerweile hat auch die Stadt mit einem Arbeitskreis auf die Flüchtlingslage reagiert und sucht Paten für alle Asylbewerber, nicht nur für die Syrer. Wer sich engagieren möchte, kann sich bei Martin Klimach-Dreger (Awo), Tel. 04351/3132, oder Sabine Bleyer (UTS), Tel. 04351/726055 melden. Wer Möbel oder Wäsche gezielt für die Flüchtlinge spenden möchte, kann sich mit Reinhard Wegner von der „Lebenswerft.Kreativwerkstatt“ im Rosseer Weg in Verbindung setzen (Tel. 04351/ 8921020).

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen