Konzert : Ein Stück Seefahrt erklingt in St. Jürgen

Begeisterte die Zuhörer in der Gettorfer Konzertkirche: Der Lotsengesangsverein Knurrhahn aus Kiel-Holtenau. Hier mit Shantyman Uwe Walther (vorne) als Solist, rechts daneben Chorleiter Michael Pezenburg.
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Begeisterte die Zuhörer in der Gettorfer Konzertkirche: Der Lotsengesangsverein Knurrhahn aus Kiel-Holtenau. Hier mit Shantyman Uwe Walther (vorne) als Solist, rechts daneben Chorleiter Michael Pezenburg.

Lotsengesangverein Knurrhahn schmettert Shantys und Gospel in der voll besetzten Gettorfer St.-Jürgen-Kirche

shz.de von
13. Juni 2014, 06:00 Uhr

Da bekam die Bezeichnung „Kirchenschiff“ doch gleich eine ganz andere Bedeutung: Pastor Frank Boysen wollte die Zuhörer mit auf große Fahrt nehmen, und begleitet wurde die Reise vom Lotsengesangverein Knurrhahn aus Kiel-Holtenau unter der Leitung von Michael Pezenburg, der nach dem großen Erfolg vor drei Jahren am Mittwochabend zum zweiten Mal in der Gettorfer Konzertkirche gastierte.

Der Chor, 1929 gegründet, als die Schifffahrt auf der Ostsee wegen Eisgangs zum Erliegen kam und die Lotsen sich in ihrer Wartehalle in Holtenau trafen, präsentierte den Zuhörern wieder einmal sein umfangreiches Repertoire, mit dem er sich zu einer festen Größe in der maritimen Welt entwickelt hat. Die Inhalte der Lieder, die von der Arbeit an Bord, dem Leben auf See, den Erlebnissen in fremden Häfen, von Abschied, Fern- und auch Heimweh erzählen und die mal balladenartig, dann wieder fröhlich oder auch frech und auch mal melancholisch und voller Wehmut daherkommen, wurden dem Publikum von Oberknurrhahn Helmut Bork, der das Konzert moderierte, vorab blockweise erläutert. Sowohl die bei Shantys unentbehrlichen Shantymen – die Vorsänger – Gerd Otto Deuble (bekannt als G.O.), Klaus Helms, Uwe Walther, Torsten Fehse, Frank Gülzow und Olaf Hartmann als auch der gesamte Chor überzeugten ob ihrer Stimmgewalt und auch durch teils gesten- und mimikreichen Ausdruck. Jedes der Stücke – ob nun die ruhigeren wie „Spanish Ladies“, Fishermans Song“ und „Fair stood the Wind“ oder die temporeichen wie „West-Zuid-West van Ameland“ oder „Roll the old chariot“, bei denen die Füße im Publikum im Takt wippten – wurde von den Zuhörern in der voll besetzten Kirche mit Applaus honoriert. Und bei Richard Germers „Einmal noch nach Bombay“ wurde dann auch kräftig im Takt mitgeklatscht. Und zwischendurch gab es neben der plattdeutschen Rezitation „Lächerlichen Kram“ auch das reine Instrumentalstück „Auf einem Seemannsgrab …“, gespielt von der „Bordkapelle“ des Knurrhahn. Neben Wolfgang Brümmerstedt und Gerd Park (Akkordeon) sowie G.O. Deuble (Kontrabass), spielt dort auch Hilde Pritscher (Gitarre und Kontrabass) als einzige Frau bei den Knurrhähnen. Ihr Mann wurde, als er bei den Lotsen begann gefragt, ob er bei den Knurrhähnen mitmachen wolle, was er aber kategorisch ablehnte. Aber da man ja kollegial ist, bot er an, seine Frau zu schicken – die könne man dann ja nehmen. Und die stimmte zu, ist mittlerweile seit vier Jahren mit von der Partie und bestätigt auf Nachfrage, dass die „alten Seebären“ ihr nichts tun. Sie geht sogar noch weiter und betont, dass „allesamt ausnahmslos wahre Gentlemen sind“.

Offiziell endete das Konzert der 33 Sänger und drei Instrumentalisten mit dem allseits bekannten „Rolling Home“, dass bei manchem Konzertbesucher dann auch für die Gänsehaut gesorgt haben dürfte. Bei den anschließenden stehenden Ovationen konnten die Knurrhähne - die allesamt das Kapitänspatent besitzen und auf lange Fahrenszeiten zurückblicken – den lautstarken Forderungen nach einer Zugabe nicht widerstehen und zeigten mit „Glory Hallelujah“, dass sie nicht nur Shantys, sondern auch Gospel können, bei dem die Besucher wieder voll mitgingen. Dass das knapp zweistündige Konzert den Besuchern gefallen hatte, steht außer Frage. Und dass es nicht das letzte Konzert der Knurrhähne in Gettorf war sicherlich auch. Pastor Frank Boysen sagte, dass der Chor jederzeit wieder willkommen ist und dass er mit Sicherheit auch wiederkommen wird – ins „Kirchenschiff“ nach Gettorf.

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