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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 12:08 Uhr

Ein Stück Italien an der Ostsee

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Brüder Massimo und Marco Boldrin aus Italien stellen seit 1996 Eis in Eckernförde her - fast 30 Sorten und 1000 Kugeln am Tag

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2015 | 06:20 Uhr

Eckernförde | Die Qualität der Produkte ist es, was gutes Eis ausmacht, ist sich Marco Boldrin (44) sicher. Seit 1996 betreibt er mit seinem Bruder Massimo (46) das Eiscafé „Veneto“ in der Kieler Straße. Gemeinsam haben die Brüder in ihrer italienischen Heimat Campagna Lupia angefangen, Speiseeis herzustellen – einer kleinen Gemeinde in der Provinz Venetien knapp 30 Kilometer südlich von Venedig. „Eigentlich ist das gar nicht mehr die typische Eisregion“, erklärt Marco Boldrin. Viele Eishersteller – die Pioniere – kommen aus den Dolomiten im Norden Venedigs. Dort hat die Eisherstellung Tradition. In Deutschland gibt es etwa 5000 Eiscafés. 3000 davon werden von Italienern geführt. Die meisten von ihnen stammen aus dem Dolomitental Val di Zoldo.

Im „Veneto“ wird das Eis selbst gemacht, je nach Sorte aus Sahne, Milch, Wasser, Zucker, Früchten, Gewürzen, aber auch mal Keksen, Nüssen, Schokolade oder Alkohol. Sind die Zutaten vermischt, wird die Masse in einer Eismaschine unter ständigem Rühren heruntergekühlt. So werden feine Luftbläschen in die Masse eingearbeitet, die Eiskristalle bleiben klein und der cremige Schmelz entsteht. Binnen zehn Minuten ist das Eis fertig. Je nach Saison werden im „Veneto“ auf diese Weise täglich 200 Liter Eis hergestellt, das sind zwischen 40 und 50 Eisbehälter und über 1000 Kugeln.

Seit den 1960er-Jahren gibt es in der Kieler Straße italienisches Eis. Erst im Eiscafé „Sommariva“, seit nunmehr 20 Jahren im „Veneto“. „Ich habe mit 18 Jahren, mein Bruder mit 20 Jahren angefangen. Seither haben wir nichts anderes gemacht und können uns auch nichts anderes vorstellen“, sagt Marco Boldrin. Dabei erfolgt die meiste Arbeit naturgemäß im Sommer. Außerhalb der Saison geht es auf Fortbildung: „Uniteis“, die Union italienischer Speiseeishersteller, hat im Winter zum Beispiel Kurse zur Speiseeisherstellung in der Nähe ihrer Heimat angeboten, die sie besuchten.

Auf die Idee, Speiseeis herzustellen, ist Marco Boldrin per Zufall gestoßen. Seine Mutter hat die Betreiber eines Eiscafés in der der Nähe Bremens gekannt, dort hat er zwei Jahre erste Erfahrungen sammeln können. Nach Stationen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen begann im Winter 1996 schließlich die Geschichte des „Veneto“: „Das war einer der härtesten Winter – die Ostsee war gefroren“, erinnert sich Marco Boldrin. „Ich war zunächst erschrocken – wie soll ich hier Eis verkaufen?“

Sechs festangestellte Mitarbeiter und acht Aushilfen beschäftigen die Brüder inzwischen. Die Mitarbeiterzahl schwankt mit der Saison. So auch die Geschmäcker der Kunden: Wenn es warm ist, wird vorwiegend Fruchteis gegessen, sobald es etwas kälter wird, hat Sahneeis Hochkonjunktur. Im Angebot haben sie fast 30 Sorten. Jedes Jahr kommen zwei bis drei neue Sorten hinzu, im vergangenen Jahr zum Beispiel Zitrone-Basilikum: „Die Sorte war so ein Erfolg, dass sie heute nicht mehr wegzudenken ist.“ Am stärksten fragen die Eckernförder jedoch Vanille, Schokolade und den italienischen Klassiker Stracciatella nach und liegen damit ganz im deutschen Trend: 2014 waren Schokolade und Stracciatella die beliebtesten Eissorten der Deutschen.

Mit den Jahren haben die Brüder gelernt, die Trends aufzugreifen und in eigene Eisvariationen umzuwandeln. Im Angebot haben sie daher auch veganes, laktosefreies oder für Diabetiker geeignetes Eis. „Das müssen wir auch. In Eckernförde ist die Nachfrage sehr vielfältig, allein schon durch die vielen Touristen“, sagt Marco Boldrin. „Wir sind ständig am Forschen und Ausprobieren.“ Die Rezepte stammen alle aus eigener Feder. Erste Kostproben neuer Rezeptentwürfe werden von den Chefs persönlich verkostet. Inspirationen für neue Eiskreationen holen sich die Gebrüder Boldrin etwa auf Messen in Italien. Für die kommende Saison können sie sich zum Beispiel etwas mit Balsamico vorstellen. Und die beginnt jetzt, denn sobald die Sonne scheint und die Temperaturen steigen, hat das „Veneto“ wieder alle Hände voll zu tun.

 

 

>Der Pro-Kopf-Verbrauch von Speiseeis in Deutschland lag 2014 bei insgesamt 7,6 Liter – davon 1,4 Liter Speiseeis aus gewerblicher Herstellung.


 

 

 

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