Jubiläum : Ein Stück Himmel am Bahnhof

Feiern das Jubiläum (v. l.): Astrid Heyer (Caritasverband Schleswig-Holstein ), Heinrich Deike (Verband der evangelischen Bahnhofsmission in der Nordkirche), Bürgervorsteherin Karin Himstedt, Ulrich Kaminski (Diakonischen Werk Rendsburg-Eckernförde, Teamleiterin Ursula Dam, Propst Sönke Funck und Diana Maschke (Diakonischen Werk Rendsburg-Eckernförde).
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Feiern das Jubiläum (v. l.): Astrid Heyer (Caritasverband Schleswig-Holstein ), Heinrich Deike (Verband der evangelischen Bahnhofsmission in der Nordkirche), Bürgervorsteherin Karin Himstedt, Ulrich Kaminski (Diakonischen Werk Rendsburg-Eckernförde, Teamleiterin Ursula Dam, Propst Sönke Funck und Diana Maschke (Diakonischen Werk Rendsburg-Eckernförde).

Die Bahnhofsmission Eckernförde feierte am Freitag ihr 70-jähriges Jubiläum. Die Ehrenamtler suchen dringend Nachwuchs.

shz.de von
23. Juni 2018, 06:43 Uhr

Eckernförde | Zugfahren scheint so einfach. Man kauft sich eine Fahrkarte, steigt in den Zug und steigt an seiner Zielhaltestelle wieder aus. Soweit alles kein Problem, zumindest solange man die deutsche Sprache beherrscht, den Fahrkartenautomaten bedienen und ohne fremde Hilfe vom oft tieferliegenden Bahnsteig in den Zug steigen kann.

Für Menschen, die diese Dinge nicht können, ist jede Zugfahrt ein schwieriges Unterfangen mit oft kaum zu überwindenden Hürden. Damit sie trotzdem mit einem sicheren Gefühl Zugfahren können, sind ehrenamtliche Helfer der Bahnhofsmission auf deutschen Bahnhöfen im Einsatz. Mit viel Engagement und Herzblut sorgen sie dafür, dass kein Reisender mit seinen Problemen im Regen stehen bleibt. Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission helfen nicht nur beim Ein- und Ausstieg, am Fahrkartenautomaten oder am Fahrplan, sondern bieten auch die Möglichkeit für persönliche Gespräche und vermitteln in Krisensituationen. In Eckernförde ist die Bahnhofsmission seit 70 Jahren vertreten und feierte gestern ihr Jubiläum mit Musik vom TuS Eckernförde, Festreden und einer kleinen Andacht, stilecht auf dem Eckernförder Bahnsteig. Sieben ehrenamtliche Mitarbeiter sind unter der Führung von Teamleiterin Ursula Dam in Vier-Stunden-Schichten an fünf Tagen in der Woche für die Fragen und Bedürfnisse der Reisenden vor Ort. Träger der Mission ist das Diakonische Werk des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde und des Caritasverbands Schleswig-Holstein. Die Räumlichkeiten für ihre Arbeit werden von der Bahn AG kostenfrei zur Verfügung gestellt. Doch der demografische Wandel macht nicht nur vor den Fahrgästen, sondern auch vor der Bahnhofsmission keinen Halt. Die Mitarbeiter sind zwischen 64 und 82 Jahre alt – Nachwuchs wird dringend gesucht. „Perspektivisch ist es wichtig, sich zu verjüngen“, erklärt Ulrich Kaminski vom Diakonischen Werk Rendsburg-Eckernförde.

Auch Teamleiterin Dam ist sich der Situation bewusst. „Wir möchten gerne, dass auch jüngere Mitarbeiter zu uns kommen“, sagt die Teamleiterin. Wer Interesse an diesem Ehrenamt hat, kann sich einfach bei der Bahnhofsmission Eckernförde melden und einen Tag in die Arbeit am Gleis hineinschnuppern. Wer dauerhaft Teil der Bahnhofsmission werden möchte, lernt in einer kostenlosen zweitägigen Grundausbildung alles Notwendige.

Die Wurzeln der Bahnhofsmission reichen zurück in die Zeit der Industrialisierung. In Folge wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen kamen zum ausgehenden 19. Jahrhundert immer mehr Mädchen und junge Frauen vom Land in die Städte. Auf sich selbst gestellt, gerieten sie häufig in gefahrvolle Lagen, wie zum Beispiel Prostitution und Obdachlosigkeit. So entstanden die Bahnhofsmissionen als Orte der Hilfe und des Schutzes, die erste vor 124 Jahren in der damaligen Reichshauptstadt Berlin. Gegründet wurde sie von der Frauenarbeit der Inneren Mission.




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