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Eckernförder Zeitung

21. Oktober 2017 | 21:50 Uhr

Ein Straßenkater namens Joschi

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 05.Apr.2017 | 18:59 Uhr

Eines Tages tauchte er im Garten einer Freundin auf, ziemlich hungrig, denn er maunzte laut und deutlich. Sie fütterte gerade die Igel mit Katzenfutter, und er machte sich mit großem Appetit über das Futter her. So begann die Mensch-Katzen-Beziehung. Sie nannte den grau-getigerten, kampferprobten Kater mit den ausgefransten Ohren Joschi, und er war eine imposante Katzenpersönlichkeit.

Während einer Kastrations-Aktion des hiesigen Tierschutzvereins war Joschi kastriert und tätowiert worden. Danach wurde er wieder freigelassen, denn er war ein Streuner.

Seine Menschenfreundin hätte ihn gerne adoptiert, doch das gestaltete sich schwierig. Joschi war schon zwischen 8 und 10 Jahren alt, ein stolzes Alter für einen Straßenkater, die normalerweise höchsten 6 Jahre alt werden, wenn sie überhaupt das 1. Lebensjahr vollenden. Er war sehr schmusebedürftig und genoss die Streicheleinheiten sichtlich.

Doch sesshaft wurde er nicht, sehr zum Leidwesen seiner Freundin.

Joschi kam zwar zu Besuch in die Wohnung der Menschenfrau, doch abends wollte er immer wieder nach draußen. Warum er sich nicht domestizieren ließ, kann niemand sagen. Anders als Bob, der Streuner in London, der sich sofort seinem Herrchen James anschloss, konnte Joschi das Geschenk, das ihm seine Menschenfreundin machen wollte, nicht annehmen. Hatte er zu lange auf der Straße gelebt? Oder war ihm seine Freiheit wichtiger? Wir werden es nie erfahren. Seine Menschenfreundin baute ihm einen Unterschlupf im Garten, in den er sich zurückziehen konnte, wenn es regnete oder stürmte. Er bekam sein Futter immer regelmäßig im Garten serviert.
An manchen Abenden ging er mit seiner Menschenfreundin richtig spazieren, eine ganze zeitlang. Er war sehr anhänglich, doch eine Wohnungskatze wurde er nie.

Fast zwei Jahre lang lebte Joschi in seinem Häuschen im Garten.

Dann, eines Tages wurde Joschi in der Schleswiger Straße von einem Auto überfahren. ob der Wagen zu schnell gefahren war, dass das Tier nicht ausweichen konnte? Bei einem Straßenkater schwer vorstellbar. Ob er vielleicht sogar absichtlich vors Auto gelaufen war, weil er nicht alt und krank werden wollte? Wer weiß?

Joschi fand seine letzte Ruhestätte unter einem Apfelbaum im Garten seiner Menschenfreundin. So starb Joschi, wie er gelebt hatte: als freier Straßenkater.


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