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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 01:39 Uhr

Auszeichnung : Ein Soldat wird Lebensretter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Bordeinsatzsoldat Raphael P. hat einen ertrunkenen Flüchtling beim Einsatz im Mittelmeer wiederbelebt. Dafür wurde er mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr ausgezeichnet.

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erstellt am 01.Okt.2015 | 06:02 Uhr

Eckernförde | Die Bundeswehr erfindet sich neu: Nicht mit der Waffe in der Hand patroullieren die Soldaten zurzeit auf den Schiffen im Mittelmeer, sondern mit der ausgestreckten Hand, um Flüchtlinge aus dem Wasser zu ziehen. Ständig im Einsatz sind auch immer durchschnittlich 30 Soldaten des Seebataillons in Eckernförde. Sie sind in Gruppen auf zwei Schiffe aufgeteilt und reagieren auf Notrufe. In luftdichten Schutzanzügen fahren dann die spezialisierten Einsatzkräfte mit ihren Speedbooten zu den mit Flüchtlingen vollkommen überfüllten Fischer- und Schlauchbooten und bringen sie zu ihren Fregatten oder Tendern.

Auch der Oberbootsmann Raphael P. war im Frühjahr vor der libyschen Küste im Einsatz. Als er mit seinen Kameraden zu einem Schlauchboot mit rund 100 Flüchtlingen fuhr, kenterte das Boot. „Die Leute gerieten in Panik und schlugen im Wasser um sich“, erzählt der 31 Jahre alte Bordeinsatzsoldat, dessen Nachname als Schutz ungenannt bleiben soll. Aus dem Augenwinkel haben seine Kameraden und der gebürtige Berliner einen jungen Mann gesehen, der sich nicht mehr bewegte und langsam unterging. Sie zogen den Eritreer aus dem Wasser, Teamleiter Raphael P. leitete auf dem Speedboot sofort eine Herz-Rhythmus-Massage ein. „Immer wieder klappte er weg, aber am Ende kam er zu sich.“

Dafür verlieh ihm der Kommandeur des Seebataillons, Fregattenkapitän Arne Krüger, im Namen der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einer Musterung auf dem Gelände der Preußerkaserne das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold für eine herausragende Einzeltat – eine sehr seltene Auszeichnung. Krüger wies auf die extremen Bedingungen bei Hitze und großer physischer wie psychischer Belastung hin. Nicht zu vergessen: Die Soldaten tragen bei diesen Einsätzen luftdicht verklebte Schutzanzüge, in denen sie viele Stunden arbeiten.

„Ich habe das getan, wofür ich ausgebildet wurde“, sagte Raphael P. bescheiden. Gefühle? „Die sind in solchen Momenten nicht dabei. Auch Angst nicht, aber Respekt.“ Was er in seinem Einsatz gesehen habe, sei sehr traurig. „Es sind Leute, die wirklich in Not sind.“ Besonders die Bilder von Frauen mit ihren Kindern seien prägend. „Es ist eine extreme Situation, die ich keinem Menschen dieser Welt wünsche.“ Die Auszeichnung bedeute ihm sehr viel, weil sie zeige, dass der Einsatz der Soldaten auch gewürdigt werde.

Kommandeur Krüger lobte die Soldaten seines Seebataillons, die weltweit im Einsatz sind. „Gut gemacht, Kameraden. Bravo Zulu und danke. Wir sind alle sehr stolz auf Sie.“ Gleichzeitig verhehlte er nicht das „massive Nachwuchsproblem“. „Unsere Kompanien schmelzen mir langsam unter den Fingern weg. Bei den Minentauchern ist die Lage so bedrohlich, dass ich mittelfristig, wenn es so weitergeht, um den Verlust dieser herausragenden und für die Bundeswehr wichtigen und einzigartigen Fähigkeit fürchte.“

Zu den rund 800 Soldaten des Seebataillons gehören neben den Minentauchern und der Bordeinsatzkompanie auch noch die Küsteneinsatzkompanie und die Feldnachrichtenkräfte. „In der Bordeinsatzkompanie haben wir etwa viereinhalb von zwölf Einsatzteams einsatzklar. In der Küsteneinsatzkompanie ist nur die Hälfte besetzt, und bei den Minentauchern sind es nur 30 der 95 Stellen.“

Deshalb werden neben der Nachwuchswerbung internationale Kooperationen immer wichtiger. Schon jetzt hat ein holländisches Boardingteam die deutschen Kameraden im Einsatz entlastet.

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