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Menschen des Jahres : Ein Soldat als Lebensretter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Eckernförder Zeitung stellt ihre Kandidaten für die Menschen des Jahres vor. Aus Eckernförde: Raphael P.

shz.de von
erstellt am 02.Nov.2015 | 07:00 Uhr

Eckernförde | Die Soldaten des Seebataillons sind in der Flüchtlingskrise an vorderster Front – und zwar mit der ausgestreckten Hand. Sie sind mit Schiffen im Mittelmeer und retten die Flüchtlinge, die oft nur in Schlauch- oder Fischerbooten unterwegs sind, aus Seenot. Oberbootsmann Raphael P. hat dabei einem Menschen auch noch auf andere Weise das Leben gerettet.

Der 31-Jährige war im Frühjahr vor der libyschen Küste im Einsatz. Bei einem Rettungseinsatz kenterte das Schlauchboot mit 89 Flüchtlingen. „Die Leute gerieten in Panik und schlugen im Wasser um sich“, erzählt der Bordeinsatzsoldat, dessen Nachname als Schutz ungenannt bleiben soll. „Männer, Frauen und Kinder. Die meisten konnten nicht schwimmen.“ Während die Soldaten von ihrem Speedboot Rettungswesten ins Wasser warfen und die ersten Flüchtlinge an Bord zogen, sahen sie einen jungen Mann im Wasser, der sich nicht mehr bewegte und langsam unterging. Sie zogen den Eritreer an Bord, Raphael P. leitete auf dem Speedboot sofort eine Herz-Rhythmus-Massage ein – inmitten des Chaos. „Er hatte keinen Puls und atmete nicht mehr“, erinnert er sich. Die Wiederbelebung, zeigte Wirkung, „aber er klappte immer wieder weg. Irgendwann kam er schließlich zu sich.“ Die Soldaten brachten die Flüchtlinge an Bord des Bundeswehrschiffes, danach hat Raphael P. den Mann nicht mehr gesehen.

„Ich habe getan, wofür ich ausgebildet wurde“, sagt der gebürtige Berliner bescheiden. Und: „Ohne meine Männer hätte ich das nicht geschafft.“ Sie haben auch ohne ihren Teamleiter ihre Aufgabe erfüllt. Nicht zu vergessen ist dabei die physische und psychische Belastung: „Es war das dritte von fünf Booten an diesem Tag, von dem wir Flüchtlinge geholt haben“, sagt Raphael P. „Wir waren 32 Stunden im Einsatz.“ 16 Stunden davon hatte er einen luftdicht verklebten Schutzanzug an, für dessen Ablegen im Einsatz keine Zeit bleibt. Die Männer stehen also in ihrem eigenen Schweiß und Urin.

Für seine Tat wurde ihm im Namen der Bundesverteidigungsministerin das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold für eine herausragende Einzeltat verliehen – eine sehr seltene Auszeichnung.

 

❍ Wer für Raphael P. stimmen möchte, wählt bis zum 22. November, 24 Uhr, die Telefonnummer 01375/ 80  40  12  30  02 (14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk teurer) oder schickt in diesem Zeitraum eine SMS mit dem Inhalt „shz ez 2“ an die Nummer 42020. Oder stimmen Sie online ab auf www.shz.de/menschendesjahres.

 

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