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Eckernförder Zeitung

14. Dezember 2017 | 03:51 Uhr

Ölförderung : Ein schmucker schlanker Bohrturm

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Info-Abend zur Ölförderung vor Schwedeneck von Bürgermeister und der Kieler Aktionsgemeinschaft „Stoppt Fracking“.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2015 | 05:57 Uhr

Schwedeneck | „Ein schmucker schlanker Bohrturm, dort draußen vorm Balkong – der bohrt dort nicht nach Wurzeln, der rappelt im Kartong, diddeldidomm, diddeldidomm...“, ertönte zur Melodie von „Mein kleiner gelber Kaktus“. Mit einem Dramolett wurde der Info-Abend über die Ölförderung in Schwedeneck eröffnet. Die Darsteller erhielten viel Applaus, es wurde geschmunzelt und gelacht, aber der Hintergrund der Versammlung am Donnerstag in Binges Gasthof war ein ernster. Dementsprechend viele Menschen waren der Einladung von Bürgermeister Gustav Otto Jonas (SPD) und der Kieler Aktionsgemeinschaft „Stoppt Fracking im Großraum Kiel“ gefolgt.

Auch wenn der Ölpreis abgesackt und der Förderzins derzeit hoch ist – die Gefahr, dass die DEA (Deutsche Erdöl AG) in Schwedeneck Öl fördern und eventuell sogar das sogenannte Fracking dazu einsetzen wird, ist noch lange nicht gebannt. Die Bewilligung durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), die der DEA vorliegt, gilt noch bis zum 31. März 2017. Insgesamt 4,2 Tonnen Öl wurden in der Vergangenheit bereits in Schwedeneck gefördert, davon von 1956 bis 1991 an Land und von 1984 bis 2000 auf See. Als die DEA die Bewilligung im April 2013 erhielt, versprachen die Verantwortlichen Transparenz. „Aber die Informationspolitik kam mir einseitig vor“, so der Bürgermeister. Im November hakte die Gemeinde nach, erhielt jedoch keine Antwort, ebenso wie auf das Schreiben das im April 2014 auf den Weg gebracht wurde. „Keine Reaktion – das hat mich skeptisch gemacht“, erklärte Jonas den Grund für den Infoabend.

Die Maßgaben zum Fracking sind im Bundesberggesetz geregelt, das nach Meinung der Redner und Gäste dringend einer Novellierung bedarf. Dennoch: „Von dem Bundesgesetz können wir nicht abweichen“, erklärte der Landtagsabgeordnete Patrick Breyer (Piraten). „Den Bürgerinnen und Bürgern darf nicht vorenthalten werden, was mit ihrem Land passiert.“ Eine Möglichkeit sehe er in einem Gesetzentwurf seiner Partei, der das Landeswassergesetz betrifft. Um etwas zu erreichen sei auch die Bildung einer Bürgerinitiative in Schwedeneck nicht nur hilfreich sondern geradezu notwendig. 20  000 Unterschriften reichten für einen Bürgerentscheid, ab 80  000 Stimmen könne man mit einem Volksentscheid wirklich etwas ausrichten, so Breyer.

Aktiv werden müssen jetzt möglichst viele – dazu rief auch Jutta Walter, Biologin und Aktivistin der Bürgerinitiative Prasdorf, auf: „Wir können kein vollständiges Frackingverbot erwarten, aber wir alle sollten mit breitem Protest deutlich machen: Wir wollen das hier nicht haben!“ Gäste aus verschiedenen Gruppen stellten sich und einige ihrer Aktionen vor, darunter das Bündnis Kielwasser, die Bürgerinitiative (BI) Prasdorf und die BI „Angeliter Bohren Nach“. Die Gruppe Frackingfreie Probstei überreichte dem Bürgermeister von Schwedeneck einen gelben Stuhl ohne Sitzfläche– das Symbol ihres Widerstandes, das in der Probstei zahlreich zu sehen ist.

Die Zahl der Schwedenecker Gäste war zwar nicht allzu hoch an diesem Abend. Dennoch trugen sich 30 Menschen auf der Liste ein und wollen aktiv werden. Bürgermeister Jonas freute sich über das Interesse und versprach einen Verteiler einzurichten. Auch um einen Termin für ein erstes Treffen will er sich kümmern: „Ich werde das in die Hand nehmen. Meine Meinung zu dem Thema hat sich inzwischen auch verändert: Von neutral in Richtung gegenan.“

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