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Eckernförder Zeitung

23. August 2017 | 19:56 Uhr

Kommentar : Ein Pyrrhussieg

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zum Ausgang des Bürgerbegehrens

Ursula Wedler, Wolfram Splittgerber und Dr. Falk Buettner konnten gestern die Sektkorken knallen lassen – ihre monatelange Kampagne gegen die wasserseitige Bebauung der Gaehtjestraße im Zuge der Nooröffnung wurde gestern von den Bürger mit einem geradezu historischen Erfolg belohnt: 72,9 Prozent haben sich hinter die Initiatoren des Bürgerentscheids gestellt und damit die geplante Bebauung mit drei Gebäuden verhindert. Verhindert haben sie aber auch aller Voraussicht nach den Bau einer Hafenpromenade und einer neuen Verkehrsführung an der Gaehtjestraße. Der Sieg ist zwar ihrer, aber ist er auch gut für die Stadtentwicklung? Wohl kaum, es ist eher ein Pyrrhussieg. Denn der einfallslose, öde Pflanzhügel am Hafen wird bleiben. Es gibt keine attraktive Neugestaltung der Schmuddelecke und der unvollendeten Hafenkante, weil Bund und Land sich auf der Finanzierung zurückziehen. Die Stadt hat genug mit den anderen Sanierungsprojekten von der Stadthalle bis zum Bahnhof zu tun – vom nun bald fünf Jahre dauernden, fast schon skandalösen Kino-Blackout ganz zu schweigen –, um die Projekte an der Gaehtjestraße alleine zu stemmen. Das sind die Folgen der Entscheidung.

Die Initiatoren des Bürgerentscheids waren extrem fleißig. Sie haben bis zuletzt auf der Straße für ihr Vorhaben gekämpft, haben Flankenschutz durch eine hochgehypte Facebook-Kampagne der Kneipenwirte des „Gaza-Streifens“ bekommen und haben die Menschen im Gegensatz zur Politik erreicht. Sie haben mobilisiert, die Politik nicht. Viel zu spät hat sie auf die Trumpfkarte Klaus Petersen, dem überzeugend auftretenden Planer der Nooröffnung, gesetzt und die Bürger erst fünf Tage vor dem Bürgerentscheid in der Einwohnerversammlung aktiv informiert. Es ist leider ein Trugschluss zu glauben, dass allein die Kraft der öffentlichen Debatten und Workshops im Ratssaal zur Meinungsbildung reichen. Kämpfe dieser Art werden auf der Straße entschieden, die Kraft der Argumente allein reicht nicht. Die Initiatoren haben das verstanden. Die Politik täte nun gut daran, sich bei dieser Klarheit der Entscheidung über die Bindungsfrist von zwei Jahren hinaus an das Bürgervotum gebunden zu fühlen – der Souverän hat gesprochen.

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erstellt am 07.Feb.2017 | 10:00 Uhr

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