zur Navigation springen

Porsche-Trecker unterwegs : Ein Porsche für die langsame Tour

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Porsche-Diesel-Treffen in den Hüttener Bergen

von
erstellt am 08.Mai.2017 | 06:01 Uhr

Groß Wittensee | Einmal Porsche fahren, davon träumt so mancher Autofahrer. Meist scheitert die Umsetzung am Geldbeutel, denn Anschaffung und Unterhalt sind nur von den wenigsten zu finanzieren. Deutlich entspannter sieht das bei den Porsche-Nutzfahrzeugen aus. Wie den Porsche-Traktoren, die zwar auch Liebhaberstücke sind, aber im Gegensatz zu den Sportwagen auch vom Normalverdiener zu finanzieren sind. 24 dieser kleinen landwirtschaftlichen Zugmaschinen aus der Anfangszeit des deutschen Wirtschaftswunders lockten am Sonnabendmorgen viele Schaulustige an den Binnenhafen. Sauber aufgereiht, Motorhaube an Motorhaube standen die Traktoren der Edelmarke vor dem Rundspeicher – Pause auf der zweitägigen Ausfahrt des „Porsche-Diesel-Club Europa, Region Ostsee“ durch die Region mit Start und Ziel Groß Wittensee. Die Besitzer erklärten den interessierten Passanten alles, was diese wissen wollten, vom Baujahr über Hubraum und PS bis zu den Hunderten von Arbeitsstunden zur Aufbereitung ihrer Lieblingsstücke.

Einer von ihnen ist Klaus Ströh aus Meggerdorf im Kreis Schleswig-Flensburg. Er hat die Tour organisiert. Er hat sich seinen Zweizylinder mit 22 PS 2010 aus dem Schwarzwald geholt. „Der Trecker sah aus wie eine Ölkanne“, sagt Ströh, der das gute Stück in 700 Stunden wieder flott gemacht und komplett neu aufgebaut hat. Fünf Gänge und ein Rückwärtsgang stehen für den Antrieb zur Verfügung. „Alles Original“, freut sich der Tankstellenleiter, der gerade in Kappeln mit seiner Firma eine nagelneue Tankstelle an der B 199 aufbaut. Er ist mächtig stolz auf seinen Porsche-Trecker in Originallackierung, der in den 50er-Jahren bei der Porsche-Mannesmann AG in Friedrichshafen am Bodensee gebaut wurde. Die höchste Stückzahl baute Porsche 1959 mit 165  000 zugelassenen Traktoren. „Die Nummer zwei nach Deutz“, sagt Friedrich Hepping, Vormann des Porsche-Diesel-Club Europa, Region Sauerland. Seit 1963 würden in Europa keine Porsche-Diesel-Traktoren mehr hergestellt, erläuterte er.

Die Porsche-Trecker waren damals also weit verbreitet und seinerzeit für rund 4600 D-Mark zu haben. Heute kosten die Oldtimer locker zwischen 7000 und 8000 Euro, der besser ausgestattete Junior mit einem Zylinder, 14 PS und 822 Kubikzentimeter Hubraum etwa 10  000 Euro. Aber welcher Liebhaber gibt schon seine „Rotnase“ freiwillig her? Unter der Phalanx der roten Porsche-Trecker fielen zwei besonders auf – sie sind grün. Dabei handelt es sich um noch ältere Exemplare der Firma Allgaier, die von 1946 bis 55 Schlepper baute und diese Abteilung dann an die Porsche-Diesel Motorenbau verkaufte. Die Allgaier-Traktoren wurden in grüner oder oranger Lackierung ausgeliefert, zwei davon konnten am Wochenende in der Region bestaunt werden.

„Ich bin durch und durch Porsche-Fan und habe nie etwas anderes gefahren“, schwärmte Volker Wiek aus Lübeck, der seit seinem 18. Lebensjahr kein anderes Fabrikat gefahren hat. Besonders stolz ist Wiek auf seinen P144. . Durch einen glücklichen Zufall ist der Rentner jedoch auch um eine ganz besondere Signatur auf seinem Traktor reicher. „Ich habe einmal Dr. Wolfgang Porsche getroffen, der hat mit meinen Traktor gleich signiert“, zeigte Wiek strahlend auf die silberne Unterschrift des Enkels von Firmengründer Ferdinand Porsche auf der Motorabdeckung.

„Wir fahren und treffen uns bundesweit, das bietet kein anderer Verein“, betont Ströh, das zeichne die Gemeinschaft der Porsche-Diesel-Fahrer aus. „Das ist wie eine Sucht. „Wenn wir auseinander gehen, heißt es gleich: Wann ist das nächste Treffen, wer organisiert?“, ergänzte Friedrich Hepping.

Probleme mit den Autofahrern gab’s übrigens nicht. „Unter 100 ist vielleicht einer, der murrt. Alle anderen: Daumen hoch“, sagt Friedrich Hepping aus Menden.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen