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Eckernförder Zeitung

22. August 2017 | 04:23 Uhr

Ein offenes Ohr für Trennungskinder

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zum dritten Mal bietet die Beratungsstelle des Diakonischen Werkes Eckernförde Unterstützung für Scheidungskinder

Etwa 170  000 Ehen wurden im Jahr 2013 geschieden. 136  000 Kinder mussten zusehen, wie sich ihr bisheriges Leben von einem Moment zum nächsten radikal veränderte. „Eine Scheidung ist für ein Kind ein traumatisches Erlebnis“, erklärt Familientherapeutin Martina Zarth-Ohlendorf (58). „Häufig sind die Eltern so sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, dass sie die Kinder aus dem Blick verlieren.“ Symptome für die zerrüttete Gefühlswelt des Kindes können Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität oder Schweigsamkeit sein. Aber nicht immer sei es so offensichtlich, erklärt Martina Zarth-Ohlendorf: „Grundsätzlich empfehle ich Eltern, sich im Falle einer Scheidung immer Beratung, auch für die Kinder, zu suchen.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Petra Jaich (49) leitet die Familientherapeutin der Diakonie in der Schleswiger Straße eine Gruppe für Trennungskinder. Hier sollen die 8- bis 12-Jährigen mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen und in Gruppensitzungen gestärkt werden. „Zwar haben sie keinen Einfluss auf die Scheidung der Eltern, aber die Kinder lernen, dass sie ein Mitspracherecht haben und ihre eigenen Interessen durchsetzen können“, erläutert Martina Zarth-Ohlendorf. Das abwechslungsreiche Programm der Therapeutinnen umfasst Rollenspiele, kleinere Rituale, das Vorlesen von thematisch passenden Geschichten, aber auch das gemeinsame Essen in der Gruppe. „Es ist nicht alles bierernst hier, sondern entspannt, wir lachen sehr viel mit den Kindern“, sagt Petra Jaich.

Zwar müssen sich die Kinder der achtköpfigen Gruppe erst einmal kennenlernen, aber „sie kommen schnell aus sich heraus, sobald einer zu erzählen anfängt.“ Das therapeutische Ziel der Sitzungen: Die Steigerung des Selbstwerts und die sogenannte Selbstwirksamkeit – die Einsicht, durch das eigene Handeln etwas bewirken zu können und einer Situation nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Schildert ein Kind etwa im Rollenspiel eine Situation, in der es schweigend den elterlichen Streit miterleben muss, erarbeiten sich die Kinder gemeinsam alternative Handlungsmuster für zukünftige Szenarien dieser Art.

An zwei zusätzlichen Abenden haben die Eltern darüber hinaus die Möglichkeit, sich auszutauschen. Martina Zarth-Ohlendorf und Petra Jaich stehen dabei mit therapeutischem Rat zur Verfügung. „Ob für die Kleinen oder die Großen, es ist immer hilfreich zu hören, dass andere dieselben Probleme haben“, erklärt Petra Jaich den Erfolg der Gesprächsrunden.

Am 4. März um 15.30 Uhr startet die erste Sitzung der Gruppe für Trennungskinder in den Räumen der Beratungsstelle des Diakonischen Werks. Es sind noch fünf Plätze frei. Anmeldungen direkt in der Beratungsstelle oder unter Tel. 04351/893110. Für einen Unkostenbeitrag von 30 Euro erhalten die Kinder Bastelmaterialien und abwechslungsreiche Verpflegung.

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erstellt am 06.Feb.2015 | 06:53 Uhr

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