Eckernförde : Ein ökologisches Vorbild für Südkorea

TÖZ-Leiter Reiner Fichter (r.) erklärt den südkoreanischen Gästen die ökologische Bauweise des Gründungszentrums. Foto: peters
TÖZ-Leiter Reiner Fichter (r.) erklärt den südkoreanischen Gästen die ökologische Bauweise des Gründungszentrums. Foto: peters

Das ökologische Stadtentwicklungskonzept Eckernfördes ist mittlerweile 26 Jahre alt, aber immer noch topaktuell. Eine koreanische Delegation hat sich davon vor Ort überzeugt.

shz.de von
18. Mai 2011, 11:30 Uhr

Eckernförde | Besonders in Japan stößt die ehemalige Bundesumwelthauptstadt Eckernförde auf Interesse, aber auch Südkorea nimmt sich Eckernförde mittlerweile als Beispiel. Am Montag erst war eine 20-köpfige Delegation mit kommunalen und privatwirtschaftlichen Stadtplanern aus der südkoreanischen Provinz Jeollanam-do in der Stadt, um Anschauungsunterricht zu nehmen.
Mit einem Buch fing alles an: Anlässlich des Kyoto-Protokolls 1997 erschien ein Buch mit zehn ökologischen Musterbeispielen aus Deutschland, darunter auch Eckernförde. Die Stadt zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sich die Stadtplanung nach ökologischen Gesichtspunkten richtet. So ist vor einem Vierteljahrhundert bei der von Michael Packschies vorgenommenen Umwelterhebung herausgekommen, dass die Flächen im Norden der Stadt ökologisch wertvoller sind als die im Süden. Bis heute richtet sich die Stadt in ihrer räumlichen Entwicklung danach.
Koreaner informieren sich in Schweden, Dänemark und Deutschland
"Das Buch scheint tatsächlich gelesen worden zu sein", sagt Packschies, der kurz nach der Umwelterhebung Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Eckernförde wurde. Denn im Anschluss kamen mehrere japanische Delegationen, um sich die ökologische Musterkommune und ehemalige Bundesumwelt hauptstadt aus der Nähe anzusehen. Im Gegenzug war Packschies schon dreimal auf Vortragsreisen im Land der aufgehenden Sonne. Vor exakt vier Jahren dann schickten die Südkoreaner ein Filmteam nach Eckernförde, das eine Dokumentation über die ökologischen Errungenschaften der Stadt drehte. Aufgrund dieses Films waren gestern die koreanischen Stadtplaner auf ihrer Informationsreise durch Schweden, Dänemark und Deutschland in Eckernförde.
Der Eimersee, die Regenrückhaltebecken im Domsland, das Technik- und Ökologiezentrum (TÖZ) im Rosseer Weg und nicht zuletzt die Angebote der Stadtwerke standen auf dem Programm - und das alles an einem Vormittag. Besonders die simplen, aber effektiven Techniken waren es, die die Besucher beeindruckten. Mit einem einfachen Mörteleimer zum Beispiel verstopfte Michael Packschies die einstige Verrohrung des Lachsenbaches, der sich daraufhin zu einem See und wichtigem Biotop im Norden der Stadt aufstaute - dem sogenannten Eimersee. Das TÖZ dagegen überzeugte die Gäste unter anderem durch Wandfarbe aus getrocknetem Quark und acht unterschiedlichen Dämmstoffen, zu denen auch Grasgranulat gehört.
Für das Essen im "fofftein" blieb am Ende des Vormittages nur wenig Zeit - für alle Delegationsmitglieder sehr schade, erwartete sie doch Kim Zahn in der Gaststätte "fofftein" mit offenen Armen und begrüßte sie in ihrer Heimatsprache. Die Wirtin mit koreanischen Wurzeln servierte originalkoreanische Küche. Doch schon nach kurzer Zeit rief der nächste Programmpunkt, ging es für die Gäste mit dem Bus weiter nach Kiel. Heute reisen sie nach Niedersachsen und Süddeutschland, bevor sie morgen wieder gen Heimat fliegen.

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