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Eckernfö(ö)r : Ein „ö“ spaltet die Plattdeutsch-Gemeinde in Eckernförde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Eckernför“ oder „Eckernföör“ – der Streit um die plattdeutsche Schreibweise des Ortsnamens eskaliert.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2016 | 06:51 Uhr

Eckernförde | Jahrhundertelang lebten die plattdeutsch sprechenden Eckernförder in Ruhe und Frieden, doch dann kam ein Buchstabe und wirbelte die Beschaulichkeit durcheinander. Soll Eckernförde auf Plattdeutsch „Eckernför“ oder „Eckernföör“ geschrieben werden? Mit einem oder zwei „ö“? Was den hochdeutschen Eckernförder kaum kümmert, hat einen Keil in die Plattdüütsch Gill getrieben. „Eckernför“-Vertreter Klaus-Dieter Tüxen ist aus Protest ausgetreten, Vorsitzender Heiko Gauert spricht von „Schmutzkampagne“.

Alles begann im Jahr 2007: Der Kulturausschuss der Stadt beschließt, dass auch die plattdeutsche Schreibung Eckernfördes auf den Ortsschildern zu lesen sein soll. Doch welches ist die richtige Schreibweise? Die Stadt wendet sich an den Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB), der sich für den Doppelvokal ausspricht. Der Grund: Durch den Wegfall der Endung „de“ kommt es zu einer Verlängerung der vorangegangenen Silbe, was durch eine Doppelung des „Ö“ zu kennzeichnen sei. Das entspreche auch den plattdeutschen Rechtschreibregeln von Johannes Saß. Und dem entsprach dann auch die Eckernförder Politik – auf den Schildern steht seither „Eckernföör“.

Doch das gefällt beileibe nicht jedem. Die plattdeutschen Vorleser Christel Fries und Klaus-Dieter Tüxen zum Beispiel waren nie Freunde dieser Schreibweise. „Seit ihrer Gründung wird die Plattdüütsch Gill Eckernför mit einem ö geschrieben“, sagen sie. „Genau wie andere Gilden auch. Der Name gehört zu unserer Geschichte und Tradition.“ Außerdem sei Eckernför als Eigenname nicht zu verändern. Genauso sieht es auch Dr. Reinhard Goltz vom Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen: „Für Ortsnamen ist die schriftliche Überlieferung und damit die lokale Tradition von allergrößter Relevanz“, bestätigt er. „Dieser Faktor hat grundsätzlich Vorrang vor allen anderen Überlegungen.“ 500 Unterschriften haben die Anhänger des einen „ö“ gesammelt, seither herrscht ein Grabenkampf in der Plattdüütsch Gill, denn der Vorsitzende Heiko Gauert ist ein Verfechter der zwei „öö“, ebenso sein Vorgänger Karl-Heinz Groth und andere Mitglieder.

Kurz vor Weihnachten dann die Eskalation: Klaus-Dieter Tüxen tritt nach 19 Jahren aus der Plattdüütsch Gill aus. „Man hat mich ausgebootet“, sagt er. Erstmals seit 18 Jahren sollte er nicht bei der Weihnachtsfeier, der „Königsdisziplin der plattdeutschen Veranstaltungen“ vorlesen. Stattdessen sollten Kinder aus dem Karbyer Kindergarten auftreten. Für Tüxen ganz klar eine Retourkutsche Gauerts wegen seines Einsatzes für Eckernför mit einem „ö“.

Für Heiko Gauert dagegen unverständlich und eine „Schmutzkampagne“. Er selbst habe ebenfalls darauf verzichtet, bei der Weihnachtsfeier vorzulesen. Tüxen sei alternativ ein honorierter Nachmittagstermin am 5. Januar angeboten worden. Mit dem Streit um die Schreibweise habe das nichts zu tun.

Der hat mittlerweile die mediale Schallmauer durchbrochen: Nachdem sich schon Radio Schleswig-Holstein (RSH) mit dem Thema befasste, wird es auch bald einen Beitrag in der Fernsehsendung „Extra 3“ geben – und die ist für ihren satirischen Unterton bekannt. In diesem Fall bietet es sich an: Denn egal, wie man Eckernförde auf Plattdeutsch schreibt: Ausgesprochen hören sich beide Varianten gleich an.

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