Dr. Miertsch : Ein medizinischer Pionier geht in den Ruhestand

Dr. Hans-Joachim Miertsch hat das Augenarztzentrum mitgegründet und Eckernförde zu einem kleinen „Mekka der Augenheilkunde“ gemacht.
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Dr. Hans-Joachim Miertsch hat das Augenarztzentrum mitgegründet und Eckernförde zu einem kleinen „Mekka der Augenheilkunde“ gemacht.

Der Mitbegründer des Augenarztzentrums ist mit 68 Jahren in Rente gegangen. Er sorgte dafür, dass Eckernförde zu einem wichtigen Pfeiler in der Augenheilkunde des Landes wurde.

shz.de von
02. Juli 2015, 06:00 Uhr

Das Augenarztzentrum Eckernförde (AZE) genießt in Schleswig-Holstein einen außerordentlich guten Ruf. Damit eng verbunden ist Dr. Hans-Joachim Miertsch, der vor 37 Jahren ins Ostseebad kam und später das AZE mitbegründete. Seit gestern ist er im Ruhestand.

Als er sich im Juli 1978 in Eckernförde niederließ, war Hans-Joachim Miertsch mit seinen 31 Jahren der jüngste Facharzt und niedergelassene Augenarzt des Landes. „Ich habe als Privatassistent an der Uni-Klinik in Kiel gearbeitet und immer mal Praxisvertretung bei Dr. Conrad in der Kieler Straße 71 gemacht“, erinnert er sich. Im März 1978 starb Dr. Conrad, Joachim Miertsch konnte die Praxis übernehmen. Drei Monate lang musste er zwei Jobs machen: „Von 7 bis 14 Uhr war ich an der Uni-Klinik, von 15 bis 19 Uhr in der Praxis.“ Zwei Teilzeitkräfte und ein Azubi gehörten zu seinem Team. „Ich habe anschließend auch eine augenchirurgische Abteilung im Kreiskrankenhaus Eckernförde aufgebaut, in der ich als Belegarzt gearbeitet habe. Zu der Zeit wurde noch jeder graue Star stationär operiert, Liegezeiten von einer Woche pro Auge waren normal.“

Die Praxis entwickelte sich gut, schließlich wurden die Räume in der Kieler Straße zu klein. Am 1. Januar 1984 gründete er im „Bleicherhof“ neben dem neuen Rathaus mit Hans Stehmann die Gemeinschaftspraxis. Der technische Fortschritt erlaubte immer mehr ambulante Operationen – im Februar 1990 wurde die Praxisklinik Bleicherhof eröffnet und damit die erste augenärztliche Ambulanzklinik in Schleswig-Holstein. Mittlerweile konnten die Patienten nach einer Star-OP sofort nach Hause gehen. Anfang der 90er-Jahre stieß Dr. Fritz Buchholz dazu. Einige Jahre später erfolgte die Umbenennung der Praxisklinik Bleicherhof in Augenarztzentrum Eckernförde. Bereits Mitte der 90er-Jahre hatte die Praxis die volle Weiterbildungsermächtigung für das Fach Augenheilkunde erhalten und war damit eine von nur zwei Praxen in Schleswig-Holstein. „Viele Assistenten haben hier ihre Weiterbildung absolviert und sich anschließend niedergelassen“, so Miertsch.

Das AZE entwickelte sich zu einem wichtigen Pfeiler der Augenheilkunde im Land. Zwischen 2006 und 2010 übergaben alle drei Ärzte ihre Kassenarztsitze nach und nach an ihre Nachfolger Dr. Katharina Föry, Dr. Paricia Kübek und Dr. Moritz Pünder. Als weitere Partnerin kam Dr. Ellen Lippek hinzu. Seither wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 40 auf über 70, Depandancen in Gettorf und Flensburg wurden eröffnet. Inzwischen ist das AZE mit rund 8000 operativen Eingriffen im Jahr eines der größten ambulanten OP-Zentren im Land.

Schon in den vergangenen Jahren hat Dr. Miertsch seine Stundenzahl reduziert. Am Dienstag hatte er seinen letzten Arbeitstag. Seine Karriere zeigt, dass man kein außergewöhnlicher Schüler sein muss, um erfolgreich im Berufsleben zu bestehen: „Ich begann in Gießen ursprünglich mit dem Studium der Veterinärmedizin, weil meine Abiturnote für Humanmedizin nicht gut genug war.“ Im Jahr 2006 wurde Miertsch, der mit seiner Frau Ingrid drei Kinder hat, von den Lesern der sh:z-Zeitungen wegen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in Afrika zum Menschen des Jahres gewählt. Seit 2003 arbeitet der heute 68-Jährige in Sambia, Uganda und Tansania als Dozent an verschiedenen Augenkliniken: „Ich trainiere afrikanische Augenärzte in OP-Techniken, halte Vorlesungen und operiere selbst. Das werde ich auch im Ruhestand weitermachen.“

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