Ein-Mann-Theater des Herrn Lehmann

Schauspieler Martin Pfisterer lässt Kultroman von Sven Regener lebendig werden

shz.de von
31. August 2012, 09:32 Uhr

Eckernförde | "Herr Lehmann", geschrieben von Sven Regener, erfolgreich verfilmt, lange auf der "Spiegel"-Bestsellerliste, kam am Mittwoch abend zu Besuch ins Künstlerhaus, Ottestraße. In Personifizierung von Schauspieler Martin Pfisterer gewährte Herr Lehmann gründlich Einblick in sein Leben. Eigentlich Frank Lehmann, hatte der Protagonist von seinen Kneipenkumpels den Spitznamen "Herr Lehmann" als einer bekommen, der grad dabei war, 30 Jahre alt und damit "erwachsen" zu werden.

Ja, Kneipen, Freunde, Alkohol, eine große Liebe ohne Aussicht, da rutschte man schnell mit hinein in das Alltagsleben des jungen Berliners. Seine Art, alles genau zu beobachten, sich zu allem so seine Gedanken zu machen, schließlich Gedachtes und Empfundenes in absolut schnörkelfreier, drastischer Weise wiederzugeben, kam an.

Aber was wäre das alles gewesen ohne Martin Pfisterer und seine Art, die zum Teil grotesken Situationen vorzulesen. Zu lesen? Mit modulier- und dialektfähiger Stimme, dazu starker Körpersprache wurde der Abend zu einem "Ein-Mann-Theater". Martin Pfisterer stand gut eine Stunde frei im Raum, hielt das Buch und ließ - zum Beispiel - die bissige, hässliche Hundetöle, den "Scheißköter" lebendig werden. Angetrunken steuert Herr Lehmann nächtens seine Eineinhalb-Zimmer-Bude "mit Büchern und leerem Bett" an. Da lässt ihn die knurrende Bestie nicht vorbei - eine Szene, die man miterlebt haben sollte - allerdings am besten als Zuhörer.

Nach einer durchzechten Nacht morgens um 10 Uhr von seiner Mutter telefonisch geweckt zu werden, auch das hat eine unendlich komische Auseinandersetzung zur Folge: Ein Kampf zwischen mütterlicher Anspruchshaltung, Resten guter Erziehung und absolutem Frust auf Sohnesseite - das war sehr vergnüglich, weil so nahe am Leben.

Eine ganz eigene, neue Erfahrung von "Maueröffnung live (1989)" rundete die spannende Lesung ab, die einen neugierig auf Buch und Film hinterließ.

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