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Drohender Abstieg des HSV? : Ein Mal HSV-Fan, immer HSV-Fan

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Fan-Club „Die Schleigeister“ zittert, hält aber dem HSV die Treue – auch in der 2. Bundesliga. Unabhängig vom Spielausgang fährt der Club am 3. Mai nach Hamburg zum Spiel gegen FC Bayern München.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2014 | 13:00 Uhr

Wenn am Sonntag der Schiedsrichter um 15.30 Uhr das Fußballspiel FC Augsburg – Hamburger SV anpfeift, wird die Dörphoferin Christa Schröder allein in ihrer Stube vor dem Fernsehapparat sitzen. Angespannt, voller Hoffnung und Verzweiflung gleichermaßen. Die 71-Jährige wird in ihrem Sessel nicht ruhig sitzen bleiben können. Zu wichtig ist dieses Spiel für die Zukunft ihres Vereins. Neben sich genügend Taschentücher, falls es dann doch auch an diesem 32. Spieltag für den HSV wieder mal nicht gereicht haben sollte. Das Abstiegsgespenst geht bei allen HSV-Fans im Norden schon seit einigen Wochen um.

In Winnemark gibt es einen Verein, dessen Mitglieder schon mehr als die Sorge vor einem Abstieg in die 2. Bundesliga umtreibt – den HSV Fan-Club „Die Schleigeister“. Diesem drittletzten Spieltag sehen die Mitglieder mit einiger Sorge entgegen, denn dieser kann bereits über das Schicksal des Vereins entscheiden. Sollte die Mannschaft das Auswärtsspiel gegen Augsburg verlieren, „ist es im Grunde zu spät“, mutmaßt Stefan Moese, zweiter Vorsitzender. Der 35-jährige Koch hat die Leidenschaft für den HSV von Vater Norbert (62) geerbt. Mit zehn Jahren durfte er das erste Mal mit zu einem Spiel in das Volksparkstadion und ist seitdem mit dem HSV-Virus infiziert.

Das schlechte Abschneiden der Mannschaft ist für ihn „die schlechte Ernte aus den vergangenen 15 Jahren“, so der Koch. Schuld an dem desolaten Zustand des Teams sind seiner Meinung nach die Funktionäre im Aufsichtsrat und Vorstand, die sich selbst viel zu wichtig nähmen, ist sich der Winnemarker sicher, „Die Funktionäre haben vom Fußball keine Ahnung.“

Norbert Moese, Gründungsmitglied des Vereins „Die Schleigeister“, der am 29. März 2010 ins Leben gerufen wurde, und Inhaber des Vereinslokals „Victoria“, merkt man an, dass er die Situation als dramatisch empfindet. „Ganz klar – die Angst geht um“, beschreibt er seine Gefühlslage. Und macht im selben Atemzug klar: „Wir wollen oben bleiben. Jetzt müssen die Spieler mehr kämpfen und nicht schön spielen. Denn wir Fans wollen in der 1. Liga bleiben“, so Moese, und genau das könne man den Spielern auf dem Platz nicht ansehen. Denen sei es egal, was mit der Mannschaft passiert. Die hätten alle neue Verträge in der Tasche, so die einhellige Meinung der Schleigeister.

„Das Leben nach einem Abstieg? Deprimierend!“, blickt er düster in die Zukunft. „Die HSV-Spieler sind sich gar nicht der Bedeutung bewusst, die der Verein hier in der Region hat. Ein Abstieg ist abwertend für unsere Region“, ist sich Norbert Moese sicher, der sich nur zu gerne an die goldenen Zeiten unter Trainer Ernst Happel erinnert.

Marwin Blaas wird sich das Spiel am Sonntag wie Christa Schröder vor dem heimischen Fernseher anschauen.


Wo liegt Heidenheim?


Auf den Gang ins Karbyer Sportheim verzichtet der Hobbyfußballer. „Zu viele Bayern-Fans“, so der 17-Jährige. Ob er auch im Falle eines Abstiegs HSV-Fan bleibe? Zwar hat der Schüler so nebenbei auch mal eine Zeit lang dem MSV Duisburg die Daumen gedrückt, aber auch für ihn – wie für alle HSV-Fans – gilt: „Ganz aufhören? Geht gar nicht. Ein Mal HSV-Fan, immer HSV -Fan“.

Heidenheim? Wo liegt denn das? Die Schleigeister haben eine Karte mit den Vereinen aus der 2. Liga vor sich liegen, um sich zu orientieren. HSV gegen Heidenheim? Geht gar nicht, sind sich alle einig. Auf den Vorteil, Zweitligaspiele montags live auf dem Sender Sport 1 sehen zu können, möchten sie lieber verzichten. „Wir müssen und wollen oben bleiben“, bekräftigt Norbert Moese, der als Achtjähriger sein erstes Fußballspiel, HSV gegen Barcelona, 1960 im Schwarz-Weiß-Fernseher seines Nachbarn gucken durfte. Die Fankultur in der 2. Liga sei eine andere, so Moese, „zu viel Pyrotechnik“.

Der erste Vorsitzende der Schleigeister, Harald Kloss, ist der einzige, der sich optimistisch gibt. Er tippt als Ergebnis des Spiels gegen Augsburg 1:2. Wer die Tore für den HSV schießen soll, ist ihm egal. Im Falle eines Abstiegs werden die Schleigeister auch in der 2. Liga Vereinstreue beweisen. „Vielleicht ist es gewollt. Vielleicht müssen sie sich erst einmal regenerieren“, so Kloss.

Christa Schröder war im Februarspiel 2013 gegen Mönchengladbach (1:0) Fan des Tages (ausgewählt vom NDR) und durfte Lotto King Karl im Fahrstuhl der Arena begleiten, als dieser von oben herab das Lied „Hamburg, meine Perle“ sang. Den zu der Zeit verletzten René Adler konnte sie ganz aus der Nähe betrachten, „ein hübscher junger Mann“. Die Postbotin, die seit ihrer Penionierung vor acht Jahren stolze Besitzerin einer Dauerkarte ist, zieht Trost aus dieser Erinnerung, wenn sie am Sonntag den Fernsehapparat einschaltet.

Unabhängig vom Spielausgang am Sonntag fahren die Schleigeister am zweitletzten Spieltag, am Sonnabend, 3. Mai, nach Hamburg und werden in der Südtribüne ihrem HSV mehr als nur ein Daumen drücken – auch wenn es gegen Bayern München geht.

Eine Chance bleibt dem HSV, der als einziges Gründungsmitglied der Bundesliga noch nie abgestiegen ist – das Relegationsspiel. Mögliche Gegner könnten die Fußballvereine aus Paderborn, Greuther Fürth oder Kaiserslautern. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, gibt sich der Vorsitzende der Schleigeister, Harald Kloss, zuversichtlich.

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