Förde-Öffner aus Eckernförde : Ein Lebensretter wird Flaschenöffner

Bevor der schillernde Förde-Öffner zu Tage tritt, müssen die Schüler wie hier Bjarne Klockemann der Gurtschnalle noch den Plastikmantel abschlagen und den Rohling polieren.
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Bevor der schillernde Förde-Öffner zu Tage tritt, müssen die Schüler wie hier Bjarne Klockemann der Gurtschnalle noch den Plastikmantel abschlagen und den Rohling polieren.

Die Schülerfirma „Rauteck“ aus Eckernförde verkauft Flaschenöffner aus Sicherheitsgurten von schrottreifen Autos. Die „Förde-Öffner“ kommen jetzt auf den Markt.

Arne_Peters-8499.jpg von
06. Dezember 2014, 05:31 Uhr

Eckernförde | Jahrelang haben sie Menschen gerettet oder vor Schaden bewahrt, heute sind sie im Ruhestand und öffnen so manche Bier- und Colaflasche: die Sicherheitsgurte von Autos.

Es war die Idee einiger Jungmannschüler, die Gurtverschlüsse von schrottreifen Autos vom Kunststoff zu befreien und die blanken Metallkerne als Flaschenöffner weiterzuverwenden. Der „Förde-Öffner“ war geboren, der jetzt in den Verkauf geht.

Das dazu gehörige Unternehmen „Rauteck“ haben die 16- bis 18-Jährigen gleich mitgegründet. Allerdings sind sie nicht im Gewerberegister erfasst, sondern Teil des „Junior-Schülerfirmenprogramms“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die gemeinnützige GmbH veranstaltet seit 20 Jahren einen jährlichen Wettbewerb unter Schulen: Schüler können mit Unterstützung der Stiftung ein eigenes Unternehmen gründen und auf diesem Wege die Regeln der Wirtschaft lernen. Sie müssen Finanzberichte schreiben und Stundenzettel ausfüllen, ihren Angestellten Lohn zahlen, eine Marketingstrategie entwerfen und einen Vorstand wählen.

An der Jungmannschule nehmen die 24 Schüler des WiPo-Profils im 12. Jahrgang an dem Junior-Programm teil. Sie haben die Idee entwickelt, Autoteile zu recyceln, deshalb der Name „Rauteck“ (Recycelte Autoteile Eckernförde). Ihr erster Aufschlag erfolgt mit den Flaschenöffnern aus Gurtverschlüssen, „später kommen eventuell noch selbstgenähte Taschen und Gürtel aus dem Material der Gurte hinzu“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jon-Vincent Drewes. Zwei Varianten des Förde-Öffners bewirbt er stolz: den puristischen als reinen Metallkern der Gurtverschlüsse für fünf Euro pro Stück und den „Förde-Öffner mit Sti(e)l“ mit einem angebrachten Holzgriff für acht bis zehn Euro.

Jon-Vincent Drewes steht in Kontakt zu Schrottplätzen und Autoverwertungen in und um Eckernförde, auf denen sich die Jugendlichen ihr Rohmaterial meistens kostenlos zusammensuchen können. 50 Gurte haben sie mittlerweile auf Lager, Sponsoren sorgen für ein Grundkapital, mit dem die Schüler Arbeitsmaterial anschaffen und sich selbst bezahlen können. „Zurzeit zahlen wir unseren Mitarbeitern einen Stundenlohn von 25 Cent“, so Jon-Vincent Drewes.

Außerdem haben die Schüler Anteilsscheine verkauft, deren Besitzer mit jeweils zehn Euro in Vorkasse gegangen sind, dafür aber am Ende auch eine Rendite erwarten dürfen – wenn das Geschäft gut läuft. Auch Bürgermeister Jörg Sibbel hat einen Anteilsschein gekauft. „Ich finde das Projekt gut, Schülern auf diese Weise selbst erleben zu lassen, wie Wirtschaft funktioniert“, sagt er. „Außerdem ist die Idee gut, gebrauchte Autoteile wieder dem Wirtschaftskreis zuzufügen.“

Bislang sind die Förde-Öffner nur über die Homepage www.rauteck.de zu bestellen. Dort soll auch bald ein Video des Entstehungsprozesses zu sehen sein. Schon bald sollen Kunden die Öffner auch in ausgewählten Geschäften kaufen können.

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