shz-Weihnachtskonzert : Ein Konzert mit Advent und Temperament

Ausverkauftes Haus: Knabenchor und Petersen-Quartett aus St. Petersburg sangen die russische Seele in die Stadthalle.
Ausverkauftes Haus: Knabenchor und Petersen-Quartett aus St. Petersburg sangen die russische Seele in die Stadthalle.

Der Knabencor und das Petersen-Quartett aus St. Petersburg haben ihre Gäste beim shz-Weihnachtskonzert in den Advent entführt.

shz.de von
06. Dezember 2018, 16:14 Uhr

Premiere des shz-Weihnachtskonzerts in der Stadthalle am Mittwochabend – ausverkauft! Wer das noch nicht mitbekommen hatte, erfuhr es spätestens zehn Minuten vor Beginn durch die Aufforderung zusammenzurücken und frei gehaltene Plätze zu räumen. „Bitte Handys ausschalten, kommen Sie runter, wir wollen Musik in Ihre Herzen bringen und wünschen Ihnen eine schöne weihnachtliche Stunde“, begrüßte NDR-Moderator Herbert Fricke die Gäste mit dem Wunsch, während der ersten zehn Minuten nicht zu klatschen.

Das große Weihnachtskonzert des Knabenchors St. Petersburg und dem Petersen-Gesangs-Quartett begann mit dem Einzug des Chores mit dem Dirigenten Vadim Ptscholkin und 41 zehn bis 18 Jahre jungen Stimmen auf dem Weg zur Bühne. Inklusive feuersicheren E-Kerzen in der Hand, die in der verdunkelten Stadthalle trotzdem romantisch wirkten. „Halleluja“ zu Beginn des adventlichen Teils, das Petersen-Quartett, vier Herren mit geschulten, kräftigen Stimmen in bester russischer Tradition (kraftvoller Ausdruck, aber auch sanfte Empfindsamkeit wie im „Ave Maria“). In vorweihnachtlichem Ambiente lauschte man den Chorklängen mit Werken von Bortnjanski, Lwow, Händel, Schubert und Verdi, teilweise vom Klavier begleitet.

Alles auswendig gesungen, entstand schnell anheimelnde Adventstimmung. Mit einem störenden Schönheitsfehler: Zwei Stand-Mikrofone auf der Bühne waren zu viel: Sowohl der Tenor nutzte eines davon, was seine Stimme über Lautsprecher arg entstellte, als auch Vladimir Bestonov mit seiner 200 Jahre alten Geige. Beißende Töne anstatt Wohlklang versteckten viel vom Können der Künstler, die sich davon aber nicht stören ließen. Auch die Besucher nahmen es hin: Die Erinnerung beim Wiederhören traditioneller russischer Lieder wirkte stärker, denn es wurden Gefühle direkt angesprochen.

Ob mit sakralen russischen Liedern, oder Franz Schuberts „Leise klingen meine Lieder“. „Abendglocken“, „Glocken der Heimat“, „Leise rieselt der Schnee“ und mehr – in seinen Ansagen lud Herbert Fricke zum Besuch St. Petersburgs ein. Bis zu der, in anderen Konzerten bereits mehrfach erprobten „Programmänderung“ mit dem „Czardas“ des italienischen Komponisten Vittorio Monti für Violine und Klavier: „Bravo“ und tosenden Applaus gab es nach diesem Kunst-Stück.

„Okay, ihr wollt keinen Advent mehr, sondern Temperament“ reagierte Herbert Fricke auf den Beifall und leitete geschickt in den weltlichen Teil über: Darin der Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“, „Der lange Weg“ mit Chor, Solisten und Gitarre, „The Lion sleeps tonight“ mit faszinierend echt wirkenden Urwaldgeräuschen und Kreischen der Affen, auch dabei: „Die Lerche“, wieder für Violine und Klavier. Selten wie hier wurde die Verbindung von Kunst und Können deutlich. Ein Erlebnis und Vergnügen der Sonderklasse.

„Diese Dame bleibt immer jung“ kündigte Herbert Fricke mit „Kalinka“ die letzte Zugabe an. Langen, heftigen Applaus gab es dafür. Zum Schluss wurde „O du fröhliche“ vom Petersburger Knabenchor gemeinsam mit dem Publikum gesungen. Damit war der Bogen zum Anfang des Weihnachtskonzerts geschlossen. Premiere gelungen.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen