Mozart und Beethoven : Ein Konzert ganz ohne Schlips und Kragen

Wer hört den Unterschied? Christoph-Mathias Mueller bezog die Schüler mit ein.
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Wer hört den Unterschied? Christoph-Mathias Mueller bezog die Schüler mit ein.

Göttinger Symphonieorchester gibt Konzert für Schüler / Einblick in die Welt der klassischen Musik

shz.de von
22. Mai 2015, 05:50 Uhr

Worin besteht der Unterschied zwischen Beethovens und Mozarts Musik? Wie klingen Oboen und Klarinetten? Und was kann eine Pauke, was eine Trommel nicht kann? Viele Erwachsene können diese Fragen nicht beantworten, seit gestern wissen dafür rund 300 Schüler die Antworten.

Sie waren beim Kinderkonzert des Göttinger Symphonieorchesters, das auf Einladung der Konzertreihe Eckernförde schon am Mittwochabend vor dem erwachsenen Publikum gespielt hatte. Gestern Vormittag hatten sie dann einen ungewöhnlichen Auftritt: In zivil, ganz ohne Anzüge und Abendgarderobe, spielten sie vor fast 300 Schülern von Fritz-Reuter- und Richard-Vosgerau-Schule, Waldorf- und Jungmannschule sowie der Grundschule Barkelsby, die alle kostenlos vom Stadtverkehr zur Stadthalle gebracht wurden.

Dass in diesem Falle anders agiert werden musste als vor ihrem üblichen Publikum, war Christoph-Mathias Mueller klar. Der Leiter und Dirigent des Orchesters sprang für seinen erkrankten Kollegen ein, der normalerweise die Kinderkonzerte leitet.

Mit einem heiteren Stück mit dominantem Geigenspiel eröffneten sie den Vormittag und erhielten dafür den ersten Applaus. Der zweite Beifall kam im Gegenzug von den Musikern, als die Frage nach dem gespielten Stück prompt von den Kindern beantwortet wurde: die Ouvertüre von Mozarts Zauberflöte. Mozart schrieb mit fünf Jahren seine erste Komposition, mit acht Jahren seine erste Sinfonie. Er starb im Alter von 36 Jahren und hatte bis dahin 41 Sinfonien, 27 Klavierkonzerte und 18 Opern geschrieben. Die Zauberflöte war seine letzte Oper aus dem Jahr 1788. „Ihre Geschichte könnte in jeder Soap-Oper vorkommen“, erklärte der Dirigent.

Auf genaues Hinhören kam es danach an: Das Orchester spielte zwei Versionen – eine mit und eine ohne Posaunen, danach eine in Dur, eine in Moll, was die Schüler gleich erkannten – erneut gab es Applaus von den Musikern für die Schüler.

Nach der Jupiter-Sinfonie Mozarts wechselte das Orchester zur Ouvertüre von Beethovens Prometheus-Ballett. Wo lag jetzt der Unterschied in der Musik? „Schneller“, „gröber“, „mehrere Steigerungen“ – letzten Endes stimmte alles etwas. „Tatsächlich sind sich beide recht ähnlich“, urteilte Mueller, „denn beide hatten das selbe große Vorbild: Joseph Haydn, der 104 Sinfonien geschrieben hat.“

Welche Holzblasinstrumente gibt es, wo liegt der Unterschied zwischen Oboe und Klarinette? Kurz erläutert und demonstriert, und weiter ging es zur „Schönen Helena“ von Jaques Offenbach aus der Zeit der Romantik.

Das schnelle Stück und die rasche Spielweise des Orchesters erntete sogar Fußgetrappel der Schüler, die sofort merkten: In der Romantik ging es wilder und lauter zu als in der Klassik. Kein Wunder, es kamen auch mehr Instrumente zum Einsatz, unter anderem die Pauke, die mit einem Pedal ihr Fell straffen und so verschiedene Tonhöhen erzeugen kann – im Gegensatz zur Trommel.

Ganz im Zeichen der Überschrift „Sagenhaft“ stand dann auch das letzte Stück, das die Moderne zum Ausdruck brachte und manche Kinder zu Begeisterungsausrufen brachte: die Filmmusik zu Star Wars von John Williams, mit der ein lehrreicher und unterhaltsamer Konzertvormittag endete.

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